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12.08.1988 - 

Danet-Studie fördert Skepsis der öffentlichen OSI-Beschaffer zutage:

Euro-Normen schaffen noch keinen ISDN-Markt

BONN (cmd) - Wenn es um die Informationstechnik geht, tun sich die Beschaffer in der Bundesverwaltung schwer: Seit Februar dieses Jahres sind sie gehalten, bei neuen Vorhaben die Hersteller auf offene Systeme zu verpflichten, doch haben die hierfür von Brüssel propagierten europäischen Normen bisher ihr Ziel verfehlt.

Als sich der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft am 22. Dezember 1986 darauf verständigte, die öffentlichen Verwaltungen der EG-Mitgliedsstaaten bei künftigen Beschaffungen auf dem Gebiet der Informationstechnik (IT) und der Telekommunikation auf Europäische Normen (EN) beziehungsweise Europäische Vornormen (ENV) festzulegen, hatte er zwei Dinge im Auge: Die IT-Standardisierung innerhalb der EG sollte vorangetrieben werden, und parallel zu diesem Prozeß sollten die öffentlichen Hände eine Vorreiterrolle bei der Durchsetzung offener Systeme spielen.

Seit Februar dieses Jahres, ein Jahr nach der amtlichen Veröffentlichung dieses EG-Ratsbeschlusses, sind die darin enthaltenen Richtlinien verbindlich. Für die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für die Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt), angesiedelt beim Bundesinnenminister, war das Grund genug, eine entsprechende Untersuchung in Auftrag zu geben.

Die Ergebnisse der Studie, die das Darmstädter Software- und Beratungsunternehmen Danet GmbH erstellt hat, offenbaren einige Probleme der öffentlichen Beschaffer, insbesondere in puncto EN und ENV: Diese Normen sind "noch recht lückenhaft ... (und) die anfängliche Vorstellung, sie könnten eine wesentliche Hilfe (...) sein, muß zur Zeit relativiert werden". Zudem sei auch zu bemerken, daß die Hersteller von OSI-Produkten sich meist direkt auf die CCITT- oder die ISO-Normen beziehen und die europäischen Normen, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnen.

Von den bereits standardisierten Telematik-Anwendungen werden in der Studie Message-Handling-Systemen die größten Chancen eingeräumt, "nicht zuletzt auch deshalb, weil der MHS-Standard X.400 der international am weitesten akzeptierte Standard ist, und weil MHS vom Konzept her den Übergang zu anderen Telematik-Diensten gestattet". Darüber hinaus erführen FTAM und, ungeachtet von der bestehenden Integrationsproblematik, der Fax-Dienst der Gruppe 3 derzeit das größte Interesse von seiten der Anwender.

Skepsis melden die Autoren der "Egunit"-Untersuchung (der Begriff ist abgeleitet vom "EG-Ratsbeschluß zur Umsetzung der Normung in der Informations-Technik") allerdings im Hinblick auf die schnelle Durchsetzung von ISDN an. Zwar werde das Integrationskonzept von ISDN allgemein als fortschrittlich anerkannt, doch seien die CCITT-Empfehlungen noch unvollständig und deckten bisher lediglich die unteren drei Ebenen des OSI-Modells ab, so daß ISDN vorläufig nur als Transportnetz zu betrachten sei. Mit einer weltweiten Standardisierung von ISDN-Diensten, so die Studie, "kann erst in etwa 15 Jahren gerechnet werden".

Als weitere Erschwernis sieht die Danet den Bereich der multifunktionalen ISDN-Endgeräte: Man befinde sich noch im Experimentierstadium, es herrsche ein Mangel an Erfahrung darüber, welche Integrationskombinationen den größten Nutzen bringen, und schließlich deckten sich auch die Vorstellungen der Hersteller in puncto Benutzerfreundlichkeit noch nicht mit denen der Anwender. Selbst die vieldiskutierten ISDN-Telekommunikationsanlagen kommentieren die "Egunit-Autoren", zumindest indirekt, eher kritisch, denn damit "handelt sich der Anwender vorerst eine digitale Insellösung ein, die sowohl zum DBP-Amt hin als auch meist zum Endgerät hin (teure Terminal Adapter) nicht ohne Rückwandler zum Analogen auskommt." ISDN, so heißt es schließlich, werde auch längerfristig nicht die bewährten Inhouse-Netze verdrängen.