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07.07.1995

"Es reicht nicht, die besten Technologien zu entwickeln"

CW: Wieviel Multimedia brauchen Schule und Hochschule?

Yzer: Ich halte den Multimedia-Einsatz fuer unerlaesslich. Multimedia-Anwendungen werden in den naechsten Jahren nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch das gesellschaftliche Umfeld praegen. Da muss eine fruehzeitige Vorbereitung erfolgen. Schueler muessen spielerisch vertraut gemacht werden, und an den Hochschulen ist die Anwendung von Multimedia unerlaesslich, wenn man den Schritt ins Berufsleben machen will. Der genaue Bedarf ist schwer quantifizierbar, zumal er auch vom jeweiligen Studienfach abhaengt.

CW: Nach dem G7-Gipfel zur Informationsgesellschaft hatten Sie angekuendigt, eine Konferenz ueber Konsequenzen des Multimedia- Einsatzes zu veranstalten. Warum legen Sie den Schwerpunkt auf die Folgen?

Yzer: Meiner Meinung nach sollten wir nicht nur den Umgang mit Multimedia vermitteln, sondern Schule und Hochschule dazu nutzen, ueber die Moeglichkeiten und Grenzen zu sprechen. Ich moechte in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Medienerziehung hinweisen. Das halte ich fuer einen wichtigen Ansatz.

CW: Fuerchten Sie um die Akzeptanz des neuen Mediums?

Yzer: Ich halte es fuer wichtig, ueber die nichttechnischen Aspekte zu sprechen. Da ist in der Tat die Frage der Akzeptanz von Multimedia-Anwendungen. Es reicht nicht, die besten Technologien zu entwickeln. Wenn die Menschen sie nicht annehmen und wenn Aengste und Distanz entstehen, ist diese ganze Technik nutzlos.

CW: Ein Mitinitiator des Berliner Memorandums (in diesem Memoramdum verlangen Vertreter von Eltern, der Wirtschaft und des Staates einen verstaerkten Multimedia-Einsatz in Schulen, Anm. d. Red.) bezeichnet die Politiker als Hauptschuldige an dem schleppenden Einsatz von neuen Medien in unserer Republik und nennt auch Sie eine

"Bedenkentraegerin".

Yzer: Ich fuehle mich nicht angesprochen, weder als Mitglied der Bundesregierung noch als Person. Tatsache ist, dass viele Menschen auf Distanz zu neuen Techniken gehen. Diese Distanz gilt es abzubauen.

CW: Haben Sie ein Rezept dafuer?

Yzer: Ich moechte eine positive Grundeinstellung zu neuen Technologien herbeifuehren. Diese kann ich dem einzelnen nicht auferlegen. Er muss fuer sich erkennen, wie er davon profitieren kann. Der Nutzen fuer den einzelnen ist der Schluessel dazu, dass neue Technologien akzeptiert werden.

CW: Gibt es bereits Projekte, die Ihr Ministerium initiiert hat?

Yzer: Es existieren konkrete Anwendungsprojekte in der Pilotphase. Auch die Laender arbeiten an Vorhaben, die wir verfolgen: zum Beispiel im Bildungswesen, Teilen des oeffentlichen Gesundheitswesens und in der Telematik.

CW: Wie sieht denn die Realisierung von solchen Projekten aus?

Yzer: Wir wollen zum Beispiel bei den elektronischen Bibliotheken in Universitaeten vorankommen, und beim Hochschulbau muessen wir umsteuern. Wir bauen immer noch grosse Hoersaele und unternehmen zuwenig fuer den Ausbau der Datennetze.

CW: Ist die Bildungsbuerokratie mit solch revolutionaeren Vorschlaegen nicht ueberfordert?

Yzer: Wir muessen in den naechsten Jahren umsteuern und mit den zustaendigen Verantwortlichen der Laender darueber sprechen, ob es richtig ist, den Hauptanteil der Gelder immer noch in den klassischen Hochschulbau mit Riesenhoersaelen zu investieren. Die virtuelle Universitaet ist meine Vision, wenngleich sie nicht mehr in diesem Jahrhundert realisiert werden kann. Ich halte es aber langfristig fuer vorstellbar, dass man Fern- und Praesenztermine verbindet, indem man bestimmte Vorlesungen abruft, nach Hause holt und damit mehr Freiraum fuer die Lehre schafft.

CW: Entstehen aber dadurch schon die Millionen von Arbeitsplaetzen, die die EU-Kommission in Aussicht stellt?

Yzer: Es ist richtig, dass die EU-Kommission davon ausgeht, dass bis zur Jahrtausendwende zwei Millionen neue Arbeitsplaetze im Multimedia-Umfeld entstehen. Ich will nicht einer Euphorie Vorschub leisten, die dann nicht gerechtfertigt ist, gehe aber davon aus, dass diese Groessenordnung realisierbar ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Mit der Parlamentarischen Staatssekretaerin beim Bundesminister fuer Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Cornelia Yzer, sprach CW-Redakteur Hans Koeniges.