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02.02.1990

Europäische Mikroelektronik setzt nun doch auf US-Know-how{ Jessi und Siemens kommen am DV-Riesen IBM nicht vorbei

BRÜSSEL/MÜNCHEN (bk) - Nun ist es offiziell: Das Jessi-Board hat die IBM Europa zur Mitarbeit eingeladen. Damit ist ein weiterer Schritt zur Zusammenarbeit zwischen Jessi und Sematech getan. Auch die Siemens AG hat sich den Computerriesen aus Armonk ins Boot geholt: Die Münchner werden zusammen mit IBM den 64-Megabit-DRAM-Chip entwickeln.

Während die amerikanische Halbleiter-Branche noch um das jüngst gescheiterte DRAM-Chip-Projekt US Memories trauert, nimmt Jessi, das europäische Mikroelektronik- forschungsprojekt, neue Dimensionen an. Das oberste Gremium beschloß jetzt offiziell, die Europa-Tochter des amerikanischen Computerriesen IBM als Partner aufzunehmen. Damit hat sich Jessi aber auch von der ursprünglichen Zielsetzung entfernt, als rein europäischer Zusammenschluß gegen die Konkurrenz aus Übersee anzutreten. Dazu Jessi-Sprecher Klaus Knapp: "An einem Unternehmen, das die Technologie besitzt, einen 4-Megabit-Speicher in Serie zu fertigen, kann Jessi nicht vorbeigehen." Vom Philips-Konzern, der sich erst gegen die Aufnahme ausgesprochen haben soll, verlautete: "Wir begrüßen die IBM-Teilnahme, weil jeder gut tut, der hilft, die japanische Dominanz in der Mikroelektronik aufzubrechen."

Die Zusammenarbeit soll nach Auskunft des Bundesforschungsministeriums (BMFT) zunächst bei der Entwicklung von Fertigungsgeräten für die Herstellung von integrierten Schaltkreisen und bei der Entwicklung von Entwurfshilfsmitteln (CAD) erfolgen.

IBM Europa, die bereits vor geraumer Zeit in Böblingen ein Jessi-Team zusammengestellt hat, wird sich in den kommenden zwei bis drei Wochen mit dem Jessi-Board zusammensetzen, um Art und Weise der Mitarbeit zu besprechen. Wilhelm Pfeffer, Jessi-Projektleiter bei IBM, ist sich sicher, dem europäischen Konsortium einiges bieten zu können: "Immerhin sind wir das einzige Unternehmen, das über den 200-Millimeter-Wafer verfügt."

Doch die Europäer wollen nicht nur von der Technologie des Armonker Computerkonzerns profitieren. Angesichts der zentralen Rolle der IBM bei dem US-Konsortium Sematech (Semiconductor Manufacturing Technology), dem amerikanischen Jessi-Pendant im Bereich Chip-Fertigungs-Equipment, setzen sie nun darauf, die seit Monaten dauernden Verhandlungen mit den Amerikanern über die Zusammenarbeit bei Projekten wie Wettbewerbsanalyse, Normierung und Geräteentwicklung baldmöglichst zum Abschluß bringen zu können. Für März ist das nächste Treffen beider Gruppierungen anberaumt. Dann gilt es auch zu klären, inwieweit sich europäische Unternehmen mit amerikanischen Töchtern an Sematech beteiligen können. Sowohl Philips (mit Signetics) als auch SGS-Thompson (mit Mostek) möchten sich bereits seit längerem am US-Konsortium beteiligen.

Doch nicht nur Jessi sucht Schützenhilfe bei IBM. Auch die Siemens AG hat sich jetzt mit dem Armonker Computerriesen verbündet. Beide Unternehmen werden bei der Entwicklung des 64-Megabit-Speichers zusammenarbeiten. Das Projekt, für das Siemens und IBM je 500 Millionen Mark aufbringen müssen, kann sofort starten, da die gemeinsamen Entwicklungsarbeiten im amerikanischen East Fishkill, dem neu errichteten Technologiezentrum von Big Blue, konzentriert werden. Siemens wird dazu rund 50 Chip-Spezialisten aus München in die Staaten entsenden.

Die Münchner erhoffen sich von diesem Deal eine Zeiteinsparung von gut zwei Jahren bei der Entwicklung des Megabit-Chips der übernächsten Generation. Bis Mitte der 90er Jahre, so die Grobplanung der beiden Partner, will man den 64-Megabit-Speicher in Serie produzieren können. Darüber hinaus ist eine Weiterführung der Zusammenarbeit bei nachfolgenden Chip-Generationen möglich.

Direkte Auswirkungen hat die IBM/Siemens-Kooperation auf Jessi. Auch das europäische Mikroelektronik-Projekt verfolgte bislang unter anderem das Ziel, einen solchen Speicherchip zu entwickeln und zu fertigen. Klaus Knapp: "Da die Verantwortlichkeiten des DRAM-Projekts von Jessi bislang bei Siemens angesiedelt waren, muß dieser Bereich jetzt neu definiert werden." Im Rahmen von Jessi werde man jetzt wohl die Bereiche des DRAM-Projektes weiterführen, die durch die Siemens/IBM-Kooperation nicht abgedeckt werden. (siehe auch Beitrag auf Seite 4). +