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13.02.1976

Es kommen rosige Zeiten um für die Datenkommunikation

Mit Prof. Dr. Eberhard Witte, Vorsitzender des Instituts für Organisation und Leiter der Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems, sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer

- In dem 160seitigen Telekommunikationsbericht der Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems findet man sehr viel über Breitbandkommunikation und sonstige Zukunftsmusik, aber nur wenige Passagen, die sich mit der Zukunft der Datenübertragung und Datenfernverarbeitung beschäftigen. Man hat den Eindruck, als ob die Datenverarbeitung nur am Rande behandelt wurde.

Auch in einem Interview mit einer speziell für die Datenverarbeitung herausgegebenen Zeitung muß ich den Mut finden zu sagen, daß Datenverarbeitung tatsächlich nur einen Teil und eben nicht den größten Teil des ProblemfeIdes der Telekommunika tion darstellt. Und zwar gilt dies sowohl hinsichtlich des Volumens der Beanspruchung nachrichtentechnischer Netze als auch hinsichtlich der Endgeräte und auch mit Bezug auf das wirtschaftliche Volumen in Geld. Keine Kommunikationsform ruft eine so geringe Belastung von Telekommunikationsnetzen hervor, wie gerade die Datenkommunikation, denn hier handelt es sich um Signale in digitaler Form, die zur Fernkommunikation geradezu ideal und vor allem kapazitätsschonend geeignet sind.

- Jetzt schlägt die Kommission vor, neue technische Möglichkeiten der Telekommunikation zu forcieren. Man darf also damit rechnen, daß Bürofernschreiben mit intelligenten Schreibautomaten von Büro zu Büro oder das Fernkopieren und vielleicht auch individuelle Rückkanäle in Kabelfernseh-Netzen die Kapazität des Fernmeldenetzes künftig zusätzlich belasten werden. Tagsüber ist es durchaus häufig, daß Fernsprechleitungen für den Fernverkehr besetzt sind. Müssen die Datenverarbeiter nicht befürchten, daß für Datenfernverarbeitung die Kapazitäten eingeschränkt werden, wenn all das auf uns zukommt?

Die Kommission war der Meinung, daß dies nicht befürchtet werden muß. Es ist vorgesehen, die elektronische Briefübermittlung in Form von Bürofernschreiben und Fernkopieren im wesentlichen während der Nachtstunden zu vollziehen - und hier ist die Kapazität praktisch zwischen 1.00 Uhr und 6.00 Uhr morgens unausgenutzt. Selbst wenn wir alle die für eine nachrichtentechnische Übertragung geeigneten Schriftstücke in dem bestehenden Netz in den Nachtstunden transportieren wollen, würde die vorhandene Kapazität nur zu etwa. 25 Prozent genutzt werden. Während der Tagesstunden sieht das natürlich anders aus, denn unser Fernsprechnetz ist vormittags zwischen 8.00 Uhr und 11.00 Uhr weitgehend und zwischen 14.00 Uhr und 16.00 Uhr noch ziemlich stark ausgelastet. Aber das in Einführung befindliche elektronische Wählsystem bringt die technischen Möglichkeiten eine gewünschte Datenübertragung "warten" zu lassen. Das heißt, die Übertragung wird so lange abgespeichert bis der Anschluß erreichbar wird. Dadurch ergeben sich zwar Verzögerungen im Minuten-Bereich, aber keineswegs eine Verhinderung des Datenflusses. Schließlich ist anzumerken, daß aus technischen und wirtschaftlichen Gründen die Datenübertragung auch über das im Aufbau befindliche öffentliche Fernschreib- und Datennetz geleitet werden kann.

- WeIchen Anteil hat denn heute die Datenfernübertragung am Gesamtvolumen der in den öffentlichen Netzen transportierten Information?

