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26.10.2001 - 

PSI-Vorstandschef Dietrich Jaeschke im CW-Gespräch

"Es gibt kein reines Produktgeschäft mehr"

"Raus aus der ERP-Kiste" schien zuletzt das Motto der PSI AG. Deren Vorstandsvorsitzender Dietrich Jaeschke stellte nun im Gespräch mit CW-Redakteur Gerhard Holzwart die künftige Strategie klar.

CW: Im ERP-Markt weht schon seit längerem ein rauher Wind. Dies wurde durch den konjunkturellen Abschwung der IT-Branche zuletzt noch verstärkt. Muss auch PSI die Erwartungen nach unten korrigieren?

Jaeschke: Nein. Wir bewegen uns mit unseren Ergebnissen, wie Sie zuletzt anhand der Halbjahresbilanz sehen konnten, im Rahmen der Planungen. Natürlich hat auch PSI das viel zitierte Platzen der Dotcom-Blase zu spüren bekommen. Das betraf aber ausschließlich unsere Internet-Tochter Ubis. Für die restlichen Aktivitäten des Konzerns gilt: Wir profitieren davon, dass die Kunden gerade in einem für sie eher widrigen Geschäftsklima erkennen, dass es ohne eine ERP-Suite, einer Energieleittechnik oder einer Logistiksoftware nicht geht.

CW: Solche Aussagen korrespondieren aber nicht gerade mit der zum Teil wirtschaftlich angespannten Situation einiger PSI-Wettbewerber. Übrigens auch nicht mit der Tatsache, dass das Geschäft mit der ERP-Suite "Psipenta" nach wie vor defizitär ist.

Jaeschke: Einspruch! Wir haben, was das Psipenta-Produktgeschäft angeht, im zweiten Quartal erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt - und die Tendenz geht hier in eine eindeutig posi-tive Richtung. Sich zum Wettbewerb zu äußern ist immer schwierig. Es hat sich aber schon in der Vergangenheit ausgezahlt, mit einem klaren Profil im Markt zu agieren, sich auf bestimmte Branchen und Produkte zu konzentrieren.

CW: Zumindest das klare Profil könnte man aber im Zusammenhang mit Psipenta auch bei PSI in Frage stellen. Jedenfalls gab es durch entsprechende Ankündigungen in der jüngeren Vergangenheit einige Irritationen, die den Schluss zuließen: Von der Story des ERP-Anbieters, die man zum Börsengang verbreitet hat, ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Jaeschke: Das ist richtig und falsch zugleich. Zunächst einmal waren besagte Irritationen das Ergebnis einer etwas zu pointierten Schlussfolgerung in Ihrer Berichterstattung.

CW: Aber Aussagen von Ihnen, wonach PSI auf Dauer zu einem reinen Systemhaus avancieren soll, sowie die Abschreibung aller Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) im Zusammenhang mit der ERP-Suite Psipenta in der letztjährigen Konzernbilanz sprechen doch Bände.

Jaeschke: So weit einverstanden. Trotzdem bin ich von Kunden missverstanden und von einigen Wettbewerbern zum Teil auch bewusst falsch interpretiert worden. Worum es geht, ist lediglich die Tatsache, dass es im ERP-Business kein reines Produktgeschäft mehr gibt. Die Anwender wollen nicht mehr im Beziehungsgeflecht zwischen Softwareanbieter, Hardwarelieferant sowie Berater zerrieben werden, sondern sie verlangen nach einer Lösung aus einer Hand.

Jetzt komme ich zu dem von Ihnen erwähnten Systemhaus-Zitat. Auch das stimmt. Aber man muss es neben dem von mir eben Gesagten noch in einen anderen Zusammenhang stellen. Nämlich in den, dass sich auch in unserer Bilanz mehr und mehr dokumentieren lässt, dass sich der Aufwand für Softwareanpassung einerseits sowie Beratung respektive Dienstleistung andererseits sowohl im Bereich des Psipenta-Produktgeschäfts als auch bei den Projekten in der Energieleittechnik immer mehr annähern.

CW: Trotzdem nochmals die Frage: Warum wurden alle F&E-Aufwendungen für Psipenta im Zuge des Jahresabschlusses 2000 auf einen Schlag abgeschrieben?

Jaeschke: Das hatte zunächst rein bilanzielle Gründe. Wir hatten einfach den Eindruck, dass am Neuen Markt vor allem auch diejenigen Firmen abgestraft wurden, die hohe immaterielle Vermögenswerte ausgewiesen haben - eben Posten wie F&E-Aufwendungen oder Firmenbeteiligungen. Außerdem wollten wir in der Hinsicht reinen Tisch machen, dass wir sagen können: Alle Altlasten sind abgeschrieben, jetzt rollen wir mit Psipenta den Markt auf und können endlich auch die entsprechenden Deckungsbeiträge erwirtschaften.

CW: Kritiker könnten eher den gegenteiligen Eindruck haben und das alte (Vor)urteil über PSI verbreiten, das da lautet: Hier handelt es sich um einen Softwaredienstleister für die großen Energieversorger mit angeschlossener kleiner ERP-Abteilung.

Jaeschke: Damit konnten und können wir gut leben. Die Zukunft wird zeigen, wer gerade im mittelständischen ERP-Markt als unabhängiger Anbieter überleben wird. Wichtiger dürfte für unsere Kunden allemal die Aussage sein, dass sie sich wie gewohnt auf PSI und ihre Investitionen in PSI-Produkte verlassen können. Deshalb auch das klare Commitment: Wir werden Psipenta weiterentwickeln.

PSI in ZahlenIn den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2001 stieg der Umsatz der PSI gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf 79,6 Millionen Euro (2000: 66,6 Millionen Euro). Das operative Ergebnis wurde um 26 Prozent auf 1,49 (1,18) Millionen Euro gesteigert. Einbrüche im zweiten Quartal gab es dem Vernehmen nach trotz des bereits schwierigen konjunkturellen Umfeldes nicht. Auch im Produktgeschäft mit der ERP-Suite "Psipenta" gelang es den Berlinern, im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg um elf Prozent auf 18,7 (16,8) Millionen Euro zu erzielen. Das operative Ergebnis verbesserte sich dort im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Millionen Euro auf minus 1,1 Millionen Euro. Mit einem Plus von 46000 Euro wurde dabei im zweiten Quartal erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Die Zahlen für das dritte Quartal will das Unternehmen am 19. November bekanntgeben.