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03.03.1978

Erster Erfahrungsbericht über TCSS-Nachfolge-System:RPGll-Fans kamen beim Assembler die Tränen

ULM (uk) - "Außerhalb der aktuellen IBM-Verkaufsstrategie" wähnt sich Ex-lBMler Ernst Wilken mit seinem TCSS-Nachfolger ETCS und argwöhnt, daß "IBM-VBs beim Kunden von meinem TP-Monior abraten". - Wilken war von 1970 bis 1976 bei IBM als SE (System Engineer) beschäftigt und hatte in dieser Zeit den TP-Monitor TCSS entwickelt. Nachdem er sich 1976 als EDV-Unternehmensberater selbständig gemacht hatte, entwickelte er den Nachfolge-Monitor ETCS (Extended Terminal Control System), mit dem - so Wilken - "bisherige Schwächen des TCSS behoben werden". ETCS enthält unter anderem Funktionen wie Ein-/Ausgabe-Pufferung, DAM, VSAM, DL/1-Schnittstellen, vier BSC-Leitungen, DEBUG, Open-Close und arbeitet ohne Rollin/Rollout. Wilken wendet sich mit seinem TP-Monitor vor allem an IBM-370/115, 125-Anwender mit TCSS, denen er ETCS für 2900 Mark einmalige Lizenzgebühr anbietet. TP-Neuanwender ohne TCSS müssen einmalig 7500 Mark zahlen.

Von Franz Feldhoff und Erwin Gütt*

Unsere RZ-Mannschaft besteht aus 6 Mitarbeitern: Der EDV-Leiter, mit noch geringer Programmier-Tätigkeit, zwei Programmierern, zwei Operators und ein Sachbearbeiter für Dokumentation, Arbeitsvorbereitung und Datensicherheit.

Wir arbeiten mit einer IBM 370/115-02 256 K, 4 Platten 3340 70 Mio, 1 Bandeinheit 3411-003. Angeschlossen sind 7 Bildschirme 3277 für Datenerfassung und Auftragssteuerung. Noch in diesem Jahr werden 4 weitere Bildschirme und 1 Drucker für Buchhaltung und Einkauf installiert.

Vor zwei Jahren hatten wir uns vorgenommen: Weg von der Lochkarte in der gesamten Auftragsbearbeitung. Hierzu mußten Bildschirme her, um über eine Matchcode-Datei alle Kunden- und Artikel-Daten zu erfassen.

Große Frage: Welcher TP-Monitor? CICS schied sofort aus, als wir hörten: "Habt ihr denn sonst nichts zu tun?" Immerhin laufen in einem 9stündigen Arbeitstag zwei intensive Batch-Partitions unter POWER-Steuerung. Nach langen Untersuchungen und Tests einigten wir uns auf den TP-Monitor TCSS der IBM.

März 1977 stand die erste Anwendung: Auftragsdatenerfassung, geschrieben im Assembler. Unsere Programmiersprache ist jedoch seit 360-Zeiten der RPG II. Verständlich also unsere negative Einstellung zum Assembler in der Anwendungs-Programmierung.

Entgegen aller Warnung wurde ein bestehendes RPG-Interface zum TCSS getestet und in ein Versuchsprogramm eingebaut. Es stellte sich heraus, daß der Bildschirm als 1920stellige Feldgruppe definiert werden konnte, worin jede einzelne Stelle ansprechbar ist und die Attribute nach Belieben ein- und ausgeschaltet werden können.

Der heutige RPG II ist in der Logik ebenso zu schreiben wie ein Assembler-Programm, mit Sub-Routinen, GOTO, READ, EXCPT. Nur sind die RPG-Befehle mächtiger und wir haben nicht die Fülle der Fehler-Möglichkeiten.

Ein DUMP, das tägliche Brot eines Assembler-Programmierers, ist bei uns die große Ausnahme. Und wenn schon einer entsteht, interessieren meistens nur die ersten zwei Seiten. Auch sollte es bei den heutigen Hauptspeicher-Größen gleichgültig sein, ob ein Programm 40K oder 60K groß wird.

Zu Anfang galt die Devise, TCSS-Programme im Assembler geschrieben sind leicht auf CICS umzustellen. Dagegen behaupten wir, RPG-Programme sind zwei- bis dreimal schneller zu schreiben und zu testen. Wenn wir auf CICS umstellen sollten, dann aber nicht im Assembler. Auch Cobol ist für uns keine Alternative zum RPG II. Wir sehen für uns durch die neue E-Serie später ganz andere Möglichkeiten. lm Megabyte-Bereich laufen auch während einer Umstellungs-Phase zwei TP-Monitore gleichzeitig (VM). TCSS wird irgendwann der Vergangenheit angehören, ob der neue Monitor CICS heißt, ist noch fraglich.

