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10.03.1995

"Europaeische Firmen warten mit den Haenden im Schoss"

CW: Laesst man das G7-Treffen noch einmal Revue passieren, draengt sich einem der Eindruck auf, dass die Teilnehmer zwar viel diskutierten, aber wenige konkrete Ergebnisse erarbeiteten. Wo lag fuer Sie die Bedeutung des Information-Superhighway-Gipfels, auf dem neben den Technologievertretern die wichtigsten Industrienationen mit ihren Politikern vertreten waren?

McCracken: Ich ueberlege mir, was es in den vergangenen zehn Jahren und speziell in der juengeren Vergangenheit fuer heftige Diskussionen ueber die Telekommunikation und die Informationstechnologie gegeben hat, die natuerlich auch von politischen Interessen gefaerbt waren. Vor diesem Hintergrund, glaube ich, haette niemand zu prognostizieren gewagt, dass auf dem G7-Gipfel solch klare Beschluesse bezueglich der Oeffnung von Maerkten und deren Deregulierung formuliert werden wuerden. Noch vor sechs Monaten haette man sich auf solche Uebereinkuenfte wohl kaum einigen koennen. Insofern sehe ich das G7-Treffen als geradezu historisch an.

CW: Nun haben aber einige Teilnehmer - zu denken waere etwa an Frankreich - weniger von offenen Maerkten gesprochen als vielmehr von Protektionismus.

McCracken: Ich sehe es so, dass die in Bruessel erzielten Ergebnisse dazu beitragen werden, gewisse nationale protektionistische Wuensche zurueckzudraengen. Gleichzeitig werden aber die jeweiligen Industriegroessen gestaerkt. Ich sehe das Bruesseler GII-Treffen (GII = Global Information Infrastructure, Anm. d. Red.), also die G7- Konferenz, als wichtigen Schritt zu einem freien Handel an und betrachte es als Teil des GATT-Abkommens (Global Agreement on Tariffs and Trade, Anm.d.Red.).

CW: Im Juni wird es in Halifax eine Folgekonferenz geben. Bis zu diesem Zeitpunkt soll eine Task-force einen neuen GII-Report produzieren. Ist das alles nicht zuviel der Theorie? Die Technologien stehen zur Verfuegung - warum faengt man nicht endlich an zu handeln?

McCracken: Solche Nacharbeiten sind notwendig, denn bei globalen Informationsstrukturen, wie sie jetzt allmaehlich sichtbar werden, geht es eben nicht nur um reine Technologieaspekte. So hat etwa Suedafrika ein Treffen vorgeschlagen, auf dem sich die G7-Nationen mit den Entwicklungslaendern zusammenfinden sollen. Die bei einer solchen Zusammenkunft zu eroerternden Probleme sind von grosser Bedeutung. Der Technologieaspekt - wie man etwa in Entwicklungslaendern eine Informations-Infrastruktur aufbaut -, ist dabei gar nicht so problematisch. Wichtiger sind Fragen der Finanzierbarkeit.

CW: Welche Probleme sehen Sie auf dem Weg zur Informationsgesellschaft?

McCracken: Eine prinzipielle Schwierigkeit besteht darin, dass die Technologie zwar grundsaetzlich verfuegbar, aber immer noch in einem dramatisch schnellen Wandel begriffen ist. Es waere ein grosser Fehler zu glauben, dass die Technologieentwicklung abgeschlossen ist und man deshalb jetzt beginnen kann, Standards zu formulieren. Nehmen Sie etwa das Beispiel des interaktiven Fernsehens: Hier stehen wir gerade erst am Anfang der Entwicklung, noch weit vor dem Stadium, in dem sich Wettbewerb ausbildet und wir mit der Massenproduktion beginnen koennten. Es wird in den kommenden Jahren noch viele und immer grossflaechiger angelegte Testlaeufe von Video- on-demand-Projekten geben muessen, bevor wir uns daran machen koennen, Standards zu definieren. Es waere sehr gefaehrlich, sich in einem zu fruehen Stadium auf Standards fixieren zu wollen. Dies gilt vor allem dann, wenn solche Normen von Regierungsbehoerden festgelegt werden.

CW: Nun sind es aber gerade diese quasi-oeffentlichen Institutionen, die in Europa fuer Normierungen verantwortlich zeichnen, man denke nur an das European Telecommunications Standards Institute (ETSI).

McCracken: Das koennte eine Erklaerung sein dafuer, dass europaeische Unternehmen in puncto Technologieentwicklung der Konkurrenz hinterherhinken. Die Industrie scheint auf dem Alten Kontinent mit den Haenden im Schoss zu warten, bis eine Behoerde Standards veroeffentlicht. Und erst dann werden die Unternehmen auch aktiv. Bei uns in den USA ist das genau umgekehrt. Da wissen Unternehmen, dass sie selbst Standards setzen koennen, wenn sie nur frueh genug mit Produkten hervortreten. Das beste Beispiel hierfuer ist Microsoft. (Siehe auch Seite 40)

Mit Edward McCracken, CEO von Silicon Graphics, sprachen auf dem G7-Gipfel in Bruessel die IDG-Korrespondentin Elizabeth de Bony und Marc Ferranti, Chef des IDG-Bueros in Paris.