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26.03.1999 - 

Erste Turbulenzen stören die Dynamik des Wachstumsmarktes

Erste Turbulenzen stören die Dynamik des Wachstumsmarktes Telekommunikation: Die Jobs werden knapper

Von CW-Mitarbeiterin Alexandra Glasl In Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit schien der TK-Markt bisher als Hoffnungsträger in Sachen Beschäftigung. Inzwischen zeigt sich jedoch: Viele Carrier bevorzugen eine eher vorsichtige Personalplanung.

Auf den ersten Klick scheint alles beim Alten geblieben zu sein. Unter der Rubrik "Jobs" spricht Otelo auf seiner Web-Site von der "Wachstumsbranche Telekommunikation", von "vielen jungen Menschen, die kreativ und flexibel an ihre Aufgaben herangehen" und von deren "Ideen und Visionen", die das Unternehmen brauche. In der Realität haben solche Public-Relations-Sprüche längst jegliche Basis verloren. Das Telekommunikationsunternehmen gab vor drei Monaten bekannt, daß von ursprünglich 3000 Mitarbeitern bis Ende dieses Jahres nur noch 2500 übrigbleiben.

Unternehmenssprecher Christian Hoppe mag denn auch zum Thema Arbeitsmarkt nichts Positives mehr vermelden: " In bezug auf den Personalaufbau geben wir keine Prognosen ab." Diese Zurückhaltung hat sich der von Anlaufschwierigkeiten geplagte Carrier - für 1998 rechnet man mit Verlusten von 2,2 Milliarden Mark - erst kürzlich selbst verordnet. In der Vergangenheit hatten die Düsseldorfer gern rosige Szenarien entworfen und verkündet, daß jährlich 600 neue Mitarbeiter hinzukommen würden.

Heute weist Hoppe lapidar darauf hin, daß Prognosen in einem so dynamischen Markt wie der Telekommunikation wenig hilfreich seien. Außerdem könne nicht eine hohe Beschäftigtenzahl, sondern nur ein akzeptabler Umsatz Ziel des Unternehmens sein. Und in diesem Punkt sei man laut Hoppe sehr erfolgreich: "Uns geht es gut. Die Reduzierung der Stellen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern für die Konzentration auf Kernbereiche."

Otelo ist nicht das einzige TK-Unternehmen, das seine Einstellungspläne revidieren muß. "Bei einigen Anbietern ist Ernüchterung eingetreten. Durch den rapiden Preisverfall haben sich die Margen so reduziert, daß nicht nur große Carrier, sondern auch kleinere Regionalanbieter ihre TK-Aktivitäten nicht so ausbauen können wie geplant und darum den Fuß vom Gaspedal nehmen", analysiert Personalberater Thomas Küpper von Eutelis Consult, Ratingen. Aus Gewerkschaftskreisen ist zu erfahren, daß auch Mannesmann Arcor auf die Bremse tritt.

Lediglich Viag Interkom will seine Personalplanung, die Mit- arbeiterzahl bis 2006 auf 7000 zu verdoppeln, aufrechterhalten. "Wir stellen zwar nicht mehr ganz so viele Leute ein wie in den vergangenen zwei Jahren, aber immer noch 100 neue Mitarbeiter im Monat", betont Unternehmenssprecherin Edith Raynir. Die Turbulenzen im dynamischen Markt merkt Viag Interkom angeblich nur daran, daß immer mehr Bewerber an die Tür klopfen, die bei der Konkurrenz arbeiten.

Daß die Wechselbereitschaft in der Telekommunikation höher ist als in anderen Branchen, ist ein offenes Geheimnis. "Natürlich sind wir mit einer Fluktuationsrate von bis zu zwölf Prozent nicht zufrieden. Aber wir haben nun einmal nur eine begrenzte Zahl von Führungspositionen zur Verfügung", gibt Uwe Kleinert, Personalentwickler bei der E-Plus Mobilfunk GmbH, Düsseldorf, auf einer IIR-Konferenz zu. Die Veranstaltung mit dem Titel "Herausforderung TK-Personal - Mitarbeiter finden und binden" lockte gerade einmal acht Teilnehmer aus Carrier-Kreisen nach Düsseldorf, gerechnet hatte man mit 80. Ob die magere Resonanz mit dem "ungünstigen" Termin drei Wochen vor der CeBIT oder nicht doch mit geänderten Rahmenbedingungen im Arbeitsmarkt zu tun hat, sei dahingestellt.

