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17.05.2002 - 

LAN-Verfahren erobert neue Einsatzgebiete

Ethernet spart bei Standortkopplung

MÜNCHEN (CW) - Runter mit den Kosten! Dank Metro-Ethernet können Unternehmen bei der Kopplung ihrer Standorte bares Geld sparen. Das noch junge Verfahren bringt zudem mehr Bandbreite und erfordert keine Protokollumsetzung. Die Zahl der Provider, die diese Technik hierzulande anbieten, steigt.

Untersuchungen von Vertical Systems, Telechoice und Cisco Systems zufolge kostet beispielsweise eine Frame-Relay-Verbindung mit 45 Mbit/s in Europa durchschnittlich mehr als 12000 Dollar im Monat. Eine ATM-Verbindung mit derselben Kapazität schlägt mit rund 10000 Dollar zu Buche. Günstigere Alternativen sind ISDN-Standleitungen, die jedoch nur begrenzte Bandbreiten von 64 Kbit/s, 128 Kbit/s oder (mit einem Primärmultiplexanschluss) 2 Mbit/s bieten.

Basis der Übertragungen sind zumeist Glasfasernetze, die mit der Technik Synchronous Digital Hierarchy (SDH) betrieben werden. SDH ist hat seinen Ursprung in den klassischen Telefonnetzen und ist dementsprechend für die Übertragung von Sprache optimiert. SDH ist in Stufen von 2 Mbit/s, 34 Mbit/s und mehr verfügbar, außerdem besteht die Möglichkeit, mehrere 2-Mbit/s-Leitungen gemeinsam zu nutzen. SDH-Equipment ist jedoch nicht billig, außerdem sind Konfiguration und Management solcher Installationen komplex, was die Dienste entsprechend teuer macht. TK-Unternehmen, die solche Dienste anbieten, wälzen diese Kosten komplett auf die Kunden ab.

Ein weiterer Nachteil von SDH liegt darin, dass sich die damit bereitgestellte Bandbreite nicht nicht ohne Weiteres an die tatsächlichen Bedürfnisse eines Unternehmens anpassen lässt. Aufgrund der Kosten sind die Bandbreiten auf den Leitungen zwischen den Standorten in der Regel niedriger als innerhalb der lokalen Netze, wodurch die berüchtigten Flaschenhälse entstehen. Das zwingt Administratoren wiederum zu großer Sorgfalt beim Management ihrer lokalen Netze, damit die Weitverkehrsstrecke nicht unnötig mit Daten geflutet wird.

Eine Lösung dieser Probleme verspricht der Einsatz von Ethernet-Techniken in den Metronetzen der Carrier. Das eigentlich für lokale Netze konzipierte Übertragungsverfahren hat sich inzwischen längst als De-facto-Standard für die Datenkommunikation in Unternehmen etabliert und Verfahren wie Token Ring oder FDDI weitgehend verdrängt.

Das liegt daran, dass Ethernet wesentlich einfacher zu handhaben ist, aber auch an der technischen Ausbaufähigkeit des Verfahrens: Ursprünglich sah die Spezifikation eine Bandbreite von lediglich 10 Mbit/s vor, inzwischen ist die Gigabit-Schallmauer durchbrochen, die Arbeiten an der Standardisierung von 10 Gigabit laufen. Eine Weiterentwicklung in Richtung 100 Gigabit wird bereits diskutiert.

In den USA erfreut sich Ethernet in Metronetzen seit einigen Jahren wachsender Popularität. Mehrere regionale Provider bieten bereits entsprechende Dienste an, die es Unternehmen erlauben, ihre verteilten Standorte direkt via Ethernet miteinander zu verbinden. Mittlerweile entdecken auch deutsche Anbieter die Möglichkeiten der Technik. Colt Telecom, Completel und Hansenet gehören zu den Pionieren, die entsprechende Produkte im Portfolio haben. Die Hauptvorteile, die Metro-Ethernet für Unternehmen dabei bietet, sind höhere sowie flexibler zuweisbare Bandbreiten, geringere Kosten und eine einfachere Handhabung.

