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06.07.1984 - 

Nebenstellenanlage undoder LAN?

Es wird zu einem vernünftigen Miteinander kommen

Die Möglichkeiten der Bürokommunikation scheinen zum gegenwärtigen Zeitpunkt allzu vielfältig. Relativ einfach stellt sich die Situation jedoch für diejenigen dar, die ohnehin gerade eine ausgediente analoge Nebenstellenanlage durch eine modernere ersetzen müssen, die wohl digital, das heißt einigermaßen "zukunftssicher" sein sollte. Lokale Netzwerke, LANs, stellen in einigen Fällen eine Alternative dar, werden aber wie der Autor es im folgenden Artikel darstellt, "in einem vernünftigen Miteinander" mit den heutigen und erst recht künftigen digitalen ISDN-Nebenstellenanlagen existieren.

Wer heute eine neue Telefon-Nebenstellenanlage beschaffen will, hat zu bedenken, daß die Telefontechnik kurz vor einem wesentlichen Technologie-Sprung steht. In rund zwei Jahren beginnt die Deutsche Bundespost mit der Einführung des ISDN (Integrated Services Digital Network). Ebenso wie auch bei anderen Fernmeldediensten treibt die Deutsche Bundespost die Entwicklung dieses neuen Netzwerkes mit großen Anstrengungen voran und scheint gegenwärtig im internationalen Vergleich eine Vorreiterrolle einzunehmen. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden viele Ortsvermittlungen ein ISDN anbieten können. Viele Unternehmungen haben damit die Möglichkeit, neue und verbesserte Fernmeldedienste wirtschaftlich zu nutzen.

Mit dem ISDN wird die Telefonie digital. Mehr noch: Über die bestehenden, verdrillten Kupferadern, über die dann nicht mehr analoge sondern digitale Signale übertragen werden, können dann auch im Multiplex-Verfahren digitale Datenströme fließen. Entsprechend der CCITT-Empfehlung wird die Sprache nach dem Pulse-Code-Modulations-Verfahren (PCM) vercodet und mit 64 KBit pro Sekunde übertragen. Für die Datenübertragung steht dann ebenfalls ein 64 KBit pro Sekunde Kanal zur Verfügung (zusätzlich 2x8 KBit pro Sekunde für Signalisierung). Verfügt man über eine ISDN-fähige, digitale Nebenstellenanlage so kann dieser 64 KBit pro Sekunde Datenkanal bis zu jedem Telefon-Endgerät geführt werden, das dann ebenfalls digital arbeitet, das heißt die Sprache vercodet beziehungsweise in akustische Signale zurückverwandelt. Bei jedem digitalen Telefon wird es eine Steckdose für Daten-Endgeräte geben.

Gemessen an den heute üblichen Übertragungsgeschwindigkeiten wird der 64 KBit pro Sekunde ISDN-Datenkanal einer 8spurigen Autobahn vergleichbar sein, die heutige Geräte noch gar nicht voll ausnutzen können, die aber in Zukunft neue Dienste und Anwendungen herausfordern wird. Mit ISDN wird es also möglich sein, letztlich an jedem Arbeitsplatz über bestehende Telefonkabel per Sprache, Daten, Texte und Grafiken im Haus und nach draußen zu kommunizieren. Das innerbetriebliche Telefonkabel-Netz mit der digitalen Nebenstellanlage als Vermittler kann somit für die Zukunft als großer Favorit für die Bürokommunikation gelten. Was bedeutet dies für Entscheidungen, die heute zu treffen sind?

Diese Frage läßt sich einmal für diejenigen beantworten, die zunächst an eine Erweiterung oder Verbesserung der Telefonie denken. Zum anderen stellt sich die Frage, ob digitale Nebenstellenanlagen heute oder morgen Local Area Networks (LAN) ersetzen oder ergänzen.