Der nächste große Schritt bei uns ist VSAM. Im RPG-lnterface zum TCSS gibt es VSAM-Unterstützung, der neue RPG 11 beinhaltet VSAM-Unterstützung, und die entsprechende IBM-Seminare haben gezeigt, daß wir als RPG-Fans recht zufrieden sein können.

Für die TCSS-Anwendung wurde uns eindringlich Assembler empfohlen (Antwortzeiten, Umstellung auf CICS). Die Programmierung war verhältnismäßig einfach. Trotzdem kamen uns über den immer noch hohen Aufwand an Zeit und Codierblättern die Tränen.

Wir starteten mit 6 ASS-Programmen. Danach beschäftigten wir uns mit dem RPG-lnterface. Dank der Hilfe eines IBM-SE konnten die im Interface vorhandenen Fehler schnell behoben werden. Die Bildschirmprogrammierung ging nun in einem nie geahnten Tempo voran. Innerhalb von 10 Monaten kamen 80 RPG-Programme zum Einsatz.

Entgegen ursprünglicher Empfehlung wurden die Programme immer komfortabler. Prüfungen, die sonst im Batch erfolgten, erledigt das Bildschirmprogramm. Feldgruppensort wurde eingebaut, sequentielles Suchen in Dateien ermöglicht. Bei den Dauerläufern mußten wir Unterbrechungen einbauen. Das unterbrochene Programm konnte nur nach Betätigen der Eingabetaste weiterarbeiten. Dieses - Problem gibt es nun nicht mehr.

Mit dem wesentlich verbesserten TCSS von Ernst Wilken (ETCS) begannen neue Versuche. Kein Rollin-Rollout VSAM, ISAM-ADD, Dauerläufer mit sequentiellem Lesen behindern nicht mehr die Datenerfassung.

Wir bestimmen nun die Anzahl der Dateizugriffe (Streß), nach der die Steuerung an den nächsten Bildschirm übergeht. Der unterbrochene Bildschirm arbeitet - ohne Eingriff - automatisch weiter. Jetzt fehlte uns nur noch eine Routine, mit der man einen Feldgruppensort im Programm unterbrechen kann. Auch diese Möglichkeit wurde geschaffen, wahlweise mit oder ohne Anzeige auf dem Bildschirm. Eine Reaktion der Bildschirmbenutzer ist nicht mehr nötig; man erledigt alles im Programm.

Zwei Beispiele, die das Antwortzeitverhalten aufzeigen:

1. Ein Bildschirmprogramm durchsucht sequentiell eine ISAM-Datei. Die Datenerfassung (4 Bildschirme) mit Matchcodeverarbeitung hat Antwortzeiten von ca. 2 Sekunden.

2. Wir schrieben ein Programm, das ständig die Systemzeit anzeigt. Wenn nur ein Bildschirm mit diesem Programm gestartet ist, erscheint das Bild in einer Sekunde 2 - 3mal. Bei 6 Bildschirmen mit diesem Uhrzeitprogramm ist die Antwortzeit 34 Sekunden. Um ähnlichen Aufwand manuell zu erreichen, muß man wohl fleißig in die Tasten greifen.

Selbstverständlich sind sämtliche neue Funktionen im RPG zu programmieren.

Zwei Dinge, die wir angeregt haben, sollen noch im neuen TCSS eingebaut werden:

1. Übergabe von Bildschirmdaten an die POWER-RDR-QUEUE. Damit könnte man Jobs starten, die Listen für TCSS-Printer aufbereiten.

2. Einlesen von Quellenprogrammen aus der SL-Bibliothek. Selbstverständlich erwarten wir keine Online-Programmierung, aber aus "wenig" ist bisher noch immer viel entstanden.

* EDV-Leiter beziehungsweise System-Programmierer bei der Firma A. Rüggeberg in Marienheide

Über erste Erfahrungen mit ETCS berichten in diesem Beitrag Franz Feldhoff und Erwin Gütt von der Firma Rüggeberg in Marienheide, die zusammen mit Wilken den TP-Monitor getestet und installiert haben. In diesem Anwenderbericht, der sich - so Feldhoff - "besonders an die Zweifelnden im Bereich der 370-115/125 wendet", liegt das Schwergewicht auf der Anwendungsprogrammierung in RPGII, die mit einem speziellen Interface ermöglicht wurde: