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29.10.1993

"Es ist Wettbewerb, und so gut wie keiner geht hin" Corporate Networks im Spannungsfeld zwischen DV und Telekommunikation

Seit dem 1. Januar 1993 herrscht im deutschen TK-Markt totaler Wettbewerb. Dieser Eindruck koennte sich dem Beobachter jedenfalls aufdraengen, wenn es um die Wertung verschiedener Reaktionen auf eine an und fuer sich voellig unverfaengliche Richtlinie des Bundesministeriums fuer Post und Telekommunikation geht. Gemeint ist das Genehmigungskonzept Corporate Networks, das eine - an geltendes EG-Recht angepasste - Erweiterung der Moeglichkeiten zur Sprachuebertragung in unternehmensweiten Netzen vorsieht. Waehrend die Telekom nach einer gewissen Schamfrist nun immer deutlicher von drohenden Einnahmeverlusten spricht, feiern die Verfechter eines liberalisierten TK-Marktes die Neuregelung als Meilenstein auf dem Weg zur Abschaffung des Telefondienstmonopols - und nicht wenige sehen darin auch die rechtliche Grundlage fuer das, was sich am technischen Horizont ohnehin abzeichnet: Die Verschmelzung von unternehmensweiter Daten- und Telekommunikation.

Es dauerte acht Monate bis zur Bilanzpressekonferenz im August, als Telekom-Chef Helmut Ricke in einer ersten offiziellen Aeusserung von "Kunden- und Einnahmeverlusten" im Zusammenhang mit der Verordnung sprach, die der fruehere Postminister Christian Schwarz- Schilling kurz vor seinem Ruecktritt zum Jahreswechsel 1992/93 dem Bonner Carrier quasi als Abschiedsgeschenk unter den Weihnachtsbaum gelegt hatte. Was da in einem Nebensatz so betont sachlich zum Ausdruck kam, hat das Postunternehmen gewaltig auf dem falschen Fuss erwischt. Immerhin geht es, wenn grosse Firmenkunden im Rahmen eines Corporate Networks eigene Telefonnetze errichten und betreiben duerfen, ans Eingemachte des Telefondienstmonopols und damit um viel Geld.

Die Nerven in der Telekom-Chefetage liegen jedenfalls blank, wie Bonner Insider zu wissen glauben - ganz nach dem Motto: Das hat uns gerade noch gefehlt. Der Staatskonzern, dessen Privatisierung angesichts des Bonner Parteiengezaenks mehr denn je als fraglich erscheint, laeuft, so scheint es auf den ersten Blick, Gefahr, eine seiner wichtigsten Einnahmequellen zu verlieren.

Immerhin werden noch immer mehr als 70 Prozent des Umsatzes im analogen Telefonnetzdienst erzielt; rund 45 Prozent davon resultieren nach Schaetzungen von Experten aus der Fernsprechnutzung von lediglich 15 Prozent aller Hauptanschluesse - also vorwiegend dem Telefonbetrieb bei Grossunternehmen.

Trotzdem kommen Beobachtern aber allmaehlich Zweifel, ob denn der Katzenjammer der Telekom sowie die Euphorie derjenigen, die in einem kuenftigen Markt fuer Corporate Networks ein Milliardengeschaeft wittern, unbedingt dem entspricht, was sich derzeit in der bundesdeutschen TK-Landschaft abspielt. Zumindest scheint bis dato das Genehmigungskonzept des Ministeriums eine groessere Rolle in einschlaegigen Pressepublikationen als in der taeglichen Praxis der in Frage kommenden Unternehmen zu spielen. "Es gibt keinen Boom von Interessenten, die Corporate Networks fuer sich oder andere betreiben wollen", stellt Wolfgang Pickave, Referatsleiter Regulierungs- und Verleihungspolitik im Bundesministerium fuer Post und Telekommunikation, hierzu trocken fest.