Wie Mark Dittmann, Senior Product Manager Data Services bei Colt, erklärt, muss beim Einsatz von Ethernet-Metro-Services während der Übertragung keine Umsetzung auf ein Weitverkehrsprotokoll mehr stattfinden: "Das entfällt, weil wir unseren Kunden eine Ethernet-Schnittstelle liefern." Bei der Nutzung von SDH-Bandbreiten ist das anders, außerdem wird dazu teures Spezialequipment benötigt: "Diese Ausgaben sparen sich Unternehmen, wenn sie statt dessen die Ethernet-Alternative wählen", unterstreicht der Colt-Vertreter den Kostenvorteil.

Rainer Ernst, Manager Produkt-Marketing bei Completel, spricht von einem "deutlichen Preisunterschied", der vor allem auf das wesentlich teurere SDH-Equipment zurückzuführen ist. Konkretere Zahlen nennt Carsten Queißer, Produkt Marketing Manager Enterprise Products bei Cisco Systems GmbH. Seinen Informationen zufolge kostet eine Gigabit-Ethernet-Verbindung im Schnitt etwa 3500 Dollar pro Monat. Das würde im Vergleich zu der erwähnten ATM-Verbindung mit 45 Mbit/s einen fast um zwei Drittel günstigeren Preis bei einer um ein Vielfaches schnelleren Verbindung bedeuten.

Schluss mit dem FlaschenhalsDoch es ist nicht nur der Preis, der für Metro-Ethernet spricht. Unternehmen stehen dabei Bandbreiten zur Verfügung, die den Übertragungsraten in ihren jeweiligen lokalen Netzen entsprechen. So bietet Colt mit "Colt Etherlink" beziehungsweise "Colt Fast Etherlink" die Möglichkeit, räumlich verteilte Netze mit Bandbreiten von 10 Mbit/s beziehungsweise 100 Mbit/s zu koppeln. Auch Completel bietet diese Optionen. Der SDH-typische Flaschenhals im Bereich von 2 Mbit/s entfällt dadurch, beide Standorte stellen sich dem Kunden wie ein einziges, großes LAN dar.

Completel-Manager Ernst erläutert: "Für die Unternehmen erscheint das lokale Netz des zweiten Standorts, als sei es bloß in einem anderen Stockwerk - das erleichtert natürlich die Arbeit des Administrators." Ohne große Probleme können von einem LAN aus Dienste genutzt werden, die in einem anderen zur Verfügung gestellt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um Anwendungen, Drucker oder Speicherplatz handelt. Anders als bei SDH oder anderen Verfahren ist die Weitverkehrsverbindung für den Anwender völlig transparent.

Damit die Daten während der Übertragung über den Glasfaser-Backbone des Providers auch sicher sind, werden die einzelnen Standorte der Unternehmen zu virtuellen LANs (V-LANs) zusammengeschaltet. Dieses standardisierte Verfahren hat sich seit Jahren bewährt, um physikalisch voneinander entfernte Rechner zu einem logischen lokalen Netz zusammenzuschließen. Ähnlich wie bei virtuellen privaten Netzen erfolgen die Übertragungen dabei über virtuelle Tunnel. Completel-Mann Ernst erklärt: "Durch den Einsatz von V-LAN-Strukturen wissen sämtliche LANs, die über unser Backbone laufen, nichts voneinander und können sich auch gegenseitig nicht sehen." Seinen Angaben zufolge lässt sich eine noch höhere Sicherheit erreichen, indem die Daten noch zusätzlich verschlüsselt werden.

Gegenwärtig definiert der Provider die Bandbreiten, die die Unternehmen benutzen. Verglichen mit SDH können Änderungen flexibler vorgenommen werden, wenn bestimmte Situationen das erfordern. Wie Completel-Mann Ernst erzählt, kann der Provider einem Kunden innerhalb eines Tages mehr Kapazität zuordnen. Während Completel momentan noch die Konfiguration übernimmt, hält Ernst es für wahrscheinlich, dass Unternehmen sich in absehbarer Zeit via Self-Provisioning auch selbst Bandbreiten so freischalten können, wie sie diese benötigen.

IEEE bessert Ethernet nachBislang hatte SDH gegenüber Ethernet die Nase vorn, was die Verfügbarkeit betrifft. Die Technik besitzt Selbstheilungsmechanismen, die bei einer Leitungsstörung innerhalb kürzester Zeit (laut Spezifikation weniger als 50 Millisekunden) eine alternative Verbindung herstellen. Das Institute of Electronical and Electrical Engineers (IEEE) arbeitet jedoch unter dem Codenamen "Darwin" an einer Spezifikation für Resilient Packet Ring (RPR), die auf Vorschlägen von Nortel und Cisco beruht. Auch hier wird angestrebt, dass die Verbindung bei Leitungsproblemen innerhalb von 50 Millisekunden wieder hergestellt wird. Mit einem endgültigen Standard ist voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres zu rechnen.

