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24.02.1989 - 

Erste Schritte der European Telecommunications Standards Institut:

ETSI beginnt mit der Modem-Standardisierung

Das Jahr 1992 markiert ein wichtiges Datum im Terminkalender Europas: Es geht um den freien Warenaustausch in einem gemeinsamen Markt. Für Kommunikationsdienste und -produkte ist das "Green Paper on the Development of the Common Market for Telecommunications Services and Equipment" der EG- Kommission der entscheidende Wegweiser in die Zukunft. Am Beispiel der Marktöffnung für Modems der CClTT-V- Serie geben Kurt König und Lothar Witte* einen Einblick in die Aktivitäten, die zur Zeit in der EG laufen.

Grundsätzlich geht es um die Erarbeitung von einheitlichen europäischen Zulassungsbestimmungen, auf die Hersteller, Fernmeldeverwaltungen und Anwender sich in Zukunft einstellen müssen. Zu Beginn der Arbeiten stand eine Analyse des Modem-Marktes in der EG mit dem Ziel, Antworten auf folgende Fragen zu finden:

- Welche Produkte werden bevorzugt für die Datenübertragung in den öffentlichen Fernsprechnetzen eingesetzt?

- Welche Funktionen und Aufbautechniken fordern die Anwender? - Welche Marktchancen bestehen in der Zukunft angesichts des Vormarsches digitaler Übertragungstechniken?

Die Antwort auf die letzte Frage zuerst: Sicherlich ist die Marktzeit für Modems - und das gilt nicht nur für die EG - durch die Umstellung auf digitale Technik und die Einführung des ISDN zeitlich begrenzt. Dennoch haben einige Modem-Hersteller in den letzten Jahren Millionenbeträge in die Innovation ihrer Produkte und Fertigungsanlagen investiert. Das zeugt von Vertrauen in das zukünftige Geschäft. Man rechnet mit guten Marktchancen bis weit in die neunziger Jahre.

Den größten Marktanteil teilen sich derzeit Modems mit Übertragungsgeschwindigkeiten bis maximal 2400 Bit/s. Das wird sich auch in Zukunft nicht wesentlich ändern. Die Technik dieser Gruppe von Modems basiert auf den CCITT-Empfehlungen V.21, V.22 und V. 22 bis/sowie V.23. Sie werden vorzugsweise für die Kommunikation zwischen PC (unter anderem File Transfer und Electronic Mail) und für den Anschluß von Terminals an Datenbanken und an Interactive Videotex eingesetzt .

Neue Techniken bestimmen das Bild

Die Wünsche vieler Besitzer von PCs und Terminals nach preisgünstigen Lösungen mit einem Höchstmaß an Komfort und Flexibilität haben die Hersteller in den letzten Jahren konsequent in Produkte umgesetzt. Aus diesem Grund sahen sich die Zulassungsbehörden immer häufiger mit neuen Aufbautechniken und Zusatzfunktionen konfrontiert, für die oft keine Prüfvorschriften existierten:

Integrierte Modems: Einbau von Modems in die Gehäuse von Mainframes, PCs und Terminals ohne V.24-Schnittstelle anstelle der bislang strikten Trennung von Datenendgerät und Modem.

Multistandard-Modems: Sie können wahlweise als V.2 1-, V.22-, V.22- bis- oder als V.23-Modem mit automatischer Wahl nach CCIT1 V.25 bis/oder Hayes-Industriestandard arbeiten.

Zusatzfunktionen: Konfigurations- Management, Asynchron/Synchron-Umsetzung, Parameter-Verhandlung zwischen Modems, Datenkomprimierung etc.

Andere Wege zur Zulassung in der EG

Der Schlüssel zu einem offenen europäischen Markt für Telekommunikationsterminals und -systeme ist die Harmonisierung der Zulassungsbestimmungen. Bis heute stehen Hersteller, die ihre Produkte in mehreren Ländern vermarkten wollen, vor dem Problem, daß jedes Land seine eigenen Zulassungsbestimmungen hat. Deshalb sind für jedes Land individuelle Änderungen ihrer Produkte erforderlich.

Um diesen Zustand zu verbessern, beschreibt das "Green Paper" der EG-Kommission folgende drei wichtigen Ziele:

1) Öffnung des Marktes für einen freien Wettbewerb

2) Gegenseitige Anerkennung von Allgemeinzulassungen

3) Erarbeitung von allgemeingültigen Standards

Bislang gab es in verschiedenen Mitgliedsstaaten der EG ein Monopol für die Bereitstellung von Modems. In Zukunft soll eine freizügige Vermarktung möglich sein. Die Voraussetzung dafür sind allgemeingültige Standards. Bei Einhaltung dieser Standards wird eine Allgemeinzulassung erteilt, die von allen Mitgliedsstaaten der EG gegenseitig anzuerkennen ist.

Für Modems existieren derzeit Standards, die in den CCITT-Empfehlungen der V-Serie definiert sind. Sie wurden auf nationaler Ebene durch zusätzliche Anforderungen ergänzt, ohne die derzeit keine Zulassung erteilt wird.

Im vergangenen Jahr hat nun ETSI, das vor kurzem gegründete European Telecommunications Standards Institute, im Auftrag der EG-Kommission vier allgemeingültige Standards für Modems vorbereitet. Es handelt sich dabei um Modems gemäß den CITT-Empfehlungen V. 21, V.22, V.22 bis/sowie V.23. Daneben existiert ein weiterer Entwurf für V.32- Modems. Prognosen sagen, daß diese fünf Typen mehr als 80 Prozent des europäischen Marktbedarfs abdecken.

Abweichend von der bisherigen Praxis sieht der ETSI-Standard zukünftig die Zulassung von zwei Kategorien von Modems vor (Bild 1 zeigt eine Übersicht).

1) Kategorie 1: Basiszulassung für den Anschluß an öffentliche Telefonnetze.

2) Kategorie 2: Erweiterte Zulassung, mit der ein gewisser Grad an Interoperabilität zugesichert wird.

Bei der ersten Kategorie beschränken sich die Zulassungstests darauf, daß allgemeine Anschlußbedingungen für das öffentliche Telefonnetz und elektrische Sicherheitsvorschriften erfüllt sind. Bei der zweiten Kategorie werden zusätzlich, unter Simulation bestimmter Netzwerk-Bedingungen, weitergehende funktionelle Anforderungen geprüft. Diese funktionellen Anforderungen sind in den neuen ETSI-Standards für Modems beschrieben.

Ein wesentliches Ziel dieses Ansatzes ist es, den Marktzugang für eine Vielzahl neuer Produkte zu öffnen für die es in der Vergangenheit schwierig war, eine Zulassung zu bekommen.

Die erste Kategorie läßt Herstellern Freiheitsgrade für die Entwicklung und Vermarktung von Geräten mit neuen Modulationstechniken und anderen innovativen Kernfunktionen. Die zweite Kategorie schränkt diese Freiheitsgrade zugunsten einer Interoperabilität mit anderen Modems ein, die dem gleichen ETSI-Standard folgen.

Weiterhin sind in beiden Kategorien Zusatzfunktionen erlaubt, solange davon keine Kernfunktionen betroffen sind. Das gilt zum Beispiel für eine Tolerierung der automatischen Wahl mit Hayes-Kommandos.

Sowohl die Hersteller entscheiden frei, in welcher der beiden Kategorien sie ihr Modem zulassen wollen, als auch die Anwender sind frei in ihrer Entscheidung, welche Kategorie Modems sie in ihrem Kommunikationsnetz einsetzen wollen.

Der weitere Projektablauf sieht vor, daß im März dieses Jahres die Entwürfe zu einer öffentlichen Begutachtung freigegeben werden sollen. Nach Abschluß dieses Verfahrens sollen die ETSI-Standards verbindlich für die Zulassung von Modems in der EG werden.

*Kurt König ist Wissenschaftlicher Referent für Telekommunikation in der Generaldirektion Xlll der EG-Kommission in Brüssel, Lothar Witte ist Geschäftsführer der Telenet GmbH Kommunikationssysteme in München.