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20.08.1993

Erste Produkte fuer funkbasierte Netze sind auf dem Markt ETSI-Draft ebnet Wireless LANs in Europa den Weg zur Anwendung

MUENCHEN (CW) - Die europaeische Wireless-LAN-Szene kommt in Bewegung. Als Katalysator duerfte sich dabei die Verabschiedung eines Final Draft des European Telecommunications Standards Institute (ETSI) fuer drahtlose Netze auf Funkbasis bemerkbar machen, der in Konkurrenz zum DECT-Standard steht.

Als belebendes Element fuer die Anwendung drahtloser Netze in Europa werten Marktbeobachter die Festlegung der ETSI auf einen vorlaeufig eingefrorenen Draft. Dieser sieht unter anderem die Reservierung eines 100 Megahertz breiten Frequenzbandes zwischen 2,4 und 2,5 Gigahertz fuer funkbasierte Wireless LANs vor. Der ETSI-Entwurf, der den europaeischen Behoerden gegenwaertig zur Pruefung vorliegt, stellt nicht nur den Versuch dar, weltweit zu einer Vereinheitlichung der Uebertragungsnormen beizutragen, sondern will den Herstellern auch die Moeglichkeit geben, ihre Produkte auf einer weitgehend gesicherten Standardplattform zu konzipieren.

Eigene Standards haben sich auch in den USA und Japan entwickelt, wobei sich die Arbeitsgruppe 802.11 des IEEE kuerzlich auf ein Modulationsverfahren fuer Frequency Hopping bei drahtlosen Funknetzen im 2,4-Gigahertz-Bereich verstaendigt hat. Dieses Verfahren wird von Experten als die beste Loesung zum Schutz der Daten gegen andere Signale, zum Beispiel Mikrowellen, waehrend der Uebertragung angesehen.

Frequency Hopping teilt das Frequenzband in mehrere Kanaele auf und uebertraegt die Informationen in kurzen Zeittakten durch das Hin- und Herspringen auf den verschiedenen Kanaelen. Schwierigkeiten erwarten Insider jedoch bei der Festlegung der Hersteller auf der Ebene des MAC-Layers, der die Schnittstelle des Netzes zur Higher-level-Software verkoerpert.

Waehrend sich in den USA diese Loesung abzeichnet, konkurrieren in der Alten Welt die neue ETSI-Loesung sowie der Standard Digital European Cordless Telecommunications (DECT). Kritiker halten den DECT-Standard wegen seiner hauptsaechlichen Ausrichtung an der Sprachkommunikation jedoch nur fuer begrenzt LAN-tauglich. Ausserdem sei die Normierung der Datenuebertragung in DECT nicht abgeschlossen, weshalb Zweifel an der Kompatibilitaet des Standards in LANs laut werden.

Der italienische Hersteller Olivetti hat im Juni das drahtlose LAN "Net3" auf Basis des DECT-Standards auf den Markt gebracht, dessen Frequenz zwischen 1,8 und 1,9 Gigahertz angesiedelt ist. Das Produkt, das bereits in Deutschland zugelassen ist, soll im Herbst in ganz Europa erhaeltlich sein. Olivetti raeumt jedoch ein, dass das Public Access Profile in DECT derzeit noch keine Textdateien transportieren kann. Spaetestens in einem halben Jahr, so ein Olivetti-Sprecher, soll aber eine neue Version der Net System Software fuer Anwender erhaeltlich sein, sobald alle Protokolle fertiggestellt sind.

Auch die grossen PBX-Hersteller in Europa wie Alcatel,

Ericsson und Siemens arbeiten an einer Option zur Datenuebertragung in ihren auf DECT basierenden Telefonsystemen. Angaben dieser Anbieter zufolge ist damit fruehestens in zwei Jahren zu rechnen.

Im 2,4-Gigahertz-Bereich prognostizieren die Marktforscher dagegen schon fuer die naechsten Monate ein reichhaltiges Angebot in Europa. Die Verzoegerung im Vergleich zu den USA erklaeren die Analysten mit bislang fehlenden Standards sowie weniger Anwendern von Laptopund Notebook-Rechnern. Audem, so die Marktforscher, tendieren europaeische User generell dazu, einer nicht standardisierten Technik mit Skepsis zu begegnen.

Ein Vorteil fuer Europa im Gegensatz zu den USA koennte hingegen sein, dass in der Alten Welt mit der ETSI nur eine Standardorganisation fuer die Frequenzvergabe und Normierung verantwortlich ist. Moeglicherweise verschaffen sich die Europaeer sogar einen Vorsprung bei der Entwicklung der naechsten Generation drahtloser Netze, dem sogenannten Hiperlan, das im 5,2-Gigahertz- Bereich operiert und eine Uebertragung von 20 Mbit/s realisieren soll. Mit einer Verabschiedung ist nicht vor 1995 rechnen.

Was den aktuellen 2,4-Gigahertz-Draft betrifft, hat zum Beispiel NCR mit "Wavelan" bereits Flagge gezeigt. Das Produkt ist in Deutschland ebenso zugelassen wie das brandneue Wireless LAN "Meshnet2" der Deutschen Aerospace AG (Dasa). NCR-Konkurrent Xircom will sein drahtloses LAN "Wavelan" auf Basis des Frequency- Hopping-Verfahrens noch in diesem Jahr in Europa anbieten koennen und Anfang 1994 die Zulassung fuer alle europaeischen Staaten haben.