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12.01.1990

Europa, du hast es besser

Für manche Big Guys des amerikanischen PC-Marktes gab es Weihnachten '89 nichts zu feiern. Bei Compaq und Apple stagnierten die Verkaufszahlen. Prompt fielen die Aktienkurse bei den Branchenmusterschülern. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Baisse: Das letzte Jahresquartal gilt in der Branche als das umsatzstärkste.

Bemerkenswert ist auch, was Branchenbeobachter feststellten: Die Verlierer der Saison sahen zwar ihre Gewinnmargen schmelzen, sie büßten jedoch keine Marktanteile ein. Ergo, schließen sie, geht es der gesamten PC-Branche in den USA schlechter.

Europa hat's da besser. Trotz einer laut Dataquest geschätzten 30prozentigen Zunahme an PC-Auslieferungen für 1989 ist eine Marktsättigung wegen der prognostizierten neuerlichen Steigerungsrate von 23,5 Prozent an Rechnerverkäufen in diesem Jahr nicht zu erwarten. Grund: Obwohl Computertechnologie in aller Munde ist, hat sich in Europa deren Einsatz bei weitem noch nicht so flächendeckend durchgesetzt wie in den USA.

Zudem favorisierten DV-Chefs der Alten Welt technologisch seit langem Eingeführtes: Glaubte man den Medien, so hatten leistungsstarke 386-Rechner ihren Siegeszug bereits vollzogen. Die Dataquest-Studie rückte die Tatsachen zurecht: Erst im vergangenen Jahr, in dem Intel in den USA bereits in großformatigen Annoncen den Tod der ATs anzeigte, überholten 286-Verkäufe in Europa die "guten, alten" XTs. Den Durchbruch der 386er erwartet man nun für 1990, obwohl 486-Rechner schon um die Gunst der Käufer buhlen.

Schuld an der Verlangsamung des PC-Geschäftes in den USA ist nach Meinung von Branchenspezialisten, daß leistungsfähigen Betriebssystemneuerungen wie OS/2 nicht die nötigen Applikationen folgten. Potentielle Fähigkeiten neuer Rechnergenerationen lagen so brach.

Außerdem scheint sich beim Käufer ein anwendungsorientiertes Denken durchzusetzen. Man kauft, was man braucht. So sind kleine Laptops zum großen Renner geworden. Auch bei den leistungsstärksten Systemen ist nach Compaq-CEO Rod Canion kein Verlust zu verzeichnen.

Europa konnte daraus in zweifacher Weise einen Vorteil ziehen: Wegen der zeitversetzten Marktdurchdringung mit PCs verläuft die Einführung von leistungsstarker Systemsoftware und Hardware synchron. Außerdem haben die europäischen Dependancen gegenüber ihren amerikanischen Müttern ein Faustpfand in der Hand: Wer gut verkauft, kann auch selbstbewußter mitreden. Besonders bei der Softwareentwicklung könnten in Zukunft nationale Bedürfnisse stärker berücksichtigt werden. So macht sich europäische Rückständigkeit vielleicht doch bezahlt. jm