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19.01.1996 - 

Bekommt ATM Konkurrenz im LAN-Bereich?

Ethernet-Oldie setzt nun zum Sprung in den Gbit-Bereich an

Die Speerspitze des erneuten Vorstosses in Sachen High-speed- Networking ist vom Streit zwischen Fast Ethernet und VG Anylan bereits kampferprobt. Fuer einen neuen Fast-Ethernet-Standard im Gbit-Bereich, "Gigabit Ethernet", wollen vor allem Compaq, Sun, 3Com sowie Cogent eine Lanze brechen. Auf der anderen Seite stehen AT&T sowie Hewlett-Packard, die an einer Gbit-Variante des VG Anylan arbeiten.

Beide Seiten haben bereits Arbeitspapiere bei den entsprechenden IEEE-Komitees eingereicht. Die Gruppen wollen damit Standards fuer den Betrieb von Multimedia-, Voice- sowie Video-Applikationen definieren. Gigabit Ethernet koennte als Backbone fuer Fast- Ethernet-LANs dienen und verfuegt - zumindest in der Theorie - ueber genuegend Bandbreite, um Multimedia-Anwendungen zu unterstuetzen. Dieser Bereich war bisher immer mit ATM in Verbindung gebracht worden.

Auch wenn sich die Entwickler der schnellen Ethernet-Architekturen nicht in Konkurrenz zu ATM sehen, vergleichen viele Nutzer die neuen Technologien mit diesem Uebertragungsverfahren. Sie befuerchten, dass das schnelle Ethernet im Gegensatz zu ATM keinen echten Datentransfer von 1 Gbit/s ermoeglicht und nicht die gleiche Skalierbarkeit von ATM gewaehrleistet. Zudem zweifeln die Anwender, ob die theoretischen Kostenvorteile, die Gigabit Ethernet aufgrund seiner Technologie bietet, in der Praxis wirklich an die Endkunden weitergegeben werden. Es wird vielmehr vermutet, dass sich die Preise nur geringfuegig von ATM unterscheiden.

Bei aller Skepsis koennte jedoch der neue Standard in vielen Unternehmen eine Alternative sein, die eine Migration zu ATM vorerst unnoetig macht, da nun auch das Ethernet die noetigen Bandbreiten liefert. Zudem brauchen sich die Anwender nicht mit fuer sie ungewohnten ATM-Problemen herumzuaergern. So sind fuer Kelvin Walsh, Netzspezialist an der University of California in San Diego, die neuen Verfahren sehr verfuehrerisch, "da wir uns anders als bei ATM ueber LAN-Emulation oder Packet-Translation keine Sorgen machen muessen". Amerikanische Branchenkenner rechnen allerdings erst in drei Jahren mit marktreifen Produkten. Bis dahin duerften auch ATM-Geraete fuer den LAN-Einsatz zur endgueltigen Serienreife gelangen und letzte Spezifikationsstreitigkeiten ausgeraeumt sein.

Zudem ist wie bei allen schnellen LAN-Verfahren auch bei dem neuen Standard der Einsatz von Bridges notwendig, um den Uebergang von langsameren zu schnelleren Segmenten zu gewaehrleisten.

Erschwerend kommen fuer Gigabit Ethernet einige Einschraenkungen hinzu. Derzeit setzt die Technologie Glasfaserverbindungen voraus. Zudem koennen nur sehr kurze Distanzen ueberbrueckt werden.

In diese Wunde legen die VG-Anylan-Befuerworter den Finger. Nicht ohne Gehaessigkeit betont Daniel Dove, Principal Engineer bei HPs Networks Division in Roseville, dass 1G-Anylan-Produkte bis zu zwei Kilometern ueberbruecken, waehrend der dem Gigabit Ethernet zugrundeliegende Carrier Sense Multiple Access mit Collision Detection lediglich fuer Architekturen mit einer Ausdehnung von bis zu zwanzig Metern zu gebrauchen sei.

Gbit-Ethernet setzt Glasfaserkabel voraus

HP nutzt fuer 1G Anylan das gleiche Demand Priority Protocol wie fuer die 100-Mbit/s-Variante. Dieses Zugangsverfahren, fuer das die IEEE-Arbeitsgruppe 802.12 im Fruehjahr einen Draft-Standard praesentieren soll, beinhaltet eine Unterstuetzung fuer zeitkritische Applikationen wie Sprach- oder Videouebertragung. Als Transportmedium ist die HP-Technologie ebenso wie die von Compaq, Sun und 3Com entwickelte Loesung auf Verbindungen mit Glasfaserkabel angewiesen.

Glaubt man HP, so spricht fuer Anylan auch ein Datendurchsatz von 960 Mbit/s, waehrend Gigabit Ethernet bestenfalls eine Transferrate von 700 Mbit/s erreiche. Zudem bieten die Devices nach 802.12 laut Dove die gleiche Servicequalitaets-Features wie ATM, was bei Gigabit Ethernet gemaess 802.1p nicht gegeben sei.

Dove glaubt, die Produkte beider Lager werden etwa gleich teuer sein. So schaetzt HP die Port-Kosten fuer einen 1G-Anylan-Multiport- Repeater auf rund 1000 Dollar, was ungefaehr dem Preis fuer einen 100-Mbit/s-Switch entspricht.