Die Frage ist nicht beantwortbar, weil die verschiedenen Telekommunikationsformen zu unterschiedlich sind. Wenn man zum Beispiel das Fernsprechen mit dem Datenfernverkehr vergleichen wollte, so müßte man doch bedenken, daß der Telefonkontakt im Augenblick noch über Analog-Signale abgewickelt wird, die eine ganz andere Technik und eine andere Belastung des Netzes hervorruft. Dagegen ist die Datenfernübertragung von vornherein digital und insofern sehr sparsam. Die Kommission hat sich nach gründlichen Studien davon überzeugt, daß auch ein rapider Ausbau der Datenfernverarbeitung innerhalb eines einstelligen Prozentsatzes der Netzbelastung bleibt. Das heißt: Ehe die Datenfernverarbeitung unsere Netze füllt, ist dieses Jahrhundert zu Ende.

- Daraus könnte man doch herleiten, daß bei einem so geringen Anteil der Datenfernverarbeitung an der Gesamt-Netzbelastung sie eigentlich doch - bezogen auf die Einnahmen der Post mit diesem Service - zu teuer ist.

Warum sollte ein Kommunikationsdienst, der einen in der Netzbelastung geringen Umfang einnimmt, aus diesem Grund billig sein? Er kann ja so komfortabel und so teuer in der Belastung ganz anderer Kostenarten sein, daß sich sein Preis rechtfertigt. Aber ich will nicht auf eine Rechtfertigung bestimmter Tarife und Preise hinaus. Mir kommt es darauf an, das richtige Gewichtungsverhältnis anzudeuten. Tatsächlich ist die Datenfernverarbeitung nicht sehr kapazitätsbelastend für das Übertragungsnetz. Aber die Datenfernverarbeitung verlangt hohe Anstrengung zum Aufbau und Abbau der Verbindungen, zur Ausgestaltung der Schnittstellen und vor allen Dingen zur qualitativen Sicherung der Übertragungstechnik.

Was man sich beim Fernsprechen durchaus erlauben kann - etwa Rauschen, Nebengeräusche und kurze Unterbrechungen - würde für die Datenverarbeitung eine Katastrophe bedeuten. Deshalb ist die Kostenverursachung nicht so sehr in der Datenmenge, sondern in dem qualitativen Anspruch der Datenübertragung zu sehen.

- Sie halten die derzeitigen Tarife für Dateldienste also für angemessen - auch bezogen auf den internationalen Vergleich?

Hierzu hat die Kommission keine Stellung zu beziehen, denn sie hat ausdrücklich die Aufgabe, eine Langzeitplanung für die Jahre 1985 bis 2000 vorzulegen und sich nicht in die aktuelle Gebührenpolitik der Post einzumischen. Dennoch will ich der Frage nicht ausweichen und kann anmerken, daß die Deutsche Bundespost bereits in den letzten Jahren eine gewisse Verbilligung der Datenfernübertragung erreicht hat und auch für die Zukunft mit fortschreitender Technik und weiterer Verbreitung der Teilnehmerkreise eine international vergleichbare Tarifpolitik anstrebt.

- Bei den vielfältigen Telekommunikationsformen wird es einige frappante Neuerungen geben. Beim Telefonieren die Konferenzschaltung, bei der Textübertragung Bürofernschreiben, bei der Festbildkommunikation das Fernkopieren, im Bereich der Breitbandkommunikation das Kabelfernsehen. Was wird die Zukunft für die Datenfernverarbeitung bringen?

Die Entwicklung neuer Telekommunikationstechniken im Bereich der Datenfernverarbeitung ist bereits eingeleitet. Die Realisierung eines bereits vorliegenden Entwurfs steht unmittelbar bevor. In diesen Jahren wird mit einer Geschwindigkeit, die sonst für den Aufbau von nachrichtentechnischen Netzen nicht erreicht wird, das EDS-System in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Das heißt, es wird ein elektronisches digitales Vermittlungssystem mit hohen Ansprüchen für die Datenverarbeitung realisiert.

Die eigentliche Zukunftsaufgabe liegt jedoch nicht im Bereich der Netze, sondern in der internationalen Kooperation. Hier ist anzustreben, nur die Festlegung von Standards den Schutz des Gesamtnetzes und anderer Teilnehmer sicherzustellen, gleichzeitig aber die Freizügigkeit für neue Entwicklungen nicht zu verschließen. Die Datenfernverarbeitung muß eine übernationale Telekommunikationsform werden - mit einer Erreichbarkeit, wie sie heute für das Telefon selbstverständlich ist.