Tatsache ist jedoch, daß der TK-Stellenmarkt im Vergleich zum gesamten Angebot für IT-Personal nur unterdurchschnittlich wächst. Die aktuelle Analyse von 40 Tageszeitungen inklu- sive der COMPUTERWOCHE durch EMC/Adecco ergab für die alten Bundesländer sogar einen Rückgang: Waren im Januar und Februar 1998 noch 848 TK-Stellen ausgeschrieben, sind es im Vergleichszeitraum 1999 nur 820. Daß der TK-Bereich in Gesamtdeutschland um 30 Stellen zulegen konnte, liegt nur an dem Zuwachs in den neuen Bundesländern.

Dort, wo Telecoms einstellen, interessieren sie sich vor allem für Software-Entwickler, System-Manager, Vertriebsbeauftragte und Netzwerk-Spezialisten. Letztere könnte zum Beispiel Michael Erker dringend gebrauchen, der mit seiner 30-Mann-Firma Acorus in ganz Deutschland in Sachen Netzwerke im Einsatz ist und soviel Aufträge hat, daß er die Mitarbeiterzahl im Laufe dieses Jahres verdoppeln könnte, wenn er genügend Leute finden würde.

Software-Entwickler weiter gesucht

Rar sind auch die Billing-Experten, wie TK-Unternehmen bestätigen. Auf der Suche nach ihnen muß beispielsweise Viag Interkom auf den englischen Arbeitsmarkt ausweichen, tut sich aber eigenen Angaben sehr schwer, die begehrten Spezialisten zu einem Wechsel nach Deutschland zu bewegen. Auch Andreas Hirsch, Teamleiter im Bereich Personal des Düsseldorfer City-Carriers Isis Multimedia Net GmbH, hat seine liebe Not, Spezialisten für den Abrechnungssektor zu finden. Doch bis auf den Bereich Billing und Datenbanken kann er sich über einen Mangel an qualifizierten Bewerbern nicht beklagen. "Als ich vor einem Jahr hier angefangen habe, wurden mir viel größere Schwierigkeiten prophezeit, Mitarbeiter zu finden, als sie in Wirklichkeit eingetreten sind", wundert sich der Personaler. So profitiere man zum Beispiel von der Deutschen Telekom, die sehr viele Stellen abbaue. Deren Kommunikationselektronikern müsse man nur noch zeitgemäßes Servicebewußtsein antrainieren.

Während die Carrier ihre Einstellungsbereitschaft reduzieren, läuft die Jobmaschine bei TK-Ausrüstern auf vollen Touren. Dort hält sich die Überzeugung, daß der verschärfte Wettbewerb unter den Telefonanbietern den Absatz neuer Technologien weiter vorantreibt. Lucent Technologies geht sogar davon aus, daß Hochschulabsolventen in Zukunft noch schwieriger zu bekommen sein werden. Vor zwei Jahren flatterten noch 200 Bewerbungen auf eine Stellenanzeige auf den Schreibtisch von Peter Jäckel. Heute muß sich der Personalreferent mit 30 oder bestenfalls 40 begnügen.

Darum mag Jäckel, der 1999 etwa 200 Stellen mit Akademikern zu besetzen hat, auch an eine langfristige Abkühlung des überhitzten Marktes nicht glauben: "Wenn sich einige Unternehmen zurückziehen, kann das zur kurzfristigen Beruhigung beitragen, auf der anderen Seite wird aber weiter verstärkt ausgebaut."

TK-Ausrüster suchen Akademiker

Für Personalberater Küpper zeigt der TK-Arbeitsmarkt der Zukunft verschiedene Gesichter: Spezialisten, die sich mit neuen Technologien wie etwa dem Mobilfunkstandard UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) auseinandergesetzt haben, werden sich weiter die Stellen aussuchen können, während Qualifikationen wie ATM-Kenntnisse, die in der Aufbauphase gesucht waren, immer weniger gefragt sein werden.