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19.07.1996 - 

Welche Rolle spielt die SNI?

Escom AG muß nach Vergleich Konkurs anmelden

Über die Zukunft der Escom-Läden schweigen sich die Parteien aus. Firmensprecher Bernd Wirsing verwies auf den Konkursverwalter Bernhard Hembach. Dieser war bis Redaktionsschluß in seiner Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei nicht zu erreichen.

Die dürre Pressemitteilung der Heppenheimer besagte lediglich, der am 3. Juli 1996 gestellte Vergleichsantrag der Escom AG habe sich "nach den Feststellungen des vorläufigen Vergleichsverwalters nicht erfüllen" lassen. Da sich zur Überbrückung eventueller Sanierungsgespräche keine kurzfristigen Finanzierungsmöglichkeiten aufgetan hätten, habe sich der Vorstand der Escom AG entschlossen, die Eröffnung des Anschlußkonkurses zu beantragen.

Im Zusammenhang mit der Pleite des PC-Filialisten dürften die Beteiligungsverhältnisse der Escom AG von Interesse sein: Nach dem Vergleichsantrag hielt die Quelle Schickedanz AG 25,1 Prozent der Aktien. Escom-Gründer Manfred Schmitt besaß noch 23, die Bayerische Vereinsbank (BV) über ihre Beteiligungsgesellschaft 16,1 Prozent. Die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) hatte im März 1996 ihren zehnprozentigen Anteil auf 12,5 Prozent erhöht. Die Gummifabrikation Gold-Zack AG aus Mettmann besaß sieben Prozent. 16,5 Prozent der Escom-Aktien befanden sich im Streubesitz.

Diese Verhältnisse haben sich innerhalb weniger Tage erheblich verändert: Die Gold-Zack AG hat ihre sieben Prozent über den Börsenhandel vollständig abgegeben. Schmitt veräußerte laut Escom- Sprecher Bernd Wirsing 15,43 Prozent seines Anteils und besitzt jetzt nur noch 7,57 Prozent an dem PC-Massenvermarkter. Der Gründer und ehemalige Firmenchef war für Auskünfte nicht erreichbar.

Interessant ist auch das Aktienpaket der BV von 16,1 Prozent. Ein Informant, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte gegenüber der CW, SNI habe seinerzeit die BV "motiviert", einen Anteil von 16,1 Prozent an Escom zu erwerben. Der Informant, der die Gespräche um Konsolidierungsoptionen für Escom seit März 1996 sehr nah verfolgt hat, meinte weiter, die BV habe dieses Aktienpaket für die SNI "geparkt".

Für diese These könnten Aussagen der BV sprechen: Das im März angekaufte Aktienpaket sei als "kurzfristiges Engagement" gedacht gewesen, meinte Richard Lips, ein Sprecher der BV, gegenüber der CW. Man habe dieses Aktienpaket nicht für sich selbst, sondern für einen Dritten gehalten: "Daß daran eine Verkaufs- option geknüpft war, ist auch ein offenes Geheimnis", so Lips weiter. Die BV hat das Aktien- paket nach dem Vergleichsan- trag komplett an einen Dritten veräußert.

Erich Jeske, Pressesprecher der Quelle Schickedanz AG, sagte, das Versandhaus habe über den Aktienanteil von 25,1 Prozent hinaus keine Anteile gekauft. Wie der CW-Informant mitteilte, hat sich SNI in den seit März abgehaltenen Verhandlungen der Aktionäre zur Sanierung von Escom wenig kooperativ gezeigt. Anders die Quelle Schickedanz AG: Sie habe sich in den monatelangen Verhandlungen als seinerzeit zweitgrößter Aktionär immer sehr konstruktiv verhalten, um neue Wege und Sanierungsmöglichkeiten für Escom zu finden: "SNI hingegen hat geblockt."

Durch den Konkurs dürfte die Escom-Marke zwar einen erheblichen Image-Verlust erleiden: "Aber vielleicht interessiert sich SNI ja gar nicht für die Marke, sondern nur für den Vertriebsweg", so der Insider.

In den Verhandlungen habe die SNI immer wieder behauptet, für sie habe Escom keine strategische Bedeutung. Genau dies darf bezweifelt werden. Für SNI als Mehrheitseigner von Escom wäre eine PC-Vertriebsschiene für den Soho-Markt durchaus interessant, wie auch Kurt Dobitsch, Geschäftsführer der Compaq Computer GmbH, meint.

SNI unterhält seit einigen Jahren in Deutschland ein Netz von Servicestationen für Rechner aus der eigenen Produktion. Wie Klaus Hommer, Sprecher der PC-Division von SNI in Augsburg, sagte, haben sich diese Läden aus den ehemaligen ITS-Repair-Centern des Unternehmens entwickelt. "Der Fokus", so Hommer, "lag bei diesen Geschäften auf dem PC-Service."

Ende 1995 habe man diese ITS-Stützpunkte in "PC & More" umgetauft. Hier könne man jetzt auch PCs kaufen. Man werde, beugte Hommer Vermutungen vor, diese ungefähr 40 Filialen "nicht zur SNI- Ladenkette ausbauen und mit Escom und Vobis zusammenlegen, um in Deutschland flächendeckend einen Consumer-Vertrieb anzukurbeln".

Die Frage, ob SNI den Escom-Konkurs nutzen könnte, um sich billig eine Vertriebsschiene zu eröffnen, konterte Hommer mit der Äußerung, es würde dann erheblichen Erklärungsbedarf bei den SNI- Vertriebspartnern geben.

Auf der Finanzpressekonferenz der Siemens AG im italienischen Cernobbio äußerte sich Siemens-Finanzvorstand Karl-Hermann Baumann kurz zum Engagement der SNI bei Escom. Laut einer Meldung des Wirtschaftspressenachrichtendienstes "vwd" werde die 12,5prozentige Beteiligung an Escom abgeschrieben. Hierbei handele es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag.