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24.01.1992

Erstmals seit 1946 gingen die Einnahmen bei der IBM Corp. zurück Downsizing-Trend löst Erdrutsch beim Mainframe-Marktführer aus

ARMONK (CW) - Der Wandel bei der Computernachfrage- weg vom Zentralrechner, hin zur verteilten Datenverarbeitung - hat auch beim amerikanischen DV-Primus IBM im Finanzjahr 1991 tiefe Spuren hinterlassen: Erstmals in ihrer Firmengeschichte fuhr die Corporation einen Jahresverlust ein. Darüber hinaus ging der Umsatz zum ersten Mal seit knapp fünf Jahrzehnten zurück.

Daß die Ertragssituation des Armonker Computerriesen im vierten Quartal nicht gerade berauschend sein würde, war von vielen US-Analysten erwartet worden. Bereits im Dezember hatte die IBM angekündigt, im Schlußabschnitt Sonderrücklagen in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar für die angesetzte Umstrukturierung zu bilden. Somit überraschte die Marktauguren der nun für das vierte Quartal ausgewiesene Fehlbetrag von 1,38 Milliarden Dollar (Vorjahreszeitraum: 2,5 Milliarden Dollar Gewinn) kaum. Der Washingtoner Analyst Ulric Weil erklärte gegenüber der CW-Schwesterpublikation "Computerworld": "Ich bin zwar enttäuscht, aber nur mäßig. Schließlich sprühte die IBM seit Dezember nicht gerade vor Optimismus."

Zumindest erstaunt aber ist man in amerikanischen Analystenkreisen über das Jahresergebnis der Armonker. Erstmals seit 1946 ging der Umsatz zurück - und dies für IBM-Verhältnisse gleich kräftig: Der Konzern nahm 1991 mit 64,8 Milliarden Dollar 6,1 Prozent weniger ein als im Jahr 1990, in dem die IBM Corp, einen Rekordumsatz von gut 69 Milliarden Dollar ausweisen konnte.

Auch in Sachen Jahresgewinn hat der Computerkrösus erstmals in seiner Firmengeschichte nichts zu bieten. Inklusive einer Rückstellung von 2,26 Milliarden Dollar für Altersversorgungsansprüche beendete Big Blue das Jahr 1991 mit einem satten Fehlbetrag von 2,83 Milliarden Dollar, nachdem im Vorjahr noch rund sechs Milliarden Dollar verdient worden waren.

IBM-Chairman John Akers zeigte sich in einer ersten Stellungnahme sichtlich enttäuscht über das Geschäftsjahr i991. Doch sei es ein schwieriges Jahr mit einer weltweit schwachen Wirtschaft gewesen, in dem man mit Personalabbau - rund 29 000 Stellen wurden gestrichen - und einer umfassenden Umstrukturierung - hin zu unabhängigeren Business-Units sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Effizienz verbessert habe. Ob dies allein aber ausreicht, den Branchenprimus zu altem Glanz zu verhelfen, scheint fraglich. Die Computerbranche nämlich steht am Anfang eines gravierenden Umbruchprozesses. Die zentralen Großrechner, Garanten für IBMs Wachstumsraten vergangener Jahre und Jahrzehnte, verlieren an Bedeutung, der Trend geht zunehmend hin zu verteilter Datenverarbeitung - die Anwender denken immer mehr über Downzising und Client-Server-Architekturen nach.

Dies machte sich auch bei Big Blue 1991 bemerkbar. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung zufolge ermittelte das US-Unternehmen Computer Intelligence/Infocorp., daß die Zahl der von der IBM in den USA ausgelieferten Großrechner im vergangenen Jahr von 6181 auf 4468 Stück zurückgegangen ist.

Besser erging es im abgelaufenen Geschäftsjahr der deutschen IBM-Tochter in Stuttgart. Die Schwaben konnten eine Umsatzsteigerung von elf Prozent auf 14,8 (Vorjahr: 13,3) Milliarden Mark verbuchen, wobei allein die Inlandseinnahmen um zwölf Prozent auf 10,3 (Vorjahr: 9,2) Milliarden Mark zunahmen.

IBM-Deutschland-Chef Hans-Olaf Henkel zeigte sich mit der Umsatzentwicklung "sehr zufrieden, da sie unter erheblichem Preisdruck zustande gekommen sei". Er verwies auch auf den Wiedervereinigungseffekt, der für die IBM in Ost- und Westdeutschland gleichermaßen für Stimulanz gesorgt habe.

Unzufrieden, so Henkel weiter, sei er mit den konsolidierten Geschäftsergebnissen, weil "sie nicht über denen des Vorjahres liegen werden". Zahlen wurden nicht genannt. Im vorangegangenen Geschäftsjahr hatte IBM Deutschland einen Jahresüberschuß in Höhe von 692 Millionen Mark ausgewiesen.