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01.11.2002 - 

Mitten in der Krise des Unternehmens

Erwin Königs verlässt die Software AG

MÜNCHEN (CW) - Erwin Königs, Vorstandsvorsitzender der Darmstädter Software AG, legt sein Amt im kommenden April nieder. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

"Auf eigenen Wunsch" will Königs seinen Chefposten auf der kommenden Hauptversammlung am 29. April 2003 niederlegen, hieß es offiziell von Seiten der Software AG. Der Grund finde sich in der "Lebensplanung" des Vorstandsvorsitzenden, betonte Firmensprecher Otmar Winzig. Der 52-jährige Königs wolle sich aus dem Arbeitsleben als Manager zurückziehen. Einen Nachfolger hat das Unternehmen noch nicht gefunden; man sei jedoch zuversichtlich, diesen "in Kürze" benennen zu können.

"Der Rückzug wirft Fragen zum Unternehmen auf", kommentiert Helmut Bartsch, Analyst der Stuttgarter BW-Bank, die überraschende Personalie. Diese beträfen die strategische Ausrichtung der Software AG ebenso wie die aktuellen Zahlen des dritten Quartals, die zum Redaktionsschluss noch nicht vorlagen. Zudem habe es im Vorfeld keine Anzeichen gegeben, die auf den Rückzug hätten schließen lassen. Allerdings sieht auch Bartsch gegenwärtig keinen konkreten Grund, an den offiziellen Verlautbarungen zu zweifeln.

Die strategische Positionierung der Software AG werde sich laut Winzig durch den Führungswechsel nicht verändern. Zudem sei Königs noch einige Monate an Bord, um den Übergang steuern zu können. "Wir müssen weiter auf die Kosten achten, denn wir erwarten auch 2003 kein Boom-Jahr für die IT-Industrie", beschreibt der Firmensprecher die Prioritäten der Softwerker. Die gute Marktposition im XML-Umfeld werde indes beibehalten.

Allerdings hat es das Management der Software AG bislang nicht geschafft, den technischen Vorsprung im XML-Bereich auch in klingende Münze zu verwandeln. Im Frühjahr hatte das Unternehmen zweimal seine Prognosen reduziert und durchwachsene Quartalsergebnisse vorgelegt. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres konnte das zweitgrößte deutsche Softwarehaus den Konzernüberschuss zwar von 10,8 Millionen auf 11,8 Millionen Euro steigern. Der Gewinn schloss allerdings einen Sonderertrag aus dem Teilverkauf von Aktien der SAP SI AG ein, durch den 31,5 Millionen Euro in die Kassen flossen.

Düster sieht es hingegen beim Geschäft mit Softwarelizenzen aus, das sich nahezu halbiert hat. Statt der 100,3 Millionen Euro aus dem ersten Halbjahr 2001 setzten die Darmstädter von Januar bis Juni 2002 nur noch 55,3 Millionen Euro mit Programmen um. Die Großrechnerprodukte hatten da-ran einen Anteil von 77 Prozent, aber auch diese Einnahmen reduzierten sich um knapp ein Drittel. Die ohnehin geringen Umsätze mit der XML-Datenbank "Tamino" brachen um 70 Prozent, die Einnahmen mit dem Tool "Entire-X" um mehr als 50 Prozent ein.

Die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und seines Managements hätten neue Tiefstände erreicht, bewertete die Investmentbank HSBC Anfang Oktober die Entwicklung der Software AG. Innerhalb eines Jahres ist der Kurs der Aktie von rund 45 Euro auf inzwischen zehn Euro durchgesackt. Am Tag nach der Bekanntgabe des Rückzugs von Königs kletterte das Papier anfänglich um zehn Prozent. Der promovierte Physiker Königs hatte im November 1996 den Chefposten bei der Software AG von Peter Schnell übernommen. Dieser hinterließ seinem Nachfolger ein schweres Erbe: Das Softwarehaus steckte in wirtschaftlichen Turbulenzen und hatte im Jahr 1995 Verluste erwirtschaftet. Königs, der sich nach seiner Amtsübernahme als erfolgreicher Sanierer hervortat, war zuvor als Vorstandschef der Linotype Hell AG sowie in der Forschungsabteilung der Paderborner Nixdorf AG tätig gewesen. (ajf)