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12.06.1998 - 

Hohe Kosten gefährden die Entwicklung des Internet

Europäische Provider prangern die Preispolitik der Telcos an

Jim Dixon, Präsident der Provider-Vereinigung Euro-Ispa, kritisierte auf einer Konferenz in Brüssel, daß die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes keineswegs zu deutlich gesunkenen Preisen für seine Mitglieder geführt habe. Auch nutzten die großen Gesellschaften ihre dominante Marktposition aus, um kleinere ISPs in die Ecke zu drücken. Marco Barbuti, Geschäftsführer des italienischen Providers Italia Online, berichtet beispielsweise, daß Telecom Italia ihren ISP-Ableger Telecom Italia Net massiv und illegal mit Kapitalspritzen in den Markt hebt. Im Jahresgeschäftsbericht stehen Kosten von 60,5 Millionen Dollar Einnahmen von nur 7,4 Millionen Dollar gegenüber. Kein anderer Provider könne sich solche Ausgaben leisten.

Neue Technologien beleben den Markt

Vor allen Dingen machen den europäischen Providern aber die hohen Preise der Telcos zu schaffen. Im Durchschnitt zahlen sie 20mal mehr für eine vergleichbare Bandbreite als ihre amerikanischen Konkurrenten. Das führt zu absurden Situationen: eine Hochgeschwindigkeitsverbindung aus Virginia nach Paris, London oder Stockholm kostet nach Erhebungen der Euro-Ispa 31000 Dollar im Monat, während für dieselbe Bandbreite zwischen Paris und London etwa 35000 Dollar monatlich zu zahlen seien. Sehr viel Geschäft fließe daher aus Europa in die USA ab. Amerikanische Provider nutzen die Schwäche der europäischen ISPs offenbar, um auf dem hiesigen Markt Fuß zu fassen.

Verbandschef Dixon sieht aber auch Licht am Ende des Tunnels. Technologische Neuerungen bei den Übertragungswegen und Infrastrukturentwicklungen könnten den Wettbewerb schneller ankurbeln als die Liberalisierung des Marktes. Beispielhaft nannte Dixon das Glasfaserverfahren "Wave-division multiplexing", das die übertragbare Datenmenge um das 250fache erhöht. Auch werde Worldcoms Transatlantikkabel "Gemini" für zusätzliche Internet-Kapazitäten sorgen. Diese Investion hat freilich auch einen Pferdefuß: Zwar würden die europäischen Telcos mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Preissenkungen gezwungen. Andererseits aber begeben sich hiesige ISPs, die mit Worldcom handelseinig werden in die Hände eines übermächtigen US-Netzbetreibers. Worldcom könnte nach der geplanten Fusion mit MCI geschätzte 40 bis 60 Prozent der Internet-Back- bone-Infrastruktur kontrollieren.

1998 sei das Jahr der Entscheidungen, so Dixon. Hubert Ungerer, Leiter der Telekommunikationseinheit in der Wettbewerbsabteilung der Europäischen Kommission, rät den Providern indessen zu Geduld. Die Liberalisierung brauche Zeit. Allerdings werde die Kommission sehr genau beobachten, wie sich dominante Telcos in der Internet-Arena bewegten. Ungerer bestätigte, daß seine Behörde derzeit mit Kartellrechtsbeschwerden gegen nationale Telekommunikations-Unternehmen überflutet werde. Geduld haben die europäischen Provider angesichts der Krisenstimmung jedoch keine mehr. Bereits ein halbes Jahr könnte vielen ISPs den Todesstoß versetzen.