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04.08.1995

Es war einmal ein Timesharing-Trend Dieter Eckbauer

Ueber der Vorstellung und Beurteilung neuer Techniken, was denn dieses oder jenes IT-System fuer die Unternehmen bringt, verdraengen wir gerne das eigentliche Problem: die informationstechnische Inkompetenz der Unternehmer, der Topmanager, der Fachbereichsleiter - falscher Respekt vor Leuten, die sich als IT- Entscheider und -Einkaeufer stets wie Lemminge verhalten haben. In der IBM-Aera hatten wir den Zirkus schon einmal. Wer liess sich denn von Big Blue einen MIS-Baeren aufbinden? Und wer fiel auf die CIM- Sprueche der Anbieter herein, ohne zu fragen: Wie haben die das eigentlich gemeint? Mit einiger Sicherheit koennen wir davon ausgehen, dass die Fuehrungskraefte kritiklos auch die naechsten Moden mitmachen werden.

Pruegelknaben, wenn es schiefgeht, sind immer die IT-Spezialisten. Vielleicht sollten wir oefter daran erinnern, wie sich die DV-Welt entwickelt hat, an Beispielen aufzeigen, was aus welchen Gruenden misslungen ist, weil IT-Projekte mit falschen Erwartungen befrachtet wurden, Manoeverkritik auf hoeherer Ebene nicht stattfand. Anfang der 70er Jahre wurde etwa Timesharing, Computerleistung aus der Steckdose, zum Megatrend proklamiert. Die Moeglichkeit der Online-Nutzung externer Rechner via Teletype sollte die DV-Anwendung revolutionieren. Timesharing ueber weltweite Netze war out, als der Trend zum eigenen Rechenzentrum einsetzte. Die Zeit der Mainframes begann. Dass die Entscheider das Timesharing-Modell nicht verstanden hatten, wurde damit nur scheinbar kaschiert. Wenn heute die Antwort auf vermeintliche Mainframe-Verschwendung Outsourcing lautet, dann zeigt dies nur, dass Unternehmer und Topmanager in Sachen IT nichts dazugelernt haben.

Der Massstab, der an den IT-Bereich angelegt werden muss, ist nun einmal das unternehmerische Interesse, nicht der Ehrgeiz der IT- Spezialisten - der Druck der IT-Industrie schon gar nicht. Beliebt ist ein Trend bei den Anbietern nur solange, wie sie sich Verkaufserfolge davon versprechen - und allenfalls dann noch, wenn ein neuer Trend verschlafen wurde, was die Spezialisten immerhin vor DV-technischen

Eiertaenzen bewahrt. Dieses Glueck wird ihnen indes nur selten zuteil. Die Werbung fuer IT-Produkte sorgt schon dafuer, dass die In- oder-out-Trendrechnungen der Hersteller aufgehen.

In einer nicht repraesentativen CW-Umfrage wurde von deutschen IT- Chefs genau dieser Umstand beklagt. Man befinde sich permanent unter Rechtfertigungszwang, was die Jobmotivation nicht gerade erhoehe. In der Beurteilung des IT-Know-hows ihrer Vorstaende waren sich die Befragten weitgehend einig. Zwar wuerden sich einzelne Topmanager fuer die DV mittlerweile mehr interessieren als frueher, doch liessen sie sich dabei ueberwiegend von Schlagworten wie "Outsourcing" oder "Business Re-Engineering" leiten. Die IT-Profis reagieren mit Groll und dem Gefuehl des Nichtverstandenwerdens - schwierige Voraussetzungen fuer eine Wende, aber auch Herausforderung und Chance, das Uebel endlich zu benennen. Sie haben schliesslich nichts zu verlieren.