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26.05.1995

Es kommt auf den Standpunkt an Dieter Eckbauer

Was auch immer man von Multimedia haelt, von Online-Diensten, Datenautobahnen und vom Internet: Keiner in unserer Branche wird sich damit beruhigen koennen, die ganze Sache ginge ihn nichts an. Dass viele bei diesem Thema eine Abwarten-und-Tee-trinken-Haltung einnehmen, ist zwar verstaendlich, aber man kann das Ausweichen und Abschwaechen auch uebertreiben. Wer sich zur Zukunft der neuen Medien aeussert, vertritt eine subjektive Meinung. Niemand muss ihr zustimmen, sie laesst sich aber auch nicht widerlegen. Das haben Prognosen so an sich. Mit Bestimmtheit kann man nur sagen: Es kommt auf den Stand-punkt an - was einer sieht und wie er es einordnet.

Fuer den Informationstechniker ist es deshalb wichtig, die unter- schiedlichen Sichtweisen zu kennen, zu wissen, was die Auftraggeber, die Manager, die Marketiers wollen, wenn sie etwa von Multimedia reden. Dies vorweg: Wer auf einer Definition besteht, die alles erschlaegt und von allen anerkannt wird, macht bereits den ersten Fehler. Der Urschlamm konnte sich auch lange nicht entscheiden, in welchen Formen er sich materialisieren sollte. Doch Vorsicht, hier haben wir es bereits mit einer Wertung zu tun: Fuer Cybernauten ist die Schoepfung der virtuellen Welt schon weiter. Die Wahl der Worte sagt viel ueber die Einstellung aus: Man "surft" im Internet, hat also Spass dabei. Skeptiker wuerden sich nie so ausdruecken. Bei ihnen heisst es: Das Internet ist ein dunkles Labyrinth voller Ratten und Wuermer. Wer kann es ihnen verdenken, dass sie die Surfer fuer verrueckt halten?

Wieder andere - und das faellt mehr in unser Metier - werden fragen: Was bringt mir das? Kann ich mit Online-Diensten im Internet Geld verdienen, oder muss ich erst einmal kraeftig draufzahlen? Eine solche Gleichung hat den Nachteil, dass sie Nachpruefbarkeit suggeriert. Damit kann der New-Media-Markt jedoch - wir wissen es bereits - zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht dienen. Gleichwohl lassen sich Aussagen treffen, die zwar mit dem gewuenschten oder befuerchteten Ausgang (Fortschritt oder Flop?) nichts zu tun haben, die aber zur Klaerung der Positionen beitragen.

Es muesste jedem auffallen, dass das meiste, was ueber Multimedia und Online-Dienste verbreitet wird, Marktgeschrei ist: Die Anbieter, seien es Hardwarehersteller, Softwareproduzenten, Netzbetreiber oder die Medien selbst, haben ein starkes Eigeninteresse daran, dass das Thema hochgespielt wird. Das relativiert immerhin einiges, zumal wenn man bedenkt, dass es wiederum ueberwiegend Brancheninsider sind, die einschlaegige Informationen in Form von Jubelmeldungen goutieren.

So geraet das Multimedia-Spektakel leicht zu einer Inzuchtveranstal-tung - es sind bereits einige Faelle von Schwachsinn im Zusammenhang mit dem Internet beobachtet worden. Die Pessimisten muessen sich dagegen daran erinnern lassen, dass Schwarz keine Farbe ist. Warum nicht die neuen Medien als Herausforderung begreifen und deren Anwendungsmoeglichkeiten ausloten? Zustimmen oder ablehnen kann man dann immer noch.