Um Metro-Ethernet-Dienste nutzen zu können, müssen Unternehmen keine besonderen Voraussetzungen erfüllen, spezielles Equipment ist nicht notwendig. Bei Colt sieht die technische Umsetzung so aus, dass vom optischen Hauptring des Carriers eine Glasfaser bis ins Gebäude des Kunden hinein verlegt wird. Auch Completel führt die optischen Leitungen direkt zu den Unternehmen. Je nachdem, welche Dienste ein Unternehmen bestellt hat, installieren die Anbieter im Unternehmen einen Konverter oder einen optischen Multiplexer, der die aus dem LAN kommenden Signale für den Transport über die Glasfaser umsetzt. Abhängig davon, welches Equipment zum Einsatz kommt, steht dem Unternehmen dabei eine einzelne Glasfaser oder über Wave Division Multiplexing (WDM) eine bestimmte Lichtwellenlänge zur Verfügung.

Unkomplizierte NutzungIm Unterschied zu Dark Fiber, bei dem der Kunde die Glasfaser mietet, eigenes Equipment einsetzt und sich selber um die Verbindung kümmert, übernimmt Colt die technische Umsetzung und überwacht die Leitung. Die Preise hängen ab von der Art der Anbindung (ob redundant oder nicht redundant, gemanagt oder nicht), von der Höhe der Bandbreite sowie in gewissem Maß von der zu überbrückenden Entfernung, weiß Mark Dittmann.

Ethernet scheint außerhalb der lokalen Netze guten Zeiten entgegen zu gehen: Die Analysten von Pioneer Consulting gehen davon aus, dass das Verfahren in den Bereichen Netzzugang, Metro Area Networks (MANs) und Wide Area Networks (WANs) im Lauf der nächsten Jahre immer stärker an Bedeutung gewinnen wird. Das Marktvolumen speziell für Gigabit-Ethernet-Komponenten soll dadurch von derzeit rund 4,6 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2005 auf den Wert von 44 Milliarden Dollar ansteigen. Der Markt für alle Ethernet-Technologien zusammengenommen werde von momentan 17 Milliarden auf über 145 Milliarden Dollar anwachsen.

Es ist jedoch fraglich, ob Gigabit Ethernet oder noch schnellere Varianten andere Übertragungsverfahren verdrängen können. Das wäre zwar der Wunschtraum des "Ethernet-Everywhere"-Verfechters Gordon Stitt von Extreme, auch Cisco oder Nortel könnten sich mit diesem Gedanken sicher anfreunden. Completel-Mann Ernst ist da eher skeptisch. Für ihn hat Ethernet zwar klare Vorzüge, wenn es um reine Datenübertragungen geht.

SDH ist für ihn jedoch nach wie vor "erste Wahl, wenn es um Echtzeitverbindungen geht, beispielsweise die standortübergreifende Kopplung von TK-Anlagen" Er sieht daher nicht die Gefahr, dass die Ethernet-Services seines Unternehmens (Completel offeriert unter der Bezeichnung "CT Metrolan" Point-to-Point-, Point-to-Multipoint- sowie Multipoint-to-Multipoint-Kopplungen auf Ethernet-Basis) das SDH-Angebot kannibalisieren, sondern glaubt an eine Koexistenz beider Techniken.

Wer letztendlich Recht behält, muss sich zeigen. Fest steht jedoch, dass Unternehmen schon heute mit Metro-Ethernet bei der Standortkopplung sparen können. (ave)

Metro-EthernetIn den USA ist es schon seit einiger Zeit zu beobachten: Der LAN-Klassiker Ethernet verlässt die Grenzen der Unternehmensnetze und etabliert sich als alternatives Verfahren, um Unternehmensnetze im City- oder Regionalbereich über Glasfaser miteinander zu verbinden. Auch hierzulande gibt es bereits einige Anbieter, die auf die im Vergleich zu klassischen Techniken günstigere und einfachere Technik setzen. Die Kostenvorteile reichen sie direkt an ihre Kunden weiter, die so schnellere Verbindungen für weniger Geld bekommen.