Bei den reformfreudigen Beamten im Ministerium, die sich erst vor kurzem wegen eines sehr grosszuegig ausgelegten Arbeitspapiers in Sachen Postreform II einen Rueffel ihres obersten Dienstherrn eingehandelt haben, ist jedenfalls die Enttaeuschung deutlich spuerbar ueber eine Entwicklung, die einzelne Spoetter schon mit der Bemerkung kommentierten: "Es ist Wettbewerb, und so gut wie keiner geht hin". Knapp 50 Einzelgenehmigungen fuer Corporate Networks sind bisher erteilt worden, aber fast ausnahmslos, so Pickave, "fuer kleinere Unternehmen, die von der Neuregelung profitieren". Die bundesdeutschen Grosskonzerne machen sich hingegen nach Angaben des Bonner Beamten momentan lediglich "ernsthafte Gedanken".

Vielleicht hat die bis jetzt nur geringe konkrete Nachfrage aber auch ganz einfach damit zu tun, dass sich so mancher Telekom- Grosskunde schon laengst vorher seine Gedanken gemacht hat. Unternehmen wie IBM und Digital Equipment unterhalten seit Jahren aufwendige Datennetze, ganz zu schweigen von der Mehrzahl der deutschen Banken und Versicherungen; und es ist seit eh und je ein offenes Geheimnis, dass dort ueber brachliegende Bandbreiten teilweise auch Sprachverkehr abgewickelt wurde - mit stillschweigender Duldung der Telekom uebrigens, die bei den Mietleitungen kraeftig abkassierte.

"Es gibt im Zusammenhang mit Corporate Networks lediglich geaenderte Rahmenbedingungen im Sinne erweiterter Nutzungsmoeglichkeiten", relativiert Horst Schaefers, Abteilungsleiter Kommunikationstechnik bei der West LB, Duesseldorf, die Aufgeregtheit mancher Zeitgenossen und macht anhand des Weges, den sein Unternehmen in Teilbereichen eingeschlagen hat, deutlich, worum es bei der ganzen Corporate- Networks-Diskussion in Wahrheit geht - naemlich den Transport von Daten und Sprache in moeglichst einer Netzinfrastruktur.

Wer wollte, konnte, wie der IT-Experte seinen Anwenderkollegen vorhaelt, "mit geeigneten Hilfsmitteln, beispielsweise ISDN, vieles schon vor dem 1. Januar 1993 realisieren". Nur sei jetzt eben, so Schaefers, mehr erlaubt, beispielsweise in gewissen Konstellationen die Ein- und Auswahl in Unternehmensnetze vom oeffentlichen Telefonnetz aus.

Bei ISDN-Festverbindungen stand und stehe nirgends geschrieben, dass man sie ausschliesslich zur Daten- oder Sprachuebertragung verwenden duerfe, gibt der West-LB-Kommunikationsfachmann Nachhilfeunterricht in Sachen ISDN und stellt unmissverstaendlich fest: "Die Kombination beider Welten war laengst erlaubt und technisch moeglich."

Vielerorts sei nach Schaefers Ansicht die technische Entwicklung einfach verschlafen worden, nicht zuletzt auch bedingt durch das ungeschickte ISDN-Marketing der Telekom. Dort haetten die Sprachleute, die sich als Monopolisten sehen, ISDN fuer sich reklamiert - mit dem Ergebnis, dass noch immer viele professionelle Anwender mit dem digitalen Netz das verbinden, was "die Telekom quasi als Amtsanschluesse verkauft".

Wahrscheinlich wird sich Schaefers mit seinem Plaedoyer fuer ISDN bei seinen Non-Voice-Kollegen nicht nur Freunde gemacht haben. Worum es ihm und anderen Experten jedoch - jenseits aller Technikdiskussion - geht, ist die Tatsache, dass sich nur wenige Grossunternehmen zukuenftig getrennte Netze fuer die Daten- und Sprachkommunikation leisten werden koennen und wollen. "Der Anstoss zu einem Corporate Network muss von der Datenseite her kommen", leistet Peter Scheller, Geschaeftsbereichsleiter Telekommunikation bei der Frankfurter PA Consulting Group, Schaefers in gewisser Weise Schuetzenhilfe. Bei dem gegenwaertigen Tariftableau der Telekom rechne sich "eine 64-Kbit/s-Leitung beziehungsweise ein 64-Kbit/s-Kanal in einer 2-Mbit/s-Leitung zur reinen Sprachuebertragung de facto nicht". Die zukuenftige Verschmelzung von DV und Telekommunikation hat jedenfalls, so viel scheint festzustehen, durch die rechtlich erweiterten Moeglichkeiten zur Sprachuebertragung in unternehmensweiten Netzen an Aktualitaet gewonnen, und genau dies ist es auch, wo die Telekom - ungeachtet ihres 1998 zu Ende gehenden Telefondienstmonopols - der Schuh am meisten drueckt. Das Postunternehmen hat zwar, bedingt durch das Netzmonopol, sowohl bei den privaten Carriern als auch bei allen installierten Corporate Networks ueber den "Rohstoff" Mietleitungen den Fuss in der Tuer.

Gleichzeitig laufen die Bonner aber Gefahr, wie Telekom-Vorstand Dieter Gallist kuerzlich erstmals oeffentlich einraeumte, auf laengere Sicht zu einem "Randlieferanten" abgestempelt zu werden - bedingt dadurch, dass Unternehmen entweder ihre eigenen Netze bauen oder private Carrier beziehungsweise internationale Player wie AT&T, BT oder MCI die lukrativsten Auftraege wegschnappen.

"Wettbewerb bedeutet immer Verlust von Marktanteilen" - sein Unternehmen sei daher gehalten, "mit entsprechenden Loesungen mitzuhalten", gibt denn auch Wilhelm Krusch, Fachbereichsleiter Voice-Mehrwertdienste bei der Generaldirektion Telekom, als neue Devise aus. Dabei haben die Telekom-Marketiers sowohl das eigentliche Telefonnetz als auch schluesselfertige Corporate- Network-Angebote im Auge.

Schon vor knapp zwei Jahren habe man, so Krusch, mit der Einfuehrung des "Intelligenten Netzes" als Ergaenzung des oeffentlichen Telefonnetzes um zusaetzliche Funktionen begonnen; noch zum Jahresende soll das "Virtual Private Network" (VPN) als voellig neue Dienstleistung Premiere feiern.

Mit dieser - in den USA laengst etablierten - Technik sei man, wie der Telekom-Beamte die eigene Zukunft in rosaroten Farben malt, in der Lage, "beliebige geschlossene Benutzergruppen im oeffentlichen Telefonnetz abzubilden".

Damit wird genau eine der beiden Zielgruppen des neuen Genehmigungskonzeptes angesprochen. Allerdings ist man auch bei der Telekom mittlerweile reif fuer die Erkenntnis, dass, so Krusch, "der Trend zu Corporate Networks von der Datenseite her kommt". Dort kochen jedoch die Telekom-Netzexperten, genau so wie ihre Kunden, auch nur mit Wasser und bauen auf intelligente Multiplexer zur Sprach- beziehungsweise Datenkomprimierung. "All diese Angebote lassen wir unter der Ueberschrift Telekom Designed Network laufen", lautet die Pflichtuebung des Bonner Beamten fuer die eigene Marketing-Abteilung.

Wer im uebrigen geglaubt hatte, die Neuregelung zur Sprachuebertragung werde die private Konkurrenz der Telekom auf den Plan rufen, sah sich bisher getaeuscht. Lediglich die Meganet GmbH hat sich bis dato mit der Ankuendigung eines Pilotprojektes bei einem ihrer Vorzeigekunden aus der Deckung gewagt, und bei der Hamburger Info AG stellt man gar die Wirtschaftlichkeit entsprechender Dienstleistungen in Frage. So haetten, wie der Vorstandsvorsitzende des Hamburger Carrier und Rechenzentrums- Backup-Spezialisten, Lutz Meyer-Scheel, betont, Stu-dien ergeben, dass im Zusammenhang mit dem Marktsegment Corporate Voice "nur ein geringer Teil fuer Geschaeftskunden verwirklicht werden kann".

Nicht viel anders sieht man dies bei den internationalen Mitbewerbern der Telekom. "Wir wollen nicht der billige Jakob der Telefonie werden", distanziert sich Wolfgang Mudter, Geschaeftsfuehrer der British Telecom (BT) Deutschland GmbH, von Anbietern wie Worldcom und Telepassport, die mit der Verlagerung von TK-Knoten ins tarifguenstigere Ausland seit geraumer Zeit gute Geschaefte machen. Natuerlich profitiere sein Unternehmen, wie Mudter einraeumt, "von der Tarifsituation in Grossbritannien"; erklaertes Geschaeftsziel von BT sei aber die Integration beider Welten durch Komplettangebote. Spaetestens im ersten Quartal 1994 wollen die Briten neben ihren Global Network Services (GNS) und dem Outsourcing-Angebot ihrer Tochter Syncordia im Rahmen eines International Virtual Networks (IVN) eine weitere Dienstleistungs- Kategorie anbieten, die auf den sich jetzt abzeichnenden Corporate-Network-Markt abzielt.

"Die Kostenfrage ist ein zwar wichtiger, aber letztlich zu kurz greifender Aspekt", verdeutlicht Mudter die eigene Strategie. Deshalb versuche sein Unternehmen, sonst in Sachen Marketing kein Kind von Traurigkeit, in diesem Marktsegment "aus gewachsenen Kundenbeziehungen heraus" zu agieren. Dass der vermeintlich winkende Vorteil einer Kostenreduktion indes der hauptsaechliche Katalysator fuer Corporate-Network-Plaene bei den Anwendern ist, gilt unter Experten als ausgemacht - sofern man dort ueber die eigenen TK-Ausgaben Bescheid weiss.

"Viele reden davon, kaum jemand versteht es und weiss was dahintersteckt - aber alle erwarten sich geringere Kosten", bringt Consultant Scheller die Crux der Corporate-Network-Diskussion auf den Punkt. In seiner taeglichen Beratungspraxis wird Scheller vor allem mit zwei Problemfeldern konfrontiert. Kaum einer der Anwender sei sich ueber die Konsequenzen einer Corporate-Network- Loesung in puncto zusaetzlich notwendiger Hard- und Softwareloesungen im klaren sowie ueber die Tatsache, "dass dies nicht bei der Technik halt machen kann, sondern sich bis in die Unternehmensorganisation hinein fortpflanzen muss".

Wolle man dies als externer Berater in den Griff bekommen, werde man gleich mit zwei weiteren Problemfeldern konfrontiert: "DV und Telekommunikation sind in den meisten Unternehmen auch verantwortungsmaessig noch getrennte Welten", plaudert der Consultant aus dem Naehkaestchen, und der Kenntnis- stand ueber die eigentlichen TK-Kosten sei "extrem gering". Dies ist nach Auffassung Schellers um so bedauerlicher, als durch die jetzige Euphorie bei so manchem Anwender falsche Hoffnungen geweckt wurden.

Trotz der Tatsache, dass bei einigen Unternehmenssparten, beispielsweise in der Versicherungswirtschaft, das Verhaeltnis zwischen Daten- und Sprachaufkommen bei etwa 30:70 liege, sei nach PA-Schaetzungen davon auszugehen, dass lediglich 50 Prozent aller Kommunikationsvorfaelle im Sprachbereich ein sogenanntes Corporate- Network-faehiges Potential im Sinne des neuen Genehmigungskonzeptes darstellen. Ein Szenario, das wie Scheller ueberdies zu bedenken gibt, durch die sich abzeichnende Tarifreform des Telefondienstes "so manche Wirtschaftlichkeitsrechnung eines Anwenders oder privaten Carriers wieder ueber den Haufen werfen duerfte".

Die Loesung koenne daher, so Scheller, nur "Integration beider Welten" heissen, bei der die Sprachuebertragung von bereits vorhandenen Datennetzen mit uebernommen wird.

Genau dies sei, wie der TK-Experte zu berichten weiss, derzeit im Markt auch zu beobachten. Vielfach vorhandener Standard seien heute 2-Mbit/s-Netze in Form von End-to-end-Verbindungen.

Sie waren urspruenglich fuer die Datenkommunikation konzipiert, aber in der Regel mit einer Menge an freier Bandbreitenkapazitaet, um zusaetzlich Sprache transportieren zu koennen. Die Investitionen hierfuer wurden, so Scheller, in den meisten Faellen bereits "ueber die Datenseite abgerechnet"; alles was darueber hinaus an Applikationen laufen kann, sehen die "Unternehmen als Gewinn fuer sich".

