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06.05.1977

Es steckt noch viel Zündstoff in EAN

Und noch einmal: "EAN, die europäische Artikelnumerierung, ist voll verwendungsfähig." Jetzt fragt sich nur noch, wann die Markenartikel-Hersteller mit der Artikelauszeichnung beginnen und wie und ob die dadurch entstehenden Mehrkosten an den Handel weiterberechnet werden können. Ist das alles geklärt, muß sich erst herausstellen, ob die bundesdeutsche Hausfrau den "Blindkauf" akzeptiert und auf die Einzelauszeichnung der Ware verzichten will. Und was geschieht mit nicht-scannerfähigen Artikeln? Muß der Handel auch noch Geld ausgeben für die nicht gerade preisgünstigen Lesepistolen? Wann wird die Hardware so billig, wie der Handel es von den Herstellern erwartet? CW befragte in Hannover drei führende Anbieter von POS-Systemen. hö

Michael Bernecker, Leiter Branchenvertrieb Handel, Nixdorf Computer AG, Paderborn

Absolut sicher ist, daß die Hersteller von Datenkassen eine einheitliche Artikelnumerierung grundsätzlich begrüßen. Erhalten wir doch dadurch die Möglichkeit, unsere Systeme konzeptionell danach auszurichten und passende generalisierte Lösungen für den Anwender anzubieten.

Mehrmals geäußerte Befürchtungen, daß bei Verwendung der EAN zum Price-Look-Up wegen der komplizierten Zugriffsmethode auf die Magnetplatte zu große Responsezeiten entstehen, können wir bei unserem neuen Informationssystem für den Handel 8862 durch entsprechende Konfigurierung und Programmierung auffangen. Bei höherer Kassenzahl je System empfehlen wir zum Beispiel die hundert Schnellstdreher im Speicher des Handels-Terminals und eventuell 1000 Schnelldreher in Anwenderspeicher des Zentralsystems zu führen und alle anderen Artikel auf bis zu vier Magnetplatten mit je 2x 5 Mio. Byte bereitzuhalten. Nach Aussagen unserer Kunden und Interessenten können dadurch etwa 70 Prozent der Registrierungen ohne Price-Look-Up von der Platte durchgeführt werden. Nicht uninteressant dürfte sein, daß dadurch selbst bei Störungen am Zentralsystem oder an der Platte ohne Back-Up-System für einen Großteil der Registrierungen Price-Look-Up möglich ist.

Betrachten sollte man jedoch in diesem Zusammenhang ein ganz anderes Problem. Bei dem diversifizierten Sortiment eines Verbrauchermarktes oder SB-Warenhauses sind sicherlich viele Artikel (zum Beispiel Großteile) nicht Scanner-fähig oder auch nicht im Price-Look-Up sinnvoll zu führen (etwa Konfektion). Zur Inventur bietet der Scanner überhaupt keine Hilfe. Bei diesen Tatsachen bleibt ernsthaft zu prüfen, inwieweit nicht wesentlich optimalere Lösungen mit einem Lesestift erzielt werden können, der im gemischten Betrieb sowohl alle UPC, EAN-Symbole, als auch andere Codierung lesen kann. Sicherlich ist dieses Leseverfahren nicht nur deshalb interessant, weil es nur den sechsten Teil der Kosten eines Scanners verursacht.

Wir wünschen uns, daß die CCG und die Markenartikel-Industrie bald dafür sorgen, daß unsere Investitionen möglichst umgehend dem Handel den notwendigen Rationalisierungserfolg ermöglichen.

Reimers Meyer, Leiter der Fachberatung Einzelhandel und POS-Systeme, Branchenzentrum Handel und Dienstleistungen, IBM Hamburg

Die EAN-Nummer setzt sich zusammen aus einem zweistelligen Begriff als Länderkennzeichen, einer fünfstelligen Betriebsstellen-Nummer sowie einer fünfstelligen laufenden Numerierung für die Artikel-Identifizierung. Die 13. Stelle des EAN-Codes dient lediglich als Prüfziffer. Die Logik dieser Nummer baut auf einem Symbol auf, das in Amerika seit einiger Zeit bereits läuft: Der Universal Product Code (UPC) - eine Verschlüsselung, die nach einer ganz bestimmten Technik vorgenommen wurde. Zwei Hälften dieses Symbols stellen jeweils die ersten und letzten sechs Stellen im amerikanischen UPC dar.

