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24.12.1993

EU fordert Beseitigung der Wettbewerbsnachteile im US-TK-Sektor Paneuropaeisches ISDN soll die Zukunft sichern CW-Bericht, Juergen Hill

BRUESSEL - Einen Standortvorteil hat die europaeische Industrie jetzt gegenueber den Wettbewerbern in Japan und den USA. Mit dem Startschuss fuer das paneuropaeische ISDN-Netz verfuegt die Alte Welt - zumindest offiziell - ueber ein grenzueberschreitendes digitales Telefonnetz.

In den Aufbau des digitalen Netzes, das Experten als "Meilenstein in der TK-Geschichte Europas" werten, wurden europaweit rund 100 Milliarden Mark investiert. EU-Kommissionspraesident Jacques Delors unterstrich in seinem Grusswort erneut die Bedeutung der Telekommunikation fuer die wirtschaftliche Zukunft Europas und betonte, dass Euro-ISDN nur einen ersten Schritt des alten Kontinents in die Informationsverarbeitung des 21. Jahrhunderts darstelle.

Dem "Weissbuch ueber Wachstum, Wettbewerb und Beschaeftigung" zufolge sind in den naechsten fuenf Jahren knapp 300 Billionen Mark fuer Investitionen im Bereich der Telekommunikation vorgesehen. Bereits bis zum naechsten EU-Gipfel im Juni, so der Kommissionspraesident, werde ein Strategiepapier ueber die Weiterentwicklung der TK-Netze erarbeitet. Ebenfalls bis Juni sollen Plaene fuer den Ausbau der Datennetze und die Entwicklung neuer TK-Applikationen wie beispielsweise zum grenzueberschreitenden interaktiven visuellen Unterricht fertig sein.

Bei aller Begeisterung fuer das Geburtstagskind Euro-ISDN und die geleistete Arbeit blieb Kritik an den Carriern nicht aus.

So ist zum 1. Januar 1994 das jetzt bejubelte Euro-ISDN in den meisten Mitgliedsstaaten nicht flaechendeckend verfuegbar. Einzig Grossbritannien und Daenemark koennen zum Jahreswechsel eine umfassende Versorgung anbieten, waehrend sich die deutschen Anwender noch bis 1996 gedulden muessen.

Schuld an den Verzoegerungen ist nach Ansicht von Michel Carpentier, Generaldirektor der fuer Telekommunikation und Informationstechnik zustaendigen DG 13 bei der Europaeischen Kommission, jedoch nicht nur das Comite Consultatif International Telegrafique et Telefonique (CCITT), das sich lange Zeit nicht auf einen Standard einigen konnte, sondern auch die oeffentlichen Netzbetreiber, die lange Zeit nur wenig Begeisterung fuer den europaeischen Standard zeigten.

So stellt denn Carpentier anlaesslich der Geburt von Euro-ISDN fest, dass "das Baby noch Vitamine braucht, um zu wachsen". Als Aufbaugetraenk schwebt dem EU-Mann dabei ein Cocktail aus Dienstleistungen und Applikationen vor, da ohne diese das Netz fuer den Anwender nur "einen begrenzten Nutzen hat". Konkret sollten sich diese "Generic Services" in erster Linie aus E-Mail, File- Transfer und Zugangsmoeglichkeiten zu Informationsdiensten zusammensetzen, um so laenderuebergreifende Transaktionen im Alltag zu erleichtern.

USA soll TK-Markt fuer Europaeer oeffnen

Die europaeische TK-Industrie warnte der Generaldirektor vor einer Selbstzerfleischung in kleinstaaterischen Streitigkeiten, wie es sie beispielsweise zwischen Deutschland und Frankreich gibt. Unternehmen in beiden Staaten zanken sich derzeit darum, ob denn nun Capi (Common Application Programming Interface) oder PCI (Protocol Control Information) die bessere Programmier- Schnittstelle fuer ISDN sei.

Macht die europaeische TK-Industrie weiter wie bisher, so Carpentiers duestere Prognose, "dann ist dies eines Tages ihr Ende, wenn Amerikaner und Japaner mit ihren einheitlichen Systemen, Organisationen und ihrer Hardware in den Markt dringen".

An die Amerikaner gerichtet, deren Carrier bereits in den Startloechern sitzen und auf die Oeffnung des europaeischen TK- Marktes 1998 warten, forderte Carpentier die USA auf, endlich die Wettbewerbsnachteile fuer die EU im eigenen Land zu beseitigen und die Beteiligungsbeschraenkung von 25 Prozent fuer auslaendische Investoren aufzuheben. Warnend fuegte der Generaldirektor hinzu, dass die EU den amerikanischen TK-Unternehmen keine Lizenzen zugestehen werde, ohne dafuer von US-Seite entsprechende Gegenleistungen zu bekommen.