Genau nach diesem Strickmuster ist man zumindest bei der Digital Equipment GmbH verfahren, wo man nach Angaben von Theo Kremkow, seines Zeichens Technologieberater Netze, weltweit im eigenen Konzernnetz schon seit laengerem telefoniert, in Deutschland sich das bis dato aber "noch nicht gerechnet hat". Erst Mitte 1992 begann man bei Digital Deutschland, im Zuge der Tarifreform der Telekom nachzurechnen, mit dem Ergebnis, dass heute drei der vier grossen bundesdeutschen Digital-Standorte (Muenchen, Hamburg, Frankfurt) und demnaechst auch Koeln mit einem 2-Mbit/s-Netz vermascht sind.

Ziel war laut Kremkow dabei, eine Infrastruktur zu schaffen, bei der man auf laengere Sicht mit "genuegend Reserven an Bandbreite fuer kuenftige Anwendungen wie Video-Conferencing und Multimedia kalkulieren kann". Bei ihrem Vorgehen liessen sich allerdings die Digital-Planer weniger von der ministeriellen Neuregelung als vielmehr von der Absicht leiten, "auch den internen Sprachverkehr auf die neue Netzinfrastruktur zu legen". Auch fuer den TK- und Netzexperten von Digital ist dabei die Kostenfrage nicht der alles entscheidende Faktor. Aehnlich wie bei der Umstellung auf Client- Server koenne man da Rechnungen aufstellen, wonach "alles teurer werde". Entscheidend sei jedoch die Abwaegung von "Kosten und Wertsteigerung in puncto effizienterer Arbeitsablaeufe", und dazwischen gelte es, "eine Balance zu bilden".

Die Befuerchtung, dass ihm eines Tages doch noch die Bandbreite fuer dann zwingend notwendige Applikationen fehlen wird, hat Kremkow nicht. Die Diskussion um den zukuenftigen "Mega- Uebertragungsstandard" ATM laesst den Netzplaner jedenfalls kalt. Der neue Shooting-Star am Connectivity-Himmel ist fuer ihn "nicht mehr als ein Schlagwort" und eine Technik, die sich vorerst nur im "LAN und im Corporate-Backbone-Bereich, wo mehr als 2 Mbit/s gefragt sind", durchsetzen wird.

Gelassen sieht man der Entwicklung in Sachen ATM offensichtlich auch bei der Telekom entgegen, wo man Bereichsleiter Krusch zufolge - unabhaengig von ersten Pilotversuchen zu Beginn naechsten Jahres - in der zellbasierten Uebermittlungstechnik momentan lediglich eine "Migrationsoption fuer die Zukunft sieht." Dabei koenne man sich aber "weder beim Zeitpunkt noch bei etwaigen Kostenstrukturen festlegen". Zu vermuten sei, so der Telekom- Beamte, eine aehnliche Entwicklung wie bei ISDN, wo es auch nur ein begrenztes Marktpotential gebe. Das allerdings am Ende einer langen Entwicklungskette Breitband-ISDN beziehungsweise ATM steht, haelt er fuer "wahrscheinlich".

Keine Schwierigkeiten mit einem Umstieg auf die Cell-Relay-Technik haette zumindest WestLB-Netzchef und ISDN-Verfechter Schaefers, fuer den ATM auch nur ein Transportmedium ist, "dem es egal ist, was an Informationen darauf gelegt wird". Entscheidend sei dabei nach wie vor die Frage, "mit welchen Protokollen ich die Informationen - egal ob Sprache, Daten oder Video - verschicke".

Wesentlich interessanter ist letztlich auch fuer ihn der Integrationsaspekt beim Bau eines Corporate Networks. Solange alles getrennt geplant und durchgefuehrt wird, koenne man "niemals den eigentlich Nutzeffekt erzielen". Unabdingbar sei daher "zumindest ein gemeinsamer Kopf darueber, der bereits fachlich verinnerlicht hat, dass DV und Telekommunikation de facto keine getrennten Welten mehr sind".Gerhard Holzwart