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22.03.1991 - 

Abbildung realer Busineß-Relationen als Hauptziel

Europäische Anwender streben echte X. 400-Interoperabilität an

PARIS/MÜNCHEN (IDG/sch) - Bei EDI holen europäische Anwender zu neuen Aktivitäten aus, um Auswege aus dem nach wie vor gegebenen Interoperabilitäts-Dilemma zu finden und den praxisgerechten Betrieb von OSI-Systemen zu garantieren. Die Mitstreiter des zunächst von Ositop gesponserten "Business Communication Project" (BCP) legen dabei Standards wie X. 400, FTAM und X. 500 zugrunde.

Ein erster bereits im vergangenen November eingeläuteter Projektabschnitt diente dazu, über Interviews Kontakte zu den EDI-Key-Playern der bis dato 13 beteiligten Großunternehmen, wie unter anderem Credit Lyonnais, Banque Nationale de Paris, Dresdner Bank, Daimler, Nestle SA, Hoechst, BASF, Bayer und Iberduero S. A. , zu knüpfen.

Im Rahmen der von Softlab durchgeführten Befragungen kristallisierte sich heraus, daß insbesondere Interesse an OSI-basierten Infrastrukturen, E-Mail-Kommunikationsmöglichkeiten und der Bildung von Private Management Domains besteht. Die Benutzer wollen möglicherweise aber auch Fortschritte in angrenzenden Bereichen wie der Dokumentenstrukturierung im Sinne von ODA und OFIF erzielen.

OSI-Normen müssen noch mit Leben gefüllt werden

Im weiteren Verlauf des OSI-Vorhabens geht es dann um die schwierige Erarbeitung von Beschaffungsrichtlinien, Profilempfehlungen sowie Anpassungsvorschlägen und um die Abbildung realer Busineß-Relationen im Sinne eines branchenübergreifenden Daten- und Nachrichtenaustauschs.

Zur Verwirklichung einer funktionalen offenen Architektur mit vorhandenen OSI-Plattformen und auch Software-Neuentwicklungen der Teilnehmer steht die Bildung eines Konsortiums auf dem Programm. Erste OSI-Links sollen bereits zu Beginn des Sommers realisiert werden. Dabei ist geplant, hardwareseitig auf die Produkte verschiedener Hersteller zurückzugreifen; Einzelheiten, gab das neue Forum jedoch noch nicht bekannt.

Nach Angaben von Raanan Barzel, Ositop-Chairman und Berater bei der Banque Nationale de Paris, kann man aber davon ausgehen, daß keiner der großen Anbieter fehlt. Bisher steht auch noch nicht fest, auf welche physikalischen Verbindungen sich die beteiligten Unternehmen stützen werden.

Die bisher mangelnde Transparenz im EDI-Bereich läßt sich nicht zuletzt darauf zurückführen, daß einzelne Branchen mangels Alternativen längst selbst Spezifikationen entwickelt haben - ein Paradebeispiel dafür ist der VDA-Standard in der Automobilindustrie - und diese dann auch für die jeweiligen Zulieferbetriebe als verbindlich erkären. Außerdem kochen mitunter auch an OSI-Vorgaben orientierte Interessengemeinschaften eines bestimmten Wirtschaftszweiges bei Detailauslegungen oft ihr eigenes Süppchen.

Alleingänge zwingen zu mehreren Installationen

Von den Folgen solcher Alleingänge weiß Wulf Rühl, EDI-Experte bei der Frankfurter Hoechst AG, ein Lied zu singen: "Ein Transportunternehmen, das ja wirklich mit vielen Branchen in Verbindung steht, muß mehrere Applikations-Programme anschaffen und sich mehrere Maschinen hinstellen, um überhaupt mit den verschiedenen Sparten kommunizieren zu können. " Gerade Firmen, die interdisziplinär tätig seien, käme ein allgemeingültiger Standard sehr zugute.

Allerdings: Bis heute enthält auch eine offene Norm wie X. 400 noch Freiräume für die Gestaltung von Kommunikationsprofilen. Bereits die 84er Version hatte es diesbezüglich in sich. Rühl: "Wenn man sich die Gosip-Richtlinien vornimmt, gab es schon damals eine Menge Items, die es zu füllen galt. "

So mußten die an X. 400-Demos auf den vergangenen CeBIT-Messen beteiligten Hersteller viel Zeit in Detailabstimmungen investieren, bis sie tatsächlich Nachrichten austauschen konnten - und dies trotz einer an und für sich Standard-konformen Vorgehensweise.

Die vielzitierten Konformitätstests täuschen im übrigen eine echte Anpassung der verschiedenen ISO-Produkte meistens nur vor. Um eine echte Durchgängigkeit zu gewährleisten, will die OSI-Crew die Standards Promotion and Application Group SPAG zu Rate ziehen. Bei dieser Normierungs-Organisation nämlich läuft derzeit ein spezielles Interoperabilitäts-Programm mit der Maßgabe, geprüfte Produkte künftig mit Trademarks zu versehen.

Bei der zweiten Fassung der X. 400-Spezifikation erweist sich vor allen Dingen der Bereich X. 435 als noch lückenhaft. Dieser Teil des Standards, der auch Gegenstand der geplanten OSI-Profilierungen sein dürfte, schafft die Vorausetzungen für eine End-zu-End-Kontrolle mit der Möglichkeit, Security- und Encription-Belange abzudekken.

Rühl: "Hier wollen wir zu einer Profilierung kommen, die nicht nur für eine Branche Gültigkeit besitzt, sondern eine übergreifende Bedeutung haben könnte. "

Mitglieder hüten leider Geheimnisse

Ein Wunschtraum im Rahmen von BCP dürfte es allerdings seiner Meinung nach bleiben, daß die teilnehmenden Mitglieder Listen ihrer Geschäftspartner herausgeben. Ein derartiges Procedere würde die Lösungsfindungen insgesamt zweifellos vereinfachen, da man auf diese Weise EDI-Vorgänge einfach durchspielen und exemplarische sowie auch übertragbare Verfahren definieren könnte. Es sei jedoch verständlich, daß keine Firma ganz offen über ihre Geschäftsbeziehungen rede.