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20.10.2000 - 

Redundanz in der Luft und am Boden

Eurofighter migriert von Token Ring auf Ethernet-Infrastruktur

MÜNCHEN (hi) - Ausfallsicherheit und Redundanz ist die oberste Sicherheitsmaxime in modernen Jets. Hohe Ansprüche, die beim Luftfahrtunternehmen Eurofighter nicht nur für das fliegende Material gelten, sondern auch am Boden konsequent verfolgt werden. So setzt das Unternehmen beim Networking auf eine redundante Infrastruktur mit hoher Ausfallsicherheit.

Noch sind sie nur vereinzelt am europäischen Himmel zu sehen, die Kampf-Jets des 21. Jahrhunderts. Nach der langen politischen Diskussion um die Zukunft des Eurofighter laufen nun die Vorbereitungen zur Serienproduktion der mehr als 600 Flugzeuge auf Hochtouren. Mit von der Partie sind die Eurofighter-Partnerunternehmen BAE Systems (Großbritannien), Casa (Spanien), Alenia (Italien) sowie die Dasa (Deutschland), die gleichzeitig auch für Entwicklung, Produktion und den Support des Eurofighters verantwortlich sind. Koordiniert wird diese Arbeit wiederum durch die Eurofighter GmbH in Hallbergmoos bei München. Das Unternehmen ist Hauptauftragnehmer, Single Point of Contact und fungiert auch als Repräsentant der vier nationalen Partnerunternehmen gegenüber den Kunden. Bei diesen handelt es sich um die Luftstreitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, Großbritanniens, Italiens und Spaniens.

Aus informationstechnologischer Sicht stellt die Eurofighter GmbH also eine Art Hub dar, an dem fast alle wichtigen Informationsstränge zusammenlaufen. Entsprechend hoch sind denn auch die Anforderungen der Münchner an die Netzinfrastruktur sowohl im LAN wie im WAN. WAN-seitig sind die Münchner über ein VPN mit den Produktionsstandorten der vier Partnerunternehmen verbunden. Ein Netz, das allerdings auf dedizierten Verbindungen beruht, da für den Eurofighter besondere Sicherheitsvorschriften gelten. So muss etwa der gesamte WAN-Verkehr den jeweiligen nationalen Sicherheitsrichtlinien und denen der Nato genügen.

Aufgrund seiner zentralen Stellung als Hub ist der Standort in Hallbergmoos auch bei der internen Kommunikation im LAN mit hohen Ansprüchen konfrontiert. "Nach dem Go zur Serienproduktion des Eurofighters vor knapp drei Jahren bestand für uns die Gefahr", erinnert sich Klaus Peter, Manager Management Processes & IT Team bei Eurofighter, "dass sich unsere Anwendungssysteme und die Netzinfrastruktur als Flaschenhals entpuppen." Schließlich galt es nach Abschluss des ersten Abschnittes nicht nur, die Entwicklungsphase zu koordinieren, sondern nun auch zusätzlich die Produktions- und die Logistikphase mit den direkten Verbindungen zur Kundenseite und zu den Zulieferern zu pflegen, Prozesse zu überwachen und Informationen zu aggregieren, Statusberichte zu verfassen etc. Oder kurz ausgedrückt: Der Informationsbedarf und der daraus resultierende Datenverkehr stiegen gewaltig. "Aufgrund der hohen Arbeitsteilung", so Peter weiter, "war es erforderlich, dass unser Netz hundertprozentig zuverlässig funktioniert, denn bei einem Netzausfall ist nicht nur der Mitarbeiter in Hallbergmoos betroffen, sondern auch seine Kollegen in den Partnerunternehmen, die auf die Informationen warten, und umgekehrt."

Diesen gestiegenen Anforderungen wurde das bis dato installierte Netz allerdings nicht mehr gerecht. Das vorhandene Token-Ring-Netz mit Hubs in den einzelnen Stockwerken war zwar bei seiner Einführung vor fünf bis sechs Jahren State of the Art, entsprach aber nicht mehr den heutigen Vorstellungen von einem redundanten Betrieb, zumal beim Ausfall zentraler Komponenten durchaus einmal die Hälfte der Mitarbeiter nicht mehr auf die Netzservices zugreifen konnten. "Entsprechend groß war der Druck", blickt Peter zurück, "das Netz zu migrieren, zumal wir mit Beginn des zweiten Eurofighter-Arbeitsabschnitts einen rapiden Anstieg der Clients erwarteten." Hatte die alte Token-Ring-Struktur gerademal 300 Clients zu versorgen, so wurde das neue Netz für rund 900 Clients konzipiert - Erweiterung nicht ausgeschlossen.

Als Outsourcing-Projekt konzipiert, wurde gemeinsam mit der betreuenden Compupark GmbH, Ilmmünster, und der zusätzlich als Netzdienstleister ins Boot geholten TMS GmbH, Geretsried, das Pflichtenheft für die künftige Infrastruktur erstellt: Es sollte die bestehende Verkabelung, im Backbone Glasfasern und zu den Arbeitsgruppen STP-Kabel der Kategorie 5, weiter nutzen. Höchste Priorität hatten die Anforderungen an Redundanz und Ausfallsicherheit. Ferner sollte das Netz während des veranschlagten Lifecycle von fünf bis sechs Jahren eine gewisse Zukunftssicherheit in Sachen Erweiterbarkeit und Einsatzmöglichkeit neuer Anwendungen wie etwa Sprach- und Videoübertragungen bieten. Ebenso wichtig war für Entscheider Peter die TCO-Frage. Das neue Netz sollte sowohl kostengünstiger sein als das alte und im laufenden Betrieb bezüglich Management und Support weniger Aufwand erfordern. "Weniger im Vordergrund stand dagegen der Geschwindigkeitsaspekt, da uns hier auch noch die alte Token-Ring-Struktur eine Weile gereicht hätte", lässt Peter den Anforderungskatalog Revue passieren.

Gigabit Ethernet im BackboneVor allem die Punkte TCO und Zukunftssicherheit gaben dann letztlich den Ausschlag für eine Ethernet-Lösung, denn "ich kann heute nicht in eine Topologie wie Token Ring investieren, wenn ich nicht weiß, ob die technologische Weiterentwicklung dieser Topologie mit der Verfügbarkeit neuer Anwendungen und Services einhergeht", begründet Peter die Entscheidung. Ein anderer Punkt, der für Ethernet sprach, waren die neu angeschafften PCs, die alle bereits Ethernet-Netzadapter auf dem Motherboard hatten und so nicht zum Token Ring passten. Des Weiteren sprach für Ethernet, auch wenn es in Teilbereichen Schwächen gegenüber Token Ring aufweist, die Tatsache, dass die Komponenten heute von einer Vielzahl verschiedener Hersteller angeboten werden und das Management relativ einfach ist.

Vom Konzept her sollte das neue Netz im Backbone auf Gigabit Ethernet basieren, während die einzelnen Arbeitsplatzrechner je nach Anforderung via Ethernet oder Fast Ethernet angebunden werden. Um die geforderte Ausfallsicherheit zu erzielen, sah der Netzstrukturplan eine redundante Auslegung aller Core-Komponenten bis zum Edge-Bereich einschließlich der Verkabelung vor. "Selbst den Einsatz von zwei Netzkarten in den NT-Workstations hatten wir diskutiert, doch die Mehrkosten hätten in keinem Verhältnis zur zusätzlichen Ausfallsicherheit gestanden", schildert Peter.

Die Frage nach den entsprechenden Geräten war dann relativ einfach zu klären. Zum einen kamen nur Hersteller in Frage, die den Sicherheitskriterien genügten, zum anderen sollte es eine Komplettlösung sein, um Support aus einer Hand zu haben. Letztlich fiel die Entscheidung zugunsten von 3Com, da das Unternehmen von der Netzkarte über den Workgroup-Switch bis hin zum "Switch 4007" als Core-Switch ein durchgängiges Plattformkonzept aufwies. Des Weiteren verfügte der Switch 4007 über die geforderten Features wie VLAN-Unterstützung und Layer-3-Funktionalität. Zudem sprachen der Vor-Ort-Austauschservice binnen vier Stunden in Verbindung mit der Dienstleistung der 3Com Solution Partner sowie die Tatsache, dass 3Com als Vater des Ethernet gilt, für den Hersteller.

Der eigentliche Rollout des Netzes in Zusammenarbeit mit den Systemhäusern Compupark und TMS verlief dann relativ unspektakulär und war innerhalb eines Wochenendes bewältigt. Allerdings wies die Ausgangssituation bei Eurofighter eine Besonderheit auf: Das Unternehmen hatte erst vor kurzem im Rahmen eines TCO-Projektes seine Arbeitsplatzrechner auf Netz-PCs umgestellt, so dass im Edge-Bereich eine homogene Umgebung vorhanden war und alle Bemühungen auf das eigentliche Netz konzentriert werden konnten. Ebenso gab es Server-seitig von Mainframe und AS/400 sowie einigen Legacy-Token-Ring-Anwendungen abgesehen eine einheitliche Plattform. Gerade die Vorarbeiten hinsichtlich einer homogenen Umgebung trugen laut Peter viel zur reibungslosen Migration bei.

Mit der zuverlässigen Netzinfrastruktur im Rücken sieht man bei Eurofighter in Sachen IT optimistisch in die Zukunft. So wurde der Supportbedarf auf ein Mannjahr reduziert, und die Infrastruktur ist für heutige und künftige Anwendungssysteme gerüstet.