Die Anzahl der Stellen beim EAN-Code ist völlig unerheblich in bezug auf die Zugriffszeit zum Computersystem in der Leitzentrale. Wenn also behauptet wird, daß die EAN-Nummer durch die 13 Stellen zu Verzögerungen in der Check-Out-Line führt, muß man diese Darstellung zurückweisen. Wir konnten bei Tests und Praxisläufen feststellen, daß dadurch die Geschwindigkeit nicht zu leiden hat - Warteschlangen an den Check-Out-Kassen können also dadurch nicht entstehen. Die Geschwindigkeit, mit der die einzelnen Artikel über die Check-Out-Line gehen, hängt lediglich von der Bedienung ab und davon, wie lange der Prozeß des Geldhandlings dauert.

Unser Kassensystem ist so konfiguriert, daß bis zu 24 Kassen angeschlossen werden können. Bei Gesprächen, die ich mit unserem Labor führte, stellte sich sogar heraus, daß die Geschwindigkeit zu hoch dimensioniert wurde und daher auch nicht mit Zeiteinbußen gerechnet werden muß. Sollte einmal eine Leitzentrale auf Ladenebene ausfallen, kann über Wählleitung auf einen sogenannten Sister-Store umgeschaltet werden. In so einem Fall sind dann sogar bis zu 48 Kassen an einer Leitzentrale angeschaltet, ohne daß Wartezeiten entstanden sind: 95 bis 89 Prozent aller Anfragen an das System konnten in einer Zeitspanne von weniger als einer Sekunde beantwortet werden. Von der Hard- und Softwareseite ist der EAN-Code unbedingt verwendungsfähig.

Die Grundphilosophie solcher Systeme liegt darin, effiziente Warenwirtschaft zu betreiben. Es gibt bereits heute Aussagen von Anwendern, daß der Warenbestand um einige hunderttausend Mark reduziert werden konnte und auftretende Inventurdifferenzen sich um die Hälfte minimierten.

Hiermit sollen Sortimente richtig geplant, Leerverkäufe reduziert und Bestände reguliert werden können. EAN ermöglicht dem Handel zusätzlich Einsparungen durch das Wegfallen der Auszeichnung und der damit verbundenen Umzeichnung, die absolute Sicherheit im Sinne des Verbrauchers, daß dieser immer den richtigen Preis berechnet bekommt.

Jochen Himml, Leiter Branchenmarketing Handel, NCR Augsburg

Will man die Vorteile des Price-Look-Up auf allen Ebenen nutzen, muß davon ausgegangen werden, daß ein einheitliches Numeriersystem verwendet wird. Und damit ist alles gesagt - zugunsten von EAN. Allerdings wurde bei der Diskussion über EAN oft die falsche Premisse gemacht: Die Scanner-Technik ist nicht allein dazu gedacht, die Zahl der Kassenplätze erheblich zu reduzieren und somit viel Personal einzusparen, sondern soll durch die so erhaltenen Informationen eine optimale Warenwirtschaft erzielen. Eingespart werden können die vielen zusätzlichen Aushilfskräfte, die zum Auszeichnen auf Ladenebene und Umzeichnen bei periodischen Preisveränderungen nötig sind.

Die Erfahrungen, die in Amerika gemacht wurden, können nicht auf unsere Verhältnisse übertragen werden, da das Procedure an der Kasse selbst bei uns wesentlich einfacher ist: Bezahlt wird meistens mit Bargeld, manchmal mit Schecks, es gibt keine Gutscheine oder Bons abzurechnen und zudem haben wir keine Sondersteuer auf bestimmte Waren. Da diese manuellen Arbeiten in Amerika weitestgehend durch Scanning automatisiert wurden, rechtfertigt sich eine Personaleinsparung an den Kassenplätzen um 20 Prozent.

Auch unter unseren Kunden und Interessenten gibt es Händler, die - als Pioniere - sofort mit dem Scanning-Verfahren arbeiten würden, unabhängig davon, wann die Herstellerauszeichnung kommt. Viele wären sogar bereit, vorerst selbst auszuzeichnen. Andere wiederum warten auf die Reaktion der Industrie und darauf, wann die Markenartikel-Hersteller mit der Auszeichnung beginnen werden.

Daß sich hier Verständigungsschwierigkeiten aufgetan haben, liegt daran, daß viele bisher nicht recht wußten, was zu tun ist. Hier wird sich die Situation aber sehr bald aufhellen.