Viele Unternehmungen leiden unter Engpässen in der Ausstattung mit Telefon-Endgeräten und Hauptanschlüssen (Amtsleitungen). Der Ausbau ihrer Nebenstellenanlage ist an einer Grenze angelangt, über die hinaus sie nicht erweitert werden kann. Nur eine neue Anlage kann hier Abhilfe schaffen. Kleine und mittelständische Unternehmungen profitieren darüber hinaus von der neuen Möglichkeit, an Nebenstellenanlagen mit mindestens acht Hauptanschlüssen durchwahlfähige Amtsleitungen anzuschließen, so daß jedes eingehende Telefongespräch direkt bis zum gewünschten Endgerät durchgewählt werden kann. Hierdurch werden nicht nur Verzögerungen reduziert und die Erreichbarkeit (zum Beispiel in den Abendstunden) erhöht, sondern auch Rationalisierungsmöglichkeiten eröffnet. Wenn zum Beispiel einer Telefonistin, die infolge der Durchwahlfähigkeit weniger Gespräche zu vermitteln hat, zusätzliche Aufgaben übertragen werden können, so kann sich die Investition einer neuen Nebenstellenanlage in kurzer Zeit amortisieren. Nicht so häufig lassen sich Situationen finden, in denen der Komfort beim Telefonieren mit einem rechnergestützten Vermittlungssystem (in Form von zum Beispiel automatischer Wiederwahl, automatischer Rufnummer-Speicherung, automatischem

Rückwurf, Weiterleiten von Anrufen, Flexibilität der Rufnummervergabe und -mitnahme etc.) allein ausschlaggebend ist für die Beschaffung einer neuen Nebenstellenanlage.

Alle diese Beispiele sind Anlaß dafür, sich für eine neue Nebenstellenanlage zu entscheiden. Soll man nun angesichts des bevorstehenden technischen Entwicklungssprunges, der einem Generationenwechsel gleichkommt, alle Entscheidungen für Nebenstellenanlagen zurückstellen? Die Antwort ist ein klares "nein, aber": Es gilt zu beachten, daß man sich nicht die zukünftigen Möglichkeiten für viele Jahre verbaut. Entweder man wählt heute bereits eine voll digitalisierte PCM/TDM-Anlage, wie sie bereits von Nixdorf, DeTeWe und in Kürze auch von Ericsson sowie im nächstem Jahr vermutlich auch von anderen angeboten wird, oder man entscheidet sich für eine Anlage, die so preisgünstig ist, daß sie in etwa fünf bis sieben Jahren amortisiert ist. (Dies ist allerdings im Bereich der Telefon-Nebenstellenanlagen eine ungewöhnlich kurze Abschreibungszeit!)

Auch die heute in Deutschland angebotenen digitalen Nebenstellenanlagen sind noch nicht an den zukünftigen ISDN-Standard angepaßt, dessen CCITT-Empfehlungen erst in diesem Jahr verabschiedet werden. Sie müssen also bei Einführung des ISDN umgebaut werden. Die Kosten für diesen Umbau sind jedoch sehr viel geringer, als die Beschaffung einer neuen Anlage. So hat zum Beispiel Nixdorf zugesagt, die Umrüstung für nicht mehr als 15 Prozent des Kaufpreises vorzunehmen. Dann aber kann die Einführung von ISDN mit einer solchen Anlage in kleinen Schritten vorangehen, ohne daß die relativ große Investition für eine gesamte Anlage erneut zu tätigen ist.

Wem es allerdings darauf ankommt, eine Lösung für die integrierte Bürokommunikation mit Möglichkeiten der Übertragung von Sprache, Daten, Texten und Grafiken zu finden, der steht heute noch vor einem größeren Problem, denn wer heute schon über eine voll digitale Nebenstellenanlage verfügt, darf sie (noch) nicht zur Datenübermittlung benutzen. (Ob das auch gut so ist, soll hier nicht problematisiert werden.) Selbst wenn heute die Übermittlung von Texten und Daten über die digitale Nebenstellenanlage zugelassen würde, hätte der Anwender noch große Mühe, komplette Hardware-/Softwarelösungen zu finden.

