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19.09.2003 - 

Protagonisten weisen SCO-Vorwürfe zurück

Eskalation im Streit um Linux

MÜNCHEN (CW) - SCO-Chef Darl McBride hat in einem offenen Brief Führungspersönlichkeiten der Linux-Community massiv angegriffen und zu Verhandlugen gebeten. Diese wiesen die Beschuldigungen zurück und sehen keine Basis für Gespräche.

Zu Beginn seines Schreibens versucht sich der SCO-Chef noch als Diplomat. So formuliert er: "Die Debatte über Open-Source-Software ist gesund und fruchtbar." Doch sogleich wirft er dem Open-Source-Guru Eric Raymond vor, er habe den Initiator einer Denial-of-Service-Attacke (DoS) gedeckt, die SCOs Website lahmgelegt hatte. Außerdem verdrehte er ein Zitat von Bruce Perens zu einem angeblichen Eingeständnis, Linux enthalte Quellcode aus Unix System V. Sein geistiges Eigentum daran werde SCO weiterhin gegen Angriffe verteidigen. Die Linux-Community müsse ihre Entwicklungsprozesse so gestalten, dass Urheberrechte nicht mehr verletzt werden. Zu diesem Zwecke sei SCO zu einer Zusammenarbeit mit der Open-Source-Gemeinde bereit.

Die Antwort kam postwendend in einem gemeinsamen offenen Brief von Perence und Raymond. Sie weisen darin nach, dass Raymond nicht etwa einen Hacker gedeckt, sondern zur Einstellung der DoS-Angriffe gegen SCO aufgerufen habe. Daraufhin hätten die Attacken auch aufgehört - und SCO-Sprecher Blake Stowell habe sich bei Raymond für die Intervention per E-Mail bedankt.

Den Vorwurf, keinen Respekt vor geistigem Eigentum zu haben, ließen Raymond und Perens auch nicht auf sich sitzen. "Für uns als Softwareentwickler ist geistiges Eigentum unser Kapital." Sie respektierten "instinktiv Bedenken über geistiges Eigentum, Urheberschaft und Herkunft", schreiben sie. "Wir weisen Ihren Versuch, unsere Community als eine wilde Bande von Dieben geistigen Eigentums dazustellen, als haltloses und destruktives Geschmiere zurück."

Beweise gefordert

Dass Linux, wie SCO behauptet, mehr als eine Million Codezeilen aus Linux enthalte, bezeichnen Raymond und Perens als "mathematisch unmöglich" angesichts der Tatsache, dass Linux von Anfang an quelloffen und überprüfbar war. Sie verlangen erneut, dass SCO seine Beweise auf den Tisch legen möge. "Wenn Sie uns die Kontamination korrekt nachweisen wollen, dann zeigen Sie uns den Code. Wir werden unseren gesetzlichen Verpflichtungen umgehend nachkommen und den betreffenden Code entweder entfernen oder nachweisen, dass er auf Wegen in Linux hineingelangt ist, die proprietäre Ansprüche ausschließen."

Auf das Verhandlungsangebot von McBride ließen sich Raymond und Perens nicht ein. Der Vorschlag des SCO-Chefs sei nichts anderes als ein PR-Manöver. "Ihr Angebot, mit uns zu verhandeln, kommt am Ende eines Gemenges aus Lügen, Halbwahrheiten, Ausflüchten, Verleumdungen und Fehlinterpretationen. Das müssen Sie schon besser machen. Wir werden nicht versuchen, auf Basis von Unredlichkeit mit Ihnen einen Kompromiss zu erzielen."

Auch "Linux-Vater" Linux Torvalds wies das Schreiben McBrides in sarkastischen Worten zurück. "Wir müssen uns bedauerlicherweise dagegen verwahren, Empfehlungen für ein Geschäftsmodell von einer Firma anzunehmen, die ihr Geld verschleudert hat, das sie mit einem Börsengang als Linux-Firma (Caldera; d.Red.) einnahm." Der Vorschlag zu Verhandlungen sei "irritierend, weil es allem Anschein nach nichts zu verhandeln gibt". (ls)