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30.05.1997 - 

"R3-Umstellung zum 1. Januar 1999 ist unrealistisch"

Euro-Einführung ist zur Hälfte eine DV-Aufgabe

CW: IT-Manager werfen Dienstleistern Panikmache vor. Die Risiken und Kosten der Euro-Umstellung würden übertrieben dargestellt. Aufgaben wie Projekt-Management, Beratung und Umsetzung versprechen ja auch gute Geschäfte.

Enger: Wenn wir Kunden Dienstleistungen zur Einführung des Euro anbieten, wollen wir den Umstellungsprozeß methodisch unterstützen. Was wir darstellen, beruht auf Erfahrungen.

CW: Die Vereinsbank beziffert den Aufwand auf rund 150 Millionen Mark, die Lufthansa kommt nach ersten Schätzungen auf 70 Millionen Mark. Mit welchen Kosten müssen Unternehmen rechnen, die umstellen wollen?

Enger: Wir gehen davon aus, daß Großbanken in Deutschland etwa 300 Millionen Mark veranschlagen müssen, dazu gehören Sachmittel und Personal. Bei großen Industriekonzernen schätzen wir die Kosten auf 150 bis 200 Millionen Mark, mittlere, international operierende Firmen müssen mit rund 70 bis 100 Millionen Mark rechnen. Bei Mittelständlern, die vor allem im Inland aktiv sind, dürften es etwa 20 Millionen Mark werden.

CW: Laut einer Umfrage der Deutschen Bank bei 205 deutschen Unternehmen haben erst 21 Prozent der Befragten ihre DV für den Euro vorbereitet. Ist es für die restlichen 79 Prozent, von denen sich vier Prozent noch überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigt haben, nicht schon viel zu spät?

Enger: Das kommt darauf an, wann man tatsächlich mit der Umstellung beginnen will. Ein Unternehmen, das zum 1. Januar 1999 wechseln möchte, mit den Arbeiten aber noch nicht angefangen hat, wird es wahrscheinlich nicht mehr schaffen.

CW: Wie sieht das im internationalen Vergleich aus?

Enger: Wir wissen von unseren Schwesterfirmen aus Frankreich, daß dort die Großbanken mitten in der DV-Umstellung und damit den deutschen Konkurrenten etwa ein bis anderthalb Jahre voraus sind (siehe Grafik "Allgemeine Vorgehensweise"). Interessanterweise sind Banken in den südeuropäischen Ländern wie Spanien und Italien, von denen man nicht sicher ist, ob sie die Beitrittskriterien überhaupt erfüllen, sehr fortschrittlich.

CW: Woran liegt das?

Enger: Während hierzulande eine Analyse die nächste jagt und vor allem die Risiken betont werden, handelt man dort einfach pragmatisch. Außerdem ist der Anteil an Standardsoftware bei südeuropäischen Banken deutlich höher als bei hiesigen Kreditunternehmen. Die Umstellung wird in diesen Ländern wesentlich billiger sein.

CW: Sollten Unternehmen, wenn sie schon ihre alten Anwendungen durchforsten müssen, nicht gleich Standardsoftware einführen?

Enger: Das lohnt sich nur, wenn die Umstellung der Altprogramme auf den Euro noch teurer wäre.

CW: Wer bereits Standardsoftware installiert hat, scheint sich ja auch nicht unbedingt auf eine einfache Euro-Umstellung freuen zu können. Anbieter wie SAP, Baan und Oracle kündigen eine Reihe von Tools und Updates ihrer Programme für die Euro-Einführung an.

Enger: Die Probleme der SAP-User liegen zum einen in der starken Integration der Software und zum anderen darin, daß die sehr großen Module wie Finanzbuchhaltung, Vertrieb, Produktionsplanung Materialwirtschaft etc. anzupassen sind.

Dabei müssen unterschiedliche Strategien wie Stichtagsumstellung, Doppelwährung und eine Mischform daraus berücksichtigt werden. Je nach den Modulen und deren einzelnen Funktionen ergeben sich unterschiedliche Umstellungsszenarien. Das R/3-Release 4.0 soll im August 1998 für den breiten Markt verfügbar und bereits Euro-fähig sein.

CW: Wenn jemand im August 1998 das R/3-Release zu wechseln beginnt, kann der zum 1. Januar 1999 fertig sein?

Enger: Nein, das ist unrealistisch. Die SAP selbst empfiehlt Anwendern, einen späteren Zeitpunkt im Laufe des Jahres 1999 für die Umstellung zu wählen.

CW: Jedenfalls scheint die Doppelwährungsphase, also der Zeitraum vom 1. Januar 1999 bis zum 31. Dezember 2001, DV-technisch ein Problem zu sein.

Enger: Die ursprünglichen Strategien sahen vor, innerhalb dieses Zeitraums mit zwei Währungen im Status von Hauswährungen zu arbeiten. Das ist heute mit den meisten Produkten nicht möglich. Zwei Hauswährungen parallel hätten zur Folge, daß ein Unternehmen für beide, also hier für Euro und Mark, alle Funktionen über alle Prozesse hinweg doppelt auslegen müßte. Programme, Funktionen und Datenbankfelder hätten entsprechend erweitert werden müssen. Das wäre ein Riesenaufwand.Heute geht man von dem Idealfall aus, daß nur eine Währung als Hauswährung verwendet wird. Unternehmen analysieren und filtern lediglich die Funktionen und Prozesse heraus, bei denen gezwungenermaßen ein Betrag in zwei Währungen parallel bearbeitet und gehalten werden muß.

Das ist auch die Strategie der SAP. Es gibt eine Hauswährung, und Belege wie die Steuererklärung, die an Behörden abgegeben werden, oder auch die Gehaltskonten sollen doppelt geführt werden.

CW: Welcher Termin für einen Umstieg ist sinnvoll?

Enger: Das hängt von den Außenkontakten eines Unternehmens ab, also wann Kunden und Lieferanten Rechnungen und Aufträge in Euro fordern. Eine Rolle spielt auch, ob es elektronischen Datenaustausch mit Kunden und Lieferanten gibt. Es besteht kein Zwang, am 1. Januar 1999 vollständig umzustellen. Unternehmen wie Siemens planen mit dem 1. Oktober 1999.

CW: Der DV-Anteil an Euro-Einführungsprojekten liegt Untersuchungen von Debis zufolge bei rund 55 Prozent. Wo entstehen die größten Probleme?

Enger: Wir sehen zwei Knackpunkte. Zum ersten stehen ja leider noch einige Entscheidungen hinsichtlich praktischer und rechtlicher Details aus. Also entsteht die Forderung, Programme und Anwendungen flexibel zu gestalten. Unternehmen definieren entsprechende Alternativen und müssen diese gegebenenfalls in den Anwendungen abbilden. Diese Flexibilität wird aber nur so lange gebraucht, bis der Euro alleinige Währung wird.Die zweite Schwierigkeit sind veraltete Technologien und Schnittstellen. Zahlreiche Altanwendungen sind eng verzahnt. Kleine Programme wurden an die Hauptapplikation angestrickt, und das ohne zentrale Repositories oder Data- Dictionaries.

CW: Ist die Umstellung eine DV-technische Herausforderung?

Enger: Es handelt sich dabei nicht um eine technische Großtat, sondern um eine Fleißarbeit, bei der die Masse der zu untersuchenden Programme zum Problem werden kann. Schwierigkeiten entstehen aber immer dann, wenn sich das Unternehmen entschieden hat, mit dem Euro zu arbeiten, und daraufhin feststellt, daß Mitteilungen an Behörden wie etwa Steuerklärungen weiter in Mark abzugeben sind, da diese Ämter erst 2002 auf Euro umstellen. Auch Löhne und Gehälter müssen weiterhin in Mark überwiesen werden, denn Euro-Bargeld ist erst ab 2002 verfügbar. Das bedeutet, daß Unternehmen de facto noch mit verschiedenen Währungen rechnen müssen.

CW: Was raten Sie Unternehmen für die Umstellung?

Enger: Zunächst sollten die Firmen herausfinden, was die Einführung des Euro für sie bedeutet. Dazu gehört es, strategische Ziele festzulegen und zu identifizieren, welche Prozesse, Unternehmensbereiche und im Nachgang welche DV-Systeme davon betroffen sind. Es führt aus unserer Sicht kein Weg daran vorbei, alle Prozesse zu untersuchen.

CW: Wie tief muß man bei der Analyse gehen?

Enger: Zunächst einmal muß bei jedem Geschäftsprozeß festgestellt werden, ob er überhaupt etwas mit dem Euro und der entsprechenden Umstellung zu tun hat. Ergebnis dieser Untersuchung ist eine Check-Liste, die in einen Projektplan umzusetzen ist. Dabei dürfte dann deutlich werden, daß immerhin 45 Prozent der erforderlichen Maßnahmen in Nicht-DV-Bereichen anfallen.

CW: Welche sind das?

Enger: Interne Kommunikationsprozesse, die zu ändern sind, juristische Fragen, Anpassung von Verträgen etc. Um alle diese Maßnamen umzusetzen, ist in erster Linie ein straffes Projekt-Management erforderlich.

CW: Was können die Unternehmen aus der Euro-Einführung lernen?

Enger: Unternehmen haben die Chance, sich in puncto Projekt-Management deutlich zu verbessern: Wie schon bei der Umstellung für das Jahr 2000 gibt es auch beim Euro einen fixen Termin, der nicht geschoben werden kann. Auch für iterative Projekte kann man bei der Euro-Einführung viel lernen. Weiteres Potential steckt im Aufbau eines vernünftigen Anwendungs-Managements mit Wartungsstrategien und Werkzeugen für künftige Änderungsprojekte.

Konvergenz

EWS-Teilnehmer-Staaten müssen diese Kriterien erfüllen

-Inflationsrate: maximal 1,5 Prozent über Durchschnitt der 3 preisstabilsten Länder

-Haushaltsdefizit: kleiner als drei Prozent des BSP

-Schuldenstand: maximal 60 Prozent des BSP

-Zinssatz: maximal zwei Prozent über Durchschnitt der drei stabilsten Länder

-Wechselkurse: mindestens zwei Jahre vor Konvergenzprüfung EWS-Teilnehmer