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01.02.1985 - 

Erste Projektphase verabschiedet - zweiter "Call for Proposals" ausgeschrieben

Esprit: Software-Projekte laufen schwer an

BRÜSSEL (bi) - 104 von 441 eingereichten Vorschlägen für Forschungsvorhaben im Rahmen des EG-Programms Esprit wurden angenommen, wie die Kommission jetzt bekanntgab. Die Verträge repräsentieren eine Summe von 360 Millionen ECU, die je zur Hälfte von den Forschungspartnern und der EG getragen werden. Nur ein Prozent der

EG-Mittel entfällt auf europäische Töchter von "Multis", die an neuen Projekten mitwirken.

Die IBM Deutschland ist in zwei Vorhaben vertreten, die deutsche Digital-Equipment-Tochter in einem und ITT mit verschiedenen europäischen Ablegern an immerhin fünf Forschungsprojekten des "European Strategic Program for Research and Development in Information Technologie" (Esprit). Für die erste Fünfjahresphase des auf zehn Jahre angelegten Programms stehen von EG-Seite insgesamt 750 Millionen Europäische Rechnungseinheiten (ECU) zur Verfügung. Alle jetzt angenommenen und vom Ministerrat am 19. Dezember 1984 verabschiedeten Projekte der ersten Phase wurden im Verhältnis eins zu eins finanziert, obwohl Ausnahmen grundsätzlich möglich sind. Die durchschnittliche Laufzeit der Abkommen beträgt zweieinhalb Jahre; längere Fristen seien im Interesse der Flexibilität des Programms nicht wünschenswert. An Ergebnissen werden nach zwei Jahren Prototypen erwartet oder im zweiten Jahr "Demonstratoren". Beschäftigt werden innerhalb des Programm bereits jetzt zirka 500 Menschen, bis zum Jahr 2000 erhofft sich das Planungsgremium um die 1000 Esprit-Forscher.

An den Projekten sind nach den Worten von Michael Carpentier, Generaldirektor der EG Task Force for Information and Telecommunication, zirka 300 unterschiedliche Partner beteiligt, davon sind laut Presseinformation 270 europäische Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Die Verteilung der Einzelvorhaben (mit durchschnittlich fünf Teilnehmern aus unterschiedlichen Staaten) stellt sich bezüglich der Institutionen so dar:

- Universitäten und F&E-Institute 75 Prozent,

- kleine Unternehmen (unter 500 Mitarbeiter) 50 Prozent und

- Großunternehmen (über 500 Mitarbeiter) 70 Prozent.

Eingereicht werden konnten Projekte vom Typ A und B; erstere zeichnen sich durch ausgereifte Spezifikationen und exakte Zielvorgaben aus, letztere müssen nicht eindeutig definiert sein. Hier entfielen 70 Prozent auf A-Projekte, der Rest auf B-Projekte.

Leicht unterschiedlich sind die Werte für die fünf Förderbereiche. So verbucht die

- Mikroelektronik (Advanced Micro-electronics, MEL) 27 Prozent, die

- Softwaretechnologie (Software Technology, ST) nur 14 Prozent, die

- Informationsverarbeitung (Advanced Information Processing, AIP) 21 Prozent und die

- Rechner-unterstützte Fertigung (Computer Integrated Manufacturing, CIM) 19 Prozent.

Zum auffallend schlechten Abschneiden der Softwareprojekte erklärte Carpentier, Anteil und Qualität der Vorhaben seien unterdurchschnittlich gewesen. Nun aber existiere für diesen Sektor aus 1984 ein Mittelüberhang, so daß in der kommenden Ausschreibungsperiode 1985 Terrain gutgemacht werden könnte. Es sei jedoch außerordentlich schwierig, im Software-Bereich zu akquirieren. Man werde auf Seminaren und anderen Veranstaltungen die Werbetrommel rühren.

Zum Auswahlverfahren erläuterte die kommission: 120 anonymisierte Vorschläge seien nach der Prüfung durch unabhängige Expertenkommissionen in die Endausscheidung gelangt. Nach Bekanntgabe der Teilnehmer habe dann das Management Kommittee, das die EG repräsentiert und das Berater-Gremium, gebildet aus Mitgliedern der Industrie und der Wissenschaft, sich für die 104 ersten Projekte entschieden.

Der neue "Call for Proposals" ist bereits auf dem Postwege, datiert vom 12. Januar 1985 (vergleiche nebenstehenden Kasten). In diesem Jahr gibt es, anders als '84, eine etwas längere Vorbereitungszeit; im vergangenen Jahr waren es nur sechs Wochen. An neuen Mitteln stehen der Kommission heuer 215 Millionen ECU zur Verfügung; 12,5 Millionen ECU könnten außerdem auf Softwaretechnologie entfallen, falls es gelingt, genügend viele und gute Projekte aufzutreiben.

Esprit war Mitte vergangenen Jahres in die Schlagzeilen geraten, als im Zusammenhang mit dem Vergleich zwischen IBM und der EG-Kommission im seit Jahren anhängigen Kartellverfahren gegen Big Blue bekanntwurde, daß auch IBM am Forschungsprogramm der Europäischen Gemeinschaft teilnehmen werde. Es wurde bezweifelt, daß dies im Interesse der Mitgliedsländer liegen könnte, speziell dann,

wenn - wie vermutet wurde - IBM mit Anwendern (Kunden) zusammenarbeiten werde, die fast ausschließlich IBM - Rechner betreiben, nicht aber konkurrierende Modelle europäischer Hersteller.

Die deutsche Tochter des Ma(...)führers ist nun in zwei Projekten der Abteilung CIM (Computer Integrated Manufacturing) zu finden, in Projekt eins (Proposal 688) mit 15 anderen Partnern. Es handelt sich um den Titel "European Computer Integrated Manufacturing Architecture (Amice)"; mit von der Partie sind unter anderen CAP Gemini Sogeti, AEG-Telefunken, AT&T/Philips, Cii-HB, Dornier, MBB, Siemens etc.; Titel zwei (Proposal 293) ist "Knowledge and Decision Support for Material Handling Systems", hier hat die deutsche IBM-Tochter nur zwei Partner.

Bei Durchsicht der Liste der 104 auserwählten Projekte fallen immer wieder alte und neue Seilschaften auf: Siemens und Philips speziell im Sektor Mikroelektronik, ferner AEG und General Electric Co.