Die meisten Konfigurationen, die hierfür aus USA bekannt sind, verwenden immer noch nicht dasselbe verdrillte Kupferkabel-Paar für Sprache und Daten, sondern benötigen hierfür jeweils ein getrenntes Paar. In vielen Häusern ist dies jedoch unproblematisch, weil ohnehin vorsorglich genügend Kabel in die Schächte gelegt wurden. Die meisten Anbieter der Bürokommunikation haben sich mit Herstellern von Nebenstellenanlagen zusammengetan (finanziell oder nur kooperativ), um eine gemeinsame Lösung zu finden. Beispiele hierfür sind die Beteiligung von IBM an Rolm, von Wang und Olivetti an InteCom, die Kooperation von AT&T und Philips, sowie von Digital Equipment mit Northern Telecom und andere mehr. Von diesen Herstellern lassen sich Anwendungsfälle bereits heute finden, in denen Daten und Texte wahlweise über eine digitale Nebenstellenanlage oder über ein LAN vermittelt werden.

Eine besondere Übergangslösung wird gegenwärtig in Deutschland angeboten. Neben jede beliebige Nebenstellenanlage läßt sich ein "Kommunikationsschalter" stellen, wie er zum Beispiel von der Firma CPT angeboten wird. Dieser vermittelt die Datenströme, die innerbetrieblich ebenfalls über das Telefonnetz laufen. Dies wird ermöglicht, indem kurz vor der Nebenstellenanlage einerseits und vor dem Telefon-Endgerät andererseits je ein Multi-Frequenz-Modem installiert wird. Ohne die Telefonie zu stören, bringt es auf einem speziellen Frequenzband die Signale des digitalen Endgerätes (zum Beispiel eines Mikrocomputers oder eines Textsystems) auf. Auf diese Weise wird ein internes Netzwerk aufgebaut, das eines Tages durch eine ISDN-fähige Nebenstellenanlage ersetzt werden kann.

Dennoch muß deutlich herausgestellt werden, daß diese Anwendungen digitaler Nebenstellenanlagen für die Vermittlung von Daten und Texten zunächst "nur" ein Ersatz für alternative Verkabelungen sind. Sie liefern noch keine speziellen Anwendungslösung mit, wie dies zum Teil bei Bürosystemen der Fall ist, die ein LAN integriert haben (Beispiele: Xerox Netzwerksysteme 8000, Siemens EMS 5800 Office, Nixdorf 88 BK, ARC-Netz mit Datapoint-Tischrechnern (etc.). Wer also heute eine komplette Lösung für die Bürokommunikation mit Personal Computer, multifunktionalen Arbeitsstationen, Textsystemen etc. sowie einer verteilten Rechnerarchitektur sucht, wird heute,- wenn er sich nicht für die Netzwerkarchitektur eines DV-Herstellers entscheidet, - zumeist darauf angewiesen sein, eine LAN-Lösung zu wählen. Für viele schnelle Rechner-Kopplungen gilt dasselbe. Diese LANs stehen aktuell zur Verfügung.

Wenn im Laufe der nächsten Jahre das ISDN in Deutschland wächst und damit - so darf erwartet werden, - auch mehr und mehr Bürokommunikations-Lösungen mit Hilfe digitaler Nebenstellenanlagen angeboten werden, so wird sich die Auswahl zwischen LAN und Nebenstellenanlage erneut stellen. Die Lösungsmöglichkeiten werden so vielfältig sein, daß sich gegenwärtig die Vermutung festigt, daß es nicht zu einem "Entweder-Oder", sondern zu einem vernünftigen Miteinander kommen wird. Mit der Entscheidung für ein LAN behält man sich relativ viel Flexibilität bei, zumal auch das Investment nicht groß ist. Mit einer Entscheidung für eine Nebenstellenanlage sollte man sich heute ebenfalls alle Optionen im Sinne des oben Gesagten offenhalten.

*Klaus Höring ist Geschäftsführer des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Organisation und Automation an der Universität zu Köln (Bifoa) und Autor des Buches über "Interne Netzwerke für die Bürokommunikation".