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Weitere Havarien zeichnen sich ab


12.07.1996 - 

Escom-Absturz Zeichen für extreme Situation am deutschen PC-Markt

Ruinöser Preiskampf und eine abflachende Nachfrage machen insbesondere in Deutschland den PC-Herstellern zu schaffen. Die Zeiten, in denen Management-Fehler durch extreme Zuwachsraten noch kaschiert werden konnten, seien vorbei, meinte Escom-Konkurrent Theo Lieven, Chef der Vobis Microcomputer AG.

Deutschland ist dabei ein besonders riskantes Pflaster für PC-Anbieter geworden. Der hiesige Markt befindet sich bereits seit dem letzten Quartal des vergangenen Jahres bei einer Wachstumsrate von seinerzeit nur mehr sieben Prozent in einer Schwächephase. Momentan, so Kurt Dobitsch, Geschäftsführer der Compaq Computer GmbH, müsse man sogar vom Schrumpfen des Marktes sprechen.

In solch einer Situation komme es sofort zu Bereinigungsprozessen, meinte Dobitsch weiter: "Ich wäre nicht überrascht, wenn es in naher Zukunft weitere Havarien geben würde."

Für Anbieter ê la Escom, Vobis, Schadt Computer, Peacock oder Actebis stellt sich die Konkurrenzsituation besonders prekär dar: Für all diese Unternehmen gilt, daß sie als PC-Anbieter nicht global auftreten, sondern nur in Europa oder gar nur auf dem deutschen Markt operieren. Wenn dann, wie momentan, der europäische Markt "schwächle" und der deutsche stagniere, so Dobitsch, gerieten Unternehmen mit einem eingeschränkten Aktionsradius sogleich in Probleme.

Escom meldete am 2. Juli 1996 Vergleich an, nachdem das Verlustergebnis für das Geschäftsjahr 1995 von 125 Millionen Mark auf ein Minus von 180 Millionen Mark hatte revidiert werden müssen. O-Ton eines Insiders gegenüber der CW: "Wenn ein Unternehmer innerhalb von vier Monaten sein Ergebnis um 50 Prozent nach unten modifizieren muß, dann heißt das, hier ist nicht die ganze Wahrheit gesagt worden."

Entsprechend verärgert reagierte man beim größten Escom-Anteilseigner, der Quelle Schickedanz AG in Fürth: "Wir sind bitter enttäuscht", meinte Erich Jeske, Pressesprecher von Quelle. Einmal abgesehen von den bekannten Risiken des PC-Marktes wie etwa dem permanenten Preisverfall, "deutet doch einiges auf Management-Fehler hin".

Quelle selbst, betonte Jeske, sei kein Vorwurf zu machen. Indirekt nahm er damit Wolfgang Bühler, den Vorstandsvorsitzenden der Holding, in Schutz, der für das rund 160 Millionen Mark teure Abenteuer des Versandhändlers verantwortlich zeichnen dürfte. Jeske machte keine Angaben zum Ausmaß des finanziellen Engagements von Quelle. Das Fürther Unternehmen betreibt in etwa 170 seiner insgesamt rund 180 Geschäfte in Deutschland einen Escom-Shop.

Der Escom-Vorstandsvorsitzende Helmut Jost kündigte nach dem Vergleichsantrag an, 1900 der 4400 Escom-Beschäftigten würden entlassen. Ferner werde man etwa zwölf der insgesamt 132 deutschen Filialen schließen. Hierzulande sind 1500 Mitarbeiter bei Escom beschäftigt.

Mittlerweile interessiert sich auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) in Frankfurt am Main für Escoms geschäftlichen Niedergang. Wie ein BAWe-Sprecher gegenüber der CW bestätigte, sei man auf die Tatsache aufmerksam geworden, daß kurz vor dem Vergleichsantrag vom 2. Juli 1996 ein extrem starker Handel mit Escom-Aktien eingesetzt habe. Seit ungefähr Mitte Mai hätten pro Tag bis zu einer Million Anteilsscheine den Besitzer gewechselt. Die Aktienaktivitäten lagen somit bis zum Faktor zehn über den üblichen Bewegungen. Gleichzeitig stürzte der Wert der Escom-Anteile ins Bodenlose: Lag die Notiz (Nominalwert fünf Mark) Anfang Mai 1996 noch bei über 13 Mark, fiel sie bis zum Tag des Vergleichsantrags auf knapp 4,70 Mark.

Wie hart das PC-Geschäft in Deutschland insbesondere auch im Consumer-Markt ist, zeigt etwa die Tatsache, daß Hewlett-Packard (HP) sich nach einem kurzen Auftritt schon wieder aus dem Niedrigpreissegment zurückzieht. HP hatte für diesen Marktsektor zur CeBIT 1996 seine "Pavilion"-Rechner vorgestellt. Die Billig-PCs erwiesen sich aber nicht gerade als Hit. Eine Erfahrung, die auch die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) mit ihren "Scenic"-Maschinen machen muß. Auch DEC warf bei Billig-PCs mittlerweile das Handtuch. Schon im Juni hatte darüber hinaus der US-PC-Hersteller AST Research seine deutsche Niederlassung in Düsseldorf geschlossen.

Probleme scheint zudem die Peacock AG zu haben. Kooperationsbemühungen mit Ingram Micro haben sich zerschlagen. Peacock-Vorstandsmitglied Hartmut Hellweg sagte zwar, sein Unternehmen stehe nach Gesprächen mit Banken finanziell bis Ende des Jahres auf festen Beinen. Einem Bericht der Tageszeitung "Neue Westfälische" zufolge bezahlt das Unternehmen aus Wünnenberg-Haaren aber mittlerweile keine Überstunden mehr. Ferner müssen die Mitarbeiter je nach Verdienst ganz oder zur Hälfte auf ihr Urlaubsgeld verzichten. "Je nach Betriebsergebnis" würden die einbehaltenen Beträge im Geschäftsjahr 1996/1997 (Ende: 30. September 1997) nachgezahlt. Mitarbeiter, die mehr als 80000 Mark Jahresgehalt beziehen, würden, so Hellweg, auf Teile ihres Einkommens verzichten.

Escom-Aktionäre

25 Prozent: Quelle Schickedanz AG & Co, Fürth

23 Prozent: Manfred Schmitt

16 Prozent: Bayerische Vereinsbank, BV Beteiligungsgesellschaft mbH, München

12,5 Prozent: Siemens-Nixdorf Informationsgesellschaft AG (SNI), Paderborn/München

7 Prozent: Gold-Zack AG, Mettmann

16,5 Prozent: Streubesitz