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"Es wird dauern, bis IBM die Lotus-Uebernahme verdaut hat"

30.06.1995

CW: Machen Sie sich Sorgen, weil durch die Kombination IBM-Lotus ein neuer Grossanbieter im Desktop-Markt entsteht?

Zeitler: Eigentlich nicht. Ich glaube, dass die IBM Lotus im wesentlichen wegen Notes kauft. Die Tatsache, dass sich IBM hier engagiert, macht den Endkunden klar, dass Groupware ein wichtiges Thema ist. Von daher finde ich die Entscheidung gut, denn auch wir spielen in diesem Markt mit.

Es gibt rund 150 Millionen PCs weltweit, aber nur etwa 1,5 Millionen Notes-Installationen. Das bedeutet, auf nur etwa einem Prozent aller PCs laeuft Groupware - sofern diese gleichzusetzen ist mit Notes. Hier gibt es grosse Wachstumschancen. Wenn eine Firma wie IBM das so deutlich dokumentiert, indem sie Lotus kauft, dann bringt uns das alle weiter.

CW: Fuerchten Sie nicht im Groupware-Markt eine aehnliche Entwicklung wie bei den PC-Betriebssystemen, wo ein Hersteller, Microsoft, eine absolut marktbeherrschende Position innehat?

Zeitler: Daran glaube ich nicht. Es haben sich auch andere Hersteller dazu aufgeschwungen, eine Rolle in diesem Markt zu spielen, unter anderem auch Novell mit Groupwise. IBM wird eine wichtige Position einnehmen, aber keine marktbeherrschende.

Es duerfte einige Zeit dauern, bis IBM die Lotus-Integration verdaut hat - ich weiss, wie so etwas laeuft, wir sind ja in meiner Vorgaengerfirma Central Point auch gekauft worden, von Symantec. Da geht erst einmal Energie verloren.

CW: Wird es die IBM Ihrer Ansicht nach schaffen, im Desktop-Markt ein Woertchen mitzureden?

Zeitler: Ich glaube, dass es fuer IBM schwierig sein wird, weil sie im Bereich Standardsoftware fuer PCs bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat - auch wenn wir alle wissen, dass IBM noch immer der groesste Softwarehersteller der Welt ist. Notes wird aber nicht an Lieschen Mueller um die Ecke verkauft, das ist in erster Linie ein Produkt fuer Grosskunden - und da hat die IBM bekanntlich gute Karten.

CW: IBM hat mit Smartsuite jetzt auch die noetigen Office- Anwendungen im Portfolio. Haben Sie Sorge um Ihr Perfect-Office- Geschaeft?

Zeitler: Wir haben weltweit einen Marktanteil von knapp unter 20 Prozent - was gut ist nach der kurzen Zeit. Dieser Anteil wird nach meiner Einschaetzung von der IBM-Lotus-Partnerschaft nicht beeintraechtigt. Wir haben ausserdem den Vorteil, Perfect-Office zusammen mit Groupwise auszuliefern. Damit ermoeglichen wir unseren Kunden einen billigen Einsteig in die E-Mail-Welt.

CW: Wen fuerchten Sie kuenftig mehr: Microsoft oder IBM?

Zeitler: Beide tun uns in bestimmten Produktkategorien weh. Novell wird aber eine ebenso wichtige Rolle im Softwaremarkt spielen. Wir fuerchten niemanden, denn keiner hat in unserem angestammten Segment, den Netzwerken, soviel erreicht wie wir.

CW: Novell wollte 1990 selbst Lotus uebernehmen - bereuen Sie heute, dass das nicht geklappt hat?

Zeitler: Ich erinnere mich sehr gut, denn ich war damals bei Lotus und habe mit dem Geschaeftsfuehrer von Novell in dieser Angelegenheit telefoniert. Wenn Novell und Lotus zusammengefunden haetten, dann waere sehr viel frueher ein ernster Konkurrent fuer Microsoft entstanden. Das waere fuer die ganze Branche sicher foerderlich gewesen.

CW: Wollen Sie sich nach Lotus jetzt auch Borland entgehen lassen? Was ist dran an den Uebernahmegeruechten?

Zeitler: Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Ich informiere mich genauso wie Sie ueber Compuserve und alle moeglichen Gazetten. Wir haben von unserer Mutter in den USA nichts gehoert - was aber nicht bedeuten muss, dass nichts passiert. Borland hat gute Produkte; alles was uns hilft, staerker zu werden, ist willkommen.

CW: Bei den Entwicklungs-Tools zeigt Novell Schwaechen. Sind Sie generell an einer Verstaerkung durch die Uebernahme eines Softwarehauses interessiert?

Zeitler: Grundsaetzlich tun uns Entwicklungs-Tools gut, denn die Technologiebasis Netware allein reicht nicht aus. Wir brauchen Werkzeuge, mit denen Entwickler vertikale Anwendungen stricken koennen. Sicher macht es fuer uns Sinn, Technologie einzukaufen. Ob das nun Borland sein muss, ist eine andere Frage.

Mit Andreas Zeitler, dem Geschaeftsfuehrer der deutschen Novell GmbH in Duesseldorf, sprach CW-Redakteur Heinrich Vaske.