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13.04.2001 - 

Wettbewerbswidrige Praktiken im Server-Markt vorgeworfen

EU intensiviert Verfahren gegen Microsoft

MÜNCHEN (CW) - Die EU-Kommission verstärkt den Druck auf Microsoft. Mit der Zusammenlegung zweier Verfahren wegen wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken im Markt für Server-Betriebssysteme steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Verurteilung des Softwareriesen.

Mario Monti, Wettbewerbskommissar der EU, ließ auf einer USA-Reise keinen Zweifel an der Entschlossenheit seiner Behörde: "Trotz der Behauptungen Microsofts, das, was sie tun, sei zum Wohle von Verbrauchern und Innovationen, bin ich nicht sicher, dass ihr Konzept für Interoperabilität und ihr Marktverhalten einen echten Wettbewerb sicherstellen", so der streitbare Kommissar vor der Presse in Washington.

Auf dem Alten Kontinent sieht sich Microsoft gegenwärtig mit zwei Ermittlungsverfahren der Wettbewerbshüter konfrontiert: Das erste geht auf eine Beschwerde des Konkurrenten Sun Microsystems aus dem Jahr 1998 zurück. Microsoft soll die damaligen Windows-Versionen für Clients so gestaltet haben, dass die eigene Server-Software in unzulässiger Weise Vorteile gegenüber Konkurrenzprodukten biete. Eine zweite Untersuchung, die die Kommission aus eigenem Antrieb im Februar 2000 eingeleitet hat, zielt in die gleiche Richtung: Microsoft habe Windows 2000 in einer Art und Weise entwickelt, die es dem Unternehmen gestattet, seine Vormachtstellung im Bereich der PC-Betriebssysteme auf andere Märkte wie Server und letztlich den gesamten elektronischen Handel auszuweiten.

Microsoft hat im November 2000 auf das erste Verfahren reagiert, das im Juli 2000 eröffnet wurde. Der Konzern legte 9000 Seiten Beweismaterial vor. Laut Monti ist die Bearbeitung dieses Materials nahezu abgeschlossen. Aus dem Umfeld der Kommission ist zu hören, beide Verfahren könnten nun zusammengelegt werden, um beschleunigt ein Urteil herbeizuführen. Nicht auszuschließen sei, dass sich dabei neue Vorwürfe gegen den Redmonder Konzern ergäben, wenn sich beispielsweise in beiden Fällen bestimmte Verhaltensmuster des Herstellers abzeichneten. Die Chancen für eine Verurteilung könnten dadurch steigen.

Obwohl Monti offiziell noch keine Termine nennen wollte, rechnen Beobachter mit einer baldigen Anhörung Microsofts in Brüssel. Im Kern geht es bei den Untersuchungen um die Frage, ob Microsoft sein Betriebssystem in unzulässiger Weise so mit anderen Anwendungen verquickt hat, dass nur die eigenen Produkte optimal aufeinander abgestimmt sind und Teile des Softwaremarktes ausgegrenzt werden. Die EU missbiligt damit letztlich Microsofts plattformübergreifenden Ansatz: Produkte wie der Verzeichnisdienst "Active Directory" oder der Replikationsmechanismus "Intellimirror" sind an das Betriebssystem gebunden. Sie lassen sich nur dann optimal nutzen, wenn Windows 2000 sowohl auf dem Server als auch auf den Clients installiert ist. Wettbewerber wie Novell demonstrieren aber, dass es sehr wohl möglich ist, einen Verzeichnisdienst zu entwickeln, der sich auf allen marktgängigen Plattformen nutzen lässt.