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25.11.1998 - 

Joint-venture baut paneuropäisches Glasfaser-Backbone

Eunet-Eigner Qwest streckt die Fühler nach Europa aus

25.11.1998
AMSTERDAM (CW) - Im internationalen TK-Markt wird die nächste transatlantische Allianz geschmiedet. Qwest Communications Inc., viertgrößter US-Anbieter bei Ferngesprächen, will zusammen mit dem niederländischen Carrier KPN N.V. ein Joint-venture gründen. Hauptziel ist, gemeinsam ein europäisches Glasfasernetz zu errichten und zu betreiben.

Der holländische TK-Konzern KPN geht eigene Wege. Durch die Kooperation mit dem amerikanischen Netzbetreiber Qwest haben die Niederländer die Abnabelung vom Unisource-Konsortium eingeleitet, an dem sie zu einem Drittel beteiligt sind. Unisource, dem noch die schwedische Telia sowie die Swiss Telecom angehören, hatte in der Vergangenheit als Anbieter multinationaler TK-Dienste immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen. Erst war die spanische Telefonica abgesprungen, dann verliefen die Verhandlungen mit Telecom Italia im Sande, und schließlich kündigte auch noch US-Partner AT&T die Kooperationsverträge, um ins Lager von British Telecom zu wechseln.

Von diesem Hin und Her sowie den mühseligen internen Unisource-Prozessen hatte das Management nun wohl genug. Laut Wim Dik, Vorstandschef der KPN, hat man aus den Fehlern von Unisource gelernt und sich bewußt nur für einen Partner entschieden. Gemeinsam mit Qwest wollen die Niederländer jetzt ein paneuropäisches Glasfasernetzwerk auf Basis des Internet Protocol (IP) aufbauen, das über ein Transatlantik-Kabel mit dem Qwest-Network in Nordamerika verbunden werden soll.

Das Duo plant, das kombinierte Netzwerk schon im Januar 1999 in Betrieb zu nehmen. Als Zielgruppe nennt das Joint-venture, das den Namen KPN-Qwest trägt, Internet- und Content-Provider, multinationale Unternehmen in Europa und den USA, Netzbetreiber sowie TK-Anbieter, die Netzkapazitäten und Dienste mieten und selbst weitervermarkten wollen. Zunächst wird KPN-Qwest anderen Carriern lediglich Leitungskapazität anbieten, im Frühjahr 1999 sollen dann IP-basierte Dienste folgen. Eine Entscheidung darüber, ob das Joint-venture auch Sprach-, Frame-Relay- und ATM-Services in die Angebotsliste aufnimmt, ist noch nicht gefallen.

Eunet trägt in Europa zur Vermarktung bei

Beide Unternehmen bringen in die Verbindung zusammen Aktiva im Wert von 700 Millionen Dollar ein. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Netzinfrastruktur und Vermittlungstechnik. KPN errichtet gegenwärtig in der ersten Ausbaustufe mit "Eurorings" ein Glasfaser-Backbone in der Alten Welt, das zum Start im Januar 1999 eine Länge von 2500 Kilometern aufweisen wird. Es soll dann die wichtigsten Städte in Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten verbinden.

Die Aufgabe von KPN-Qwest wird es sein, dieses Backbone in der Folge zusätzlich um 11000 Kilometer zu erweitern. Geplant ist ein Netz, das aus sechs bidirektionalen Ringen besteht und 30 Städte in West,- Ost- und Zentraleuropa anbinden soll. Dazu sind in den kommenden zwei Jahren Investitionen in Höhe von 500 Millionen Dollar geplant.

Qwest selbst besitzt ein Glasfasernetz, das rund 30000 Kilometer lang ist. Es deckt dem US-Anbieter zufolge 130 Städte in Nordamerika ab, die zusammen ungefähr 80 Prozent des dortigen Sprach- und Datenverkehrs generieren. Dem amerikanischen Netzbetreiber aus Denver im Bundesstaat Colorado könnte es mit dem KPN-Deal gelingen, seinen Bekanntheitsgrad in Europa zu steigern. Beobachter sehen in der bisher geringen Sichtbarkeit das größte Problem des Joint-ventures.

Dabei hatte Qwest in diesem Jahr bereits mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Einmal, als es die beiden regionalen Bell-Gesellschaften US-West und Ameritech übernehmen wollte, der Coup in letzter Sekunde aber von der amerikanischen Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) abgelehnt wurde. Zum anderen durch den Kauf des europäischen Internet-Service-Providers Eunet im April dieses Jahres, der Qwest auf einen Schlag 84000 Kunden in Europa bescherte. Eunet soll KPN-Qwest nun bei der Vermarktung der Netzkapazitäten und Dienste unter die Arme greifen.

Die Verantwortlichen erwarten von dem Joint-venture, das anfangs 700 Beschäftigte zählen wird, 1999 bereits einen Umsatz von 400 Millionen Dollar. In den drei Folgejahren soll der Umsatz dann jährlich um 40 Prozent zulegen. Als Vorstand von KPN-Qwest wurde der Vice-President von Qwest International Business, John McMaster, benannt. In der Funktion des Chief Operating Officers steht ihm Henjo Groenewegen, Director International Network Services bei KPN, zur Seite.