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01.06.1984 - 

EG-Kommission soll bis Mitte Juni konkrete Vorschläge erarbeiten:

Europäische Telecom-Standards rücken näher

PARIS/BONN - Nach der Verabschiedung des Informatikprogramms "Esprits" bahnt sich jetzt auch im Telekommunikationssektor eine vergleichbare Initiative auf europäischer Ebene an: Der Rat der Industrieminister hat die EG-Kommission in Brüssel beauftragt. bis Mitte Juni konkrete Vorschläge für eine gemeinsame Telekommunikationspolitik sowie für einheitliche Schnittstellenstandards zu erarbeiten. Dem Vernehmen nach sollen bereits auf dem Ende Juni stattfindenden Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs erste Entscheidungen fallen.

Auf dem letzten - informellen -Treffen der EG-Industrieminister in Paris stand das Thema "Telekommunikationspolitik" ganz oben auf der Tagesordnung. Die Kommission, die schon im vergangenen Herbst eine entsprechende Vorlage für den Rat erarbeitet hatte, erstattete jetzt Bericht über ihre zahlreichen Gesprächsrunden mit Vertretern der europäischen Anwender- und Herstellerverbände sowie den großen nachrichtentechnischen Unternehmen.

Nach anfänglichem Zögern scheinen sich die zehn Industrie- und Wirtschaftsminister der Mitgliedsstaaten im Grundsatz positiv zu einigen Vorschlägen der Brüsseler Kommission geäußert zu haben. So verlautete aus Konferenzkreisen, daß die Ministerriege "ein klares Bekenntnis zur politischen Zusammenarbeit und zur Entwicklung gemeinsamer Standards" abgelegt habe. Unter anderem sei man sich in folgenden Punkten bereits recht nahegekommen: Auf zunächst bilateraler Basis sollen die nationalen Märkte langsam Unternehmen werden; weiterhin wird mehr als bisher bei der Entwicklung neuer Telekommunikationsprodukte die Zusammenarbeit von mindestens zwei Firmen aus unterschiedlichen Mitgliedsstaaten angestrebt.

Ein Modellprojekt könnte hier zum Beispiel das von der französischen Postverwaltung und der Bundespost gemeinsam ausgeschriebene mobile Kommunikationssystem (Cellular Radio) sein, über das im Sommer dieses Jahres entschieden wird. Im Gespräch sei auch ein französisch-englisches Joint-venture zwischen CIT-Alcatel und Plessey auf dem Gebiet der digitalen Vermittlungssysteme.

Der Auftrag der Minister an die Kommission bezieht sich außerdem darauf, Vorschläge für eine EG-Zusammenarbeit auf den Feldern "Robotics" und "Integrated Factory Automation" zu unterbreiten. Schließlich hat man noch einen Statusbericht angefordert, der die derzeitigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und den Ländern der Europäischen Gemeinschaft auf dem Telekommunikationssektor näher beleuchten soll.

Bereits im vergangenen Herbst hatte die Kommission auf die sich verschlechternde Situation der Europäer im Vergleich zu den Hauptkonkurrenten USA und Japan hingewiesen. Hielte man auch bei den zwei größten Wachstumsbereichen - Telematik-Endgeräte sowie neue, auf Breitbandtechnik beruhende Dienste - an der bisherigen Marktsegmentierung fest, so gerieten die europäischen Unternehmen, wie in anderen Bereichen, in einen ernstzunehmenden Rückstand. Als Beispiel für negative Entwicklungen wurde angeführt, daß in Europa neun verschiedene Vermittlungssysteme konzipiert worden seien, in den USA dagegen trotz des wesentlich größeren Inlandsmarktes nur vier, in Japan sogar nur drei.

Als Gegenmaßnahmen schlugen die Brüsseler Eurokraten in den sogenannten sechs Aktionslinien folgendes vor:

- Gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsaktionen in Schlüsselbereichen der künftigen Entwicklung,

- gemeinsame Aktionen im Hinblick auf die Entwicklung fester Schnittstellenstandards, insbesondere gemeinschaftsweit definierte Interfaces zwischen den öffentlichen Netzen und den privaten Telematik-Märkten,

- gemeinsame Entwicklung des transnationalen Teils der künftigen Fernmeldestruktur in den Bereichen integrierte Vermittlungssysteme für Sprach- und Datenübertragungsdienste, intereuropäische terrestrische Breitbandverbindungen auf Glasfaserbasis sowie Breitbandverbindungen unter Verwendung von Satellitenverbindungen.

Vorgesehen war außerdem eine gemeinsame europäische. "Telekommunikationsagentur" einzurichten, die die mