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Electronica 88: Im "Schweinezyklus" beginnt die Talfahrt

Euro-Chipfirmen sind sauer auf Japaner

25.11.1988

MÜNCHEN (CW) - Kampfbetont gaben sich die Repräsentanten der europäischen Halbleiterindustrie auf der Münchner Fachmesse "Electronica 88": Das Projekt Jessi müsse öffentlich gefördert werden, damit der durch Dumping erzielte Vorsprung Japans aufgeholt werden könne.

Mitten in die Messezeit hinein platzten unerfreuliche Nachrichten: Bei den amerikanischen Halbleiter-Herstellern liegt der Auftragseingang um acht Prozent hinter der Produktion zurück; die Book-to-bill-Ratio erreichte mit 0,92 den tiefsten Stand seit der Chip-Flaute von 1985. Advanced Micro Devices, Second-source-Lieferant der 80286-Chips, entläßt 1000 Mitarbeiter wegen rückläufiger Orders. Während Speicherchips (DRAM) und Intel-386-CPUs weiterhin knapp sind, sind die Läger der Computerhersteller gut gefüllt mit den übrigen Chip-Typen. Nach einem diesjährigen Wachstum um etwa 38 Prozent erwartet die Branche für 1989 nur noch 10 Prozent Plus und für 1990 einen Rückgang.

Die europäische Halbleiterindustrie drücken grundsätzlichere Sorgen. Die Japaner hätten die Produktion von DRAMs durch Dumpingpreise unrentabel und damit den Markt von sich abhängig gemacht, klagt der Industrieverband ZVEI. Das bei der EG anhängige Verfahren müsse zu Bußgeldern für die Fernost-Hersteller führen. Strafzölle lehnt der ZVEI ab, weil diese nur die europäischen Abnehmer treffen würden.

Den technischen Rückstand gegenüber den Japanern wollen die Euro-Konzerne Siemens, Philips und SGS-Thomson mit dem Gemeinschaftsprojekt "Jessi" aufholen. Allerdings machten die Elektronikriesen auf der Messe wieder einmal deutlich, daß sie mit massiver staatlicher Hilfe rechnen - Jessi wird über sieben Milliarden Mark verschlingen, die die Industrie nicht allein bereitzustellen gewillt ist. Der Siemens-Vorstand und ZVEI-Funktionär Jürgen Knorr hält die Subventionswünsche nicht für übertrieben; der Kohlebereich kassiere ein Mehrfaches.

Ob Jessi, in dessen Rahmen Siemens den 16- und den 64-MBit-DRAM entwickeln soll, tatsächlich in die Gänge kommt, wird sich aber erst während des nächsten halben Jahres herausstellen. Derweil baut die Japan Inc. ihre Marktanteile weiter aus: Pünktlich zur Messe verkündete Toshiba, der 4-MBit-DRAM gehe im ersten Halbjahr 1989 in die Massenproduktion.