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16.08.2002 - 

Katzenjammer statt Goldgräberstimmung

Erste UMTS-Anbieter hissen weiße Fahne

MÜNCHEN (CW) - Nach T-Mobile und O2 hat jetzt auch D2 Vodafone den Startschuss für die Inbetriebnahme seines UMTS-Netzes verschoben. Schlechte Nachrichten gab es außerdem von der schwedischen Tele 2, die ihre Investitionen einfriert, und von der France-Télécom-Tochter Orange, die keine Nachfrage nach mobilen Datendiensten sieht.

Einen Geldsegen von über 100 Milliarden Euro bescherten die UMTS-Lizenzversteigerungen den europäischen Staaten - allen voran Großbritannien und Deutschland. Angesichts dieser immensen Lizenzgebühren, die von den Netzbetreibern größtenteils auf Pump finanziert wurden, waren sich Analysten und Anbieter im Jahr 2000 ungewohnt einig: Um bald die Kredite bedienen zu können, würden die Carrier bis spätestens 2002 ihre UMTS-Netze in Betrieb nehmen müssen. Dann, so die Auguren damals, würden Mehrwertdienste wie die Übertragung von Fußballspielen oder Konzerten auf das UMTS-Handy die Kassen nur so klingeln lassen.

Doch vom neuen Hoffnungsträger ist europaweit wenig zu sehen. Stattdessen revidieren die Betreiber ihre Startpläne für UMTS oder verabschieden sich wie etwa Quam vorerst ganz vom Markt. Nachdem Mobilcom aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten von France Télécom seinen Zeitplan überarbeiten musste, kündigte jetzt auch D2 Vodafone eine Verzögerung um ein halbes Jahr an.

Der UMTS-Start, so Deutschland-Chef Jürgen von Kuczkowski, werde voraussichtlich erst im Frühjahr 2003 erfolgen. Vor Vodafone hatten bereits T-Mobile und der British-Telecom-Ableger O2 vor längerer Zeit den Startschuss für ihre Netze nach hinten auf den Sommer 2003 verschoben. Und E-Plus, das der Mutter KPN durch Abschreibungen einen Rekordverlust von 13,5 Milliarden Euro bescherte, spricht ganz allgemein von der zweiten Jahreshälfte 2003.

Wenig orginell war jedoch die Ausrede, die Vodafone-Manager Kuczkowski für die Verzögerung einfiel. Wie beim Start der ersten GSM-Netze vor zehn Jahren oder später bei WAP und GPRS sollen auch jetzt die Gerätelieferanten an der Verschiebung schuld sein. Offiziell ist Vodafone nämlich mit einigen Leistungsmerkmalen der von Motorola und Nokia präsentierten Handys nicht zufrieden. Ähnlich hatte sich Konkurrent T-Mobile geäußert.

Handy-Hersteller in der Kritik

Die öffentlich getadelten Hersteller schossen prompt zurück: Man könne erste Geräte bereits im vierten Quartal 2002 liefern, daher bestehe kein Grund, den Netzstart zu verzögern. In größerem Umfang seien Handys dann ab 2003 verfügbar. Allerdings müssen die Hersteller einräumen, dass ihre ersten Geräte Mängel haben. Motorola-Handys beherrschen etwa die Übergabe zwischen UMTS- und herkömmlichem GSM-Netz nicht.

Branchenkenner halten jedoch den Verweis auf fehlende Endgeräte nur für die halbe Wahrheit. Sie glauben eher der France-Télécom-Tochter Orange. Der Carrier hatte kurz vor der Ankündigung von Vodafone Deutschland den schwedischen Regulierer um drei Jahre Aufschub gebeten. Die Franzosen begründen ihr Ersuchen damit, dass es zurzeit keine Nachfrage nach mobiler Datenübertragung gebe. Ferner erschwere der Niedergang der Finanzmärkte die Finanzierung des UMTS-Abenteuers. Die prekäre wirtschaftliche Lage der Carrier könnte zudem ein anderer Grund für die Verzögerungen sein: Die TK-Ausrüster bauen den Carriern die Netze zum Teil auf Lieferantenkredit. Die Rückzahlung dieser Kredite ist erst mit dem Regelbetrieb der Netze fällig. Jeder Tag Verzögerung bedeutet für die klammen Carrier damit einen Zahlungsaufschub.

Mit Tele 2 AB hat in Nordeuropa ein potenzieller UMTS-Anbieter die weiße Fahne gehisst. Die Schweden, die unter anderem in Norwegen eine UMTS-Lizenz besitzen, ersuchten die dortige Regierung, die Lizenzbestimmungen zu lockern und von der Forderung einer Vollabdeckung Abstand zu nehmen. Gleichzeitig kündigten sie an, kein weiteres Geld in den UMTS-Ausbau zu investieren, da die Profitabilität dieser Technik unsicher sei.

Die deutsche Regulierungsbehörde für Post und Telekomunikation gibt sich in Sachen Lizenzbestimmungen noch hart. Chef-regulierer Matthias Kurth schließt eine Lockerung der Lizenzbestimmungen mit der Begründung aus, da sonst Unternehmen benachteiligt würden, die keine Lizenz ersteigert hatten. Gemäß den Bestimmungen müssen die Anbieter bis Ende 2003 ein funktionierendes Netz aufbauen und mindestens ein Viertel der deutschen Bevölkerung erreichen.

In anderen Ländern hatten die Carrier mit ihren Bitten um Aufweichung der Lizenzbestimmungen bereits Erfolg. Spanien und die Schweiz verschoben den geforderten Starttermin für die UMTS-Netze. Und Italien verlängerte die Dauer des UMTS-Lizenzvertrages von 15 auf 20 Jahre, womit sich für die Carrier die jährliche Abschreibungssumme reduziert. Ferner stellten die Italiener weitere Vergünstigungen für die GSM-Lizenzen in Aussicht.

Mangelndes Kundeninteresse

Allerdings können auch staatliche Erleichterungen über das Kernproblem nicht hinwegtäuschen: Von dem boomenden Kurzmitteilungs-Service SMS einmal abgesehen, zeigen Europas Bürger den mobilen Datendiensten bislang die kalte Schulter. So konnten zwar Vodafone und T-Mobile in Deutschland innerhalb eines Jahres rund zwei Millionen GPRS-fähige Handys verkaufen, doch den Datendienst nutzen jeweils nur 200000 Kunden. Selbst professionelle Geräte wie Blackberry, eine Kombination aus E-Mail-Pager und Handy, lösen entgegen den Prognosen keinen Nachfrageboom aus. Die britische MMO2 vermochte innerhalb von neun Monaten lediglich 8000 Blackberry-Geräte abzusetzen. Angesichts solcher Marktzahlen ist nachvollziehbar, dass die UMTS-Aspiranten kalte Füße bekommmen und weitere Investitionen so lange wie möglich hinauszögern. (hi)