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10.11.1978

"Es ist nicht unsere Absicht, Konkurrenz im eigenen Haus zu haben."

Mit Rolf-Dieter Leister, Leiter des IBM-Geschäftsbereiches "Basis-Datenverabeitung", sprach Dieter Eckbauer

- Der neue Datenbank-Computer IBM System/38 präsentiert sich hardwareseitig als ein der unteren 370-Mittelklasse ebenbürtiges System. Ist damit das System/3 tot?

Das ist nicht der Fall. Denn bereits das System/34 kann - wenn Sie nur die Funktionen betrachten und einen Preisvergleich anstellen - einiges, was einige Modelle des Systems/3 können. Dennoch sind diese Systeme/3 nach wie vor im Einsatz. Und der Grund, warum ich glaube, daß dies auch nach der Ankündigung des Systems/38 der Fall sein wird, ist, daß uns die System/3-Kunden bestätigt haben, daß gerade der Kauf des System/3 wirtschaftlich ist. Das heißt, wir haben eine ganze Reihe von Kunden, die das System/3 unter Anrechnung der bisher gezahlten Mieten erworben haben und - dieser Trend wird sich fortsetzen. Durch kann der Kunde seine bisherigen Anwendungen auf dem System/3 weiterfahren und seine Datenverarbeitungsorganisation völlig neu gestalten - unter Nutzung der Möglichkeiten des Systems/38. Im übrigen zeigen Ihnen die Leistungsmerkmale dieses Systems, daß die /3-Familie an ihrem oberem Ende über der Kapazität der /38 liegt.

- "Ease of use", sprich Benutzerfreundlichkeit, soll das Schlüsselwort für das System/38 sein, Herr Leister. Heißt das: Bedienungsfreundlichkeit wurde mit Leistungseinbußen erkauft?

Nein, anders herum: "Ease of use" ist der Gedanke, den wir bei der Entwicklung des Systems/38 von Grund auf verfolgt haben. Hierfür hat die neue Technologie die Möglichkeit geschaffen. Wir konnten deshalb von vornherein ein System gestalten, das - völlig losgelöst von Speichergrenzen - ein integriertes Datenbank- und Datenkommunikationssystem ist. Das ist der Grund, warum das System diese Dimension erhalten hat.

- Sie sprechen jetzt von der System/38-Datenbank. Nun wird Datenbank bisher gleichgesetzt mit Komplexität und langfristiger Einführung. Sie meinen: Mit der System/38-Datenbank ist das vorbei?

Die primäre Absicht mit diesem System war, die neue Technologie zu nutzen und zu einem günstigen Preis ein System anzubieten, das benutzerfreundlich ist. Der Grund, warum wir dieses System Datenbank-Computer nennen, ist der, daß wir von Anfang an auf dieser Basis gezielt eine Datenbank-Idee verwirklichen wollten. Und darauf entfiel der größte Teil unseres Entwicklungsaufwands. Wir konnten uns dabei frei von bisherigen Grenzen bewegen, Grenzen im Hauptspeicher, bei den peripheren Speichern und in der Systemarchitektur. Das Ergebnis ist eben ein außerordentlich komfortables Datenbanksystem zu einem niedrigen Preis. Gerade die enge Hardware- und Software-Verbindung, die dieses System auszeichnet, macht es möglich, Komplexität und langfristigen Einführungsaufwand abzubauen.

- Stichwort "Datenbank-Komfort": Das müßte doch geplagte 370-Anwender hellhörig machen.

Und das führt unmittelbar zu der Frage, ob dies beabsichtigt ist. Sollen sich die beiden IBM-Geschäftsbereiche Basis-Datenverarbeitung und Datenverarbeitung auf dem Markt Konkurrenz machen?

Zunächst einmal ist es überhaupt nicht unsere Absicht, Konkurrenz im eigenen Hause zu haben. Unsere Absicht ist es vielmehr, die Anforderungen unserer Kunden abzudecken und dementsprechend unser Produktangebot vielfältig zu gestalten. Dies geht einher mit dem Bemühen in unserem Hause - sowohl bei der Datenverarbeitung als auch bei der Basis-Datenverarbeitung - gleich kompetente Mitarbeiter auf der Systementwicklungs-, der Systemberatungs- und der Vertriebs-Seite zu haben.

- Nun gibt es unter zwei Alternativen immer eine bessere.

Ja, wobei ich das Wort "besser" durch den Begriff "konzeptionell unterschiedlich" ergänzen möchte.

- Hat der Anwender das Gespür für diese Nuancen?

Wir versuchen natürlich nicht, ein Produkt zu entwickeln, für das es keine Kunden gibt. Alle Produktentwircklungen auf der DV-Seite und der BD-Seite orientieren sich am Benutzer. Nehmen Sie das Beispiel eines DV-Kunden, dem sowohl ein DV-Produkt als auch ein BD-Produkt angeboten werden könnte, und zwar das System/34 und das System 8100. Das Informationssystem 8100 ist ein System, das sich in ein DV-Netzwerk einordnet - mit der Möglichkeit einer engen Verzahnung mit einem zentralen Rechner. Sie finden in der gleichen Kundengruppe aber auch Unternehmen, die für bestimmte Organisationsbereiche diese enge Verzahnung nicht benötigen. Für diese Kunden bietet unser System/34 interessante Möglichkeiten, neben seiner Netzwerkverträglichkeit (SNA) auch durch unsere MAS-Anwendungen. Bei größeren Organisationseinheiten gilt gleiches für das System/38. Je nach Unternehmensführungs- und Organisationsprinzip wird der Kunde entscheiden, welcher Intensitätsgrad im "lnformationsverkehr" zwischen zentralen und dezentralen Stellen gewünscht wird und dafür erwartet er ein entsprechend gefächertes Produktangebot.

- Können Sie mir dafür ein Beispiel geben?

Sie haben Betriebe mit dezentralen Werken, in denen diese Werke über ihre eigenen Produkte und über ihre eigenen Abnehmer verfügen. Sie finden hier eine Reihe von Unternehmen, die aus wirtschaftlichen Gründen in diesen Betriebseinheiten eigenständige Datenverarbeitungs-Systeme mit Datenbanken eingesetzten. Andererseits haben Sie Betriebe, die diese dezentralen Werke in ein Gesamt-Informationssystem vollständig einbeziehen. Die Alternativen die wir anbieten - ich würde dies Alternativen nennen und nicht Konkurrenz -, werden unter anderem nach den Kosten bewertet. Ein wichtiges Element sind hier Leitungskosten für Datenfernverarbeitung.

- Wie sieht es denn in der Praxis aus: Wer entscheidet, welcher Unternehmensbereich welchen Interessenten angeht?

Normalerweise werden Interessenten vom Geschäftszweig Basis-Datenverarbeitung betreut. Der Vertriebsbeauftragung dieses Geschäftszweiges hat seine eigene Palette der BD-Produkte, hat aber darüber hinaus genauso die Möglichkeit, DV-Produkte diesen Interessenten anzubieten, wenn es sinnvoll ist. Das heißt, in diesem Fall setzt eine enge Zusammenarbeit zwischen den Fachleuten von BD und denen von DV ein.

- Könnte im umgekehrten Falle ein wacklig stehender System/3-Kunde, der mit einer Konkurrenzmaschine liebäugelt, die in die 370-Kategorie fällt, vom DV-Bereich übernommen werden?

Was wir nur erreichen wollen, ist, unseren Kunden die volle Palette des Hauses IBM zu unterbreiten. Vergessen Sie nicht, daß letztlich der Kunde die Entscheidung fällt.

- Sie schaffen doch aber auf der Seite der Anwender ein zusätzliches Unsicherheitsmoment, wenn Sie Produkt-Alternativen im eigenen Hause bieten.

Dazu darf ich Ihnen zwei Antworten geben. Für uns gilt, daß ein Kunde - egal ob DV- oder BD-Kunde - von "seinem" speziellen Vertriebsbeauftragten betreut wird, unabhängig davon, ob das letztlich dazu führt, daß wir diesem Kunden ein DV- oder ein BD-Produkt anbieten. Das ist die eine Aussage. Die zweite Aussage ist, daß Sie hier sehr wohl unterschiedliche Kundenmeinungen haben. Es gibt Kunden, die uns auffordern, alle bestehenden Alternativen unseres Hauses bereits intern abzuwägen - bevor es zu einem Angebot kommt. Aber es gibt doch auch Kunden, die von uns diese Alternativen dargestellt haben wollen.

- Aber Sie glauben doch offensichtlich, daß dies nicht der Regelfall ist?

Sicherlich. Aber Sie müssen auch sehen, daß unsere Kunden mehr Alternativen prüfen als nur die zwischen DV und BD.

- Lenkt nicht das in das "Alternativen denken" davon ab, daß es, um neue Datenbank-Anwendungen zu implementieren, bisher stets erforderlich war, die Hardware upzugraden. Nun wird dem BD-Anwender mit dem dedizierten DB-System/38 eine Maschine in die Hand gegeben, die von vornherein so dimensioniert ist, daß sich das Erweiterungsproblem gar nicht mehr stellt.

Selbstverständlich wird es auch beim System/38 Fälle geben, wo ein Anwender

- je nach seinen Anforderungen - zum Beispiel von einer Hauptspeicherstufe in eine größere wächst. In der Tat sind jedoch die Kosten solcher Hardware-Erweiterungen kein besonderes Hemmnis mehr. Dies gilt im übrigen auch für unsere /370-Systeme. Außerdem wird mit dem System/38 vom Design, von der Architektur eine neue Stufe der Benutzerfreundlichkeit beschritten. Beides Benutzerfreundlichkeit und niedrige Hardware-Kosten - führen dazu, daß für reine EDV-technische Aufgaben weniger Personal gebunden wird. Fachwissen aus den Fachabteilungen gewinnt an Bedeutung und damit wächst den Endbenutzern mehr Verantwortung zu.

- Kann man denn überhaupt...

Ich wurde gern noch einmal auf da System/38 kommen. Unser Ziel ist nochmals betont -, Systeme nach Benutzergruppen auszurichten. Wir entwickeln Systeme für Anwender - und diese Datenbank-Computer ist für den Endbenutzer entwickelt worden. Wenn Sie mich fragen, woran liegt es, daß der Anwendungsstau nicht abgebaut werden konnte, so lautet die Anwort: Ganz einfach daran, daß derjenige, der mit System arbeiten will, der ein Informationsbedürfnis hat, nicht einfach genug den Dialog aufnehmen konnte.

- Sie sprachen eben den Punkt an, mehr Verantwortung in die Fachabteilung zu verlagern. Wäre das dann nicht das Ende des EDV-Spezialistentums?

Das meine ich nicht. Wir wollen den Druck, der in den zentralen EDV-Abteilungen besteht - auch bei den Spezialisten, von denen Sie reden -, diese Druck wollen wir mildern. Die EDV-Abteilungen können den Anwendungsstau nicht einfach dadurch abbauen, daß Sie zwei oder drei zusätzliche Spezialisten in diese Abteilung hineinbringen. Wir glauben, daß wir gerade mit dem Software-Angebot des Systems/38 den EDV-Spezialisten einen Dienst erweisen und die Endbenutzer in die Lage versetzen, mit möglichst geringer Unterstützung von Spezialisten Datenbanken zu implementieren und den Dialog mit dem System aufzunehmen. Im übrigen denken wir bei diesem System an Benutzergruppen, bei denen EDV-Spezialisten selten knapp sind.

- Das wurde doch aber heißen, daß Beschränkung der System/38-Datenbank allein darin liegt, daß sie nur für eine bestimmte Größe anwendbar ist?

Natürlich ist, das System/38 mit seiner Datenbank nur für bestimmte Größen anwendbar...

-...obwohl das einem Grundprinzip des Datenbank-Designs wiederspricht?

Ich glaube, hier liegt ein Mißverständnis vor. Die neuartige Datenbank des Systems/38 widerspricht nicht Grundprinzip des Datenbank-Designs. Sie unterliegt von der Konzeption her keinen Einschränkungen. Zu unterschieden davon ist jedoch die, Kapazität des Systems/38, die für bestimmte Größen ausgelegt ist.

- Herr Leister, wie beurteilen Sie die Marktchancen des Systems/38?

Wir wollen Tausende davon verkaufen.

Rolf-Dieter Leister,

Jahrgang 1940, leitet seit Januar 1978 den Geschäftszweig Basis-Datenverarbeitung der IBM Deutschland GmbH. Bei seinen vorherigen Aufgaben war er in verschiedenen Linien- und Stabspositionen im In- und Ausland tätig. Zu diesen Aufgaben gehörten unter anderen die Leitung der Geschäftsstelle Frankfurt für Basis-Datenverarbeitung und die Leitung des DV-Fachbereichs Wissenschaft und Verwaltung in Bonn.