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10.01.1986

Europäische Aufholjagd hat begonnen

Bundesforschungsminister Dr. Heinz Riesenhuber Bonn

Wir können die Zukunft nicht prognostizieren, geschweige denn planen. Um so schwieriger ist es, eine Aussage zu treffen, was in den nächsten zwölf Monaten geschehen wird. Insofern fließen in die Diskussion über Schlüsseltechnologien auch Wünsche ein, verbunden mit dem festen Willen, die Realisierung intensiv voranzutreiben.

Technische Innovationen sind für die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland und die sich daraus ergebenden arbeitsschaffenden und -sichernden Investitionen von größter Bedeutung. Die Chancen neuer Technologien - Mikroelektronik, Biotechnologie oder Materialforschung - müssen für Wachstum und Beschäftigung genutzt werden. Angesichts der weltwirtschaftlichen Bedingungen gibt es für ein Hochlohnland wie die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer starken weltwirtschaftlichen Verpflichtung dazu keine Alternative.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung technischer Ideen in marktfähige Produkte ist jedoch ein Konsens der Öffentlichkeit über die neuen Technologien. Da Gefahren neuer Techniken häufig eher gesehen werden als die Chancen, ist zur Durchsetzung einer neuen Technik ein gewisses Maß an öffentlichem Konsens unabdingbar. Es kommt darauf an, daß bei ihrem Entstehen rechtzeitig offen und sachlich darüber diskutiert wird.

Die Bundesregierung hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Situation in diesem Bereich zu verbessern. Beispiele aus jüngster Zeit sind die Förderung von Schlüsseltechnologien, wie Biotechnologie, Mikroelektronik, Materialforschung, Fertigungstechnik, Umweltschutz und Gesundheitsfürsorge; die Schaffung von finanziellen Anreizen für die Forschungseinrichtungen für den Technologie-Transfer; die Einrichtung von Technologie-Transfer-Büros und -Beauftragten-Stellen in den Großforschungseinrichtungen, die Initiative für neue Kooperationsmodelle mit der Wirtschaft. Dazu zählen weiterhin Verbundprojekte, die verbesserte Rahmen für die Auftragsforschung, das Förderungsprogramm "Technologieorientierte Unternehmensgründungen" sowie die Anreize für eine erhöhte Mobilität der Forschung in Richtung Wirtschaft.

In der Informationstechnik hat die europäische Aufholjagd begonnen. Die Entwicklung neuer Speicherbausteine, die Fähigkeit, moderne Informations- und Kommunikationstechniken und ihre Basistechnologie, die Mikroelektronik, rechtzeitig auszubauen und marktgerecht anwenden zu können, sind wesentliche Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland auf dem Weltmarkt. Darüber hinaus hat die Mikroelektronik ihrerseits eine Schlüsselfunktion für weitere Bereiche der Industrie.

Die fünf wichtigsten Industriezweige, deren technologische Entwicklungshöhe zunehmend vom Einsatz der Mikroelektronik abhängt - Elektrotechnik, Büro- und Datentechnik, Maschinenbau, Fahrzeugbau, Feinmechanik und Optik - tragen zu einem Viertel zur Erzeugung des Brutto-Sozialproduktes bei. Für die Wettbewerbsfähigkeit wichtiger Zweig der Volkswirtschaft spielt es also eine Rolle, ob eine eigenständige Mikroelektronik-Industrie, die neuesten Technologien beherrscht, wirtschaftlich lebensfähig ist.

Auch unser Alltag wird zunehmend von der Mikroelektronik geprägt: Computer übernehmen Routinearbeiten, der Mensch wird an seinem Arbeitsplatz entlastet; der Bordcomputer im Auto ist keine Utopie mehr. Die gesamte Unterhaltungselektronik wird einen neuen Schub erfahren, wenn die Satelitentechnik, die Kabelfernsehnetze, das hochauflösende Fernsehen und auch der Bildschirmtext noch stärker zum Einsatz kommen. Hier, entstehen neue Märkte und Chancen.

Die Biotechnologie als eine weitere Schlüsseltechnologie wird unsere Erkenntnis verbreitern. Neue Produktionsmethoden und neue Produkte im Pharmabereich werden auch 1986 entwickelt. Einige der in den letzten zehn Jahren entdeckten und zwischenzeitlich in der Forschungspraxis verbreitet angewendeten gentechnologischen und zellbiologischen Methoden haben zu einer sprunghaften Vermehrung unserer Kenntnisse über die grundlegenden Lebensvorgänge geführt; weitere Erkenntnissprünge sind zu erwarten.

Es ist möglich, daß die Einführung biotechnischer Verfahren und Produkte auf einzelnen Unternehmen und Wirtschaftsbereiche wie etwa der Landwirtschaft neue Tätigkeitsfelder und Marktchancen eröffnet werden.

Materialien sind in fast allen Technik- und Lebensbereichen einer der wichtigsten Schlüssel zu Fortschritt und Innovation. Sie sind häufig entscheidend, wenn es darum geht, technische Produkte im Markt durchzusetzen. Ihre ökonomische Bedeutung, läßt sich daran erkennen, daß in der materialverarbeitenden Industrie mehr als 50 Prozent des Gesamtumsatzes auf Materialkosten entfallen. Die Verfügbarkeit von systematisch entwickelten Hochleistungswerkstoffen ist in immer stärker werdendem Umfang zur Voraussetzung und zum Maß für die technologische Leistungsfähigkeit der Wirtschaft geworden. Ziel des Materialforschungsprogrammes ist daher, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Schlüsselbereich der Werkstofftechnik zu stärke. Durch eine langfristige koordinierte Kraftanstrengung von Industrie, Wissenschaft und Staat sollen neue Leistungsfähige Werkstoffe entwickelt werden, die Voraussetzung für eine Vielzahl neuer oder verbesserter Produkte und Verfahren sind.

Schlüssel- und Hochtechnologien werden die zukünftige Aufteilung der Weltmärkte entscheidend mitbestimmen.

Es kommt darauf an, daß Staat, Wissenschaft und Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland rechtzeitig fachgerechte und maßgeschneiderte Lösungen erarbeiten, die Grundlage für eine gute Wettbewerbsposition werden. An Beteiligten müssen dazu beitragen, daß sich die Technologien der Zukunft auf einer sachlichen Ebene entwickelt die nicht vom ständigen Mißtrauen begleitet wird. Die neuen Techniken sollen keine Ängste hervorrufen, sondern als nützlich und hilfreich erkannt und damit gestaltbar werden. Nur dann kann die Entwicklung der Marktposition mit dem Tempo dem technischen Fortschritt Schritt halten.

Diese Herausforderung wird die Bundesrepublik Deutschland bestehen, wenn sich ihre Innovationskraft ständig und rechtzeitig auf die Fragen der Zukunft einstellt.

Die Innovation ist die Triebkraft der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, sie bringt Neuerungen im gesamten sozio-ökonomischen Lebensbereich. In der Bundesrepublik Deutschland fehlt es nicht an innovativen Erkenntnissen. Innovationsbereitschaft und unternehmerische Risikobereitschaft lohnen sich wieder, Leistung macht wieder Spaß. So werden auch für die Wirtschaft wichtige Impulse gegeben. Dies ist Voraussetzung für ein Bestehen in der internationalen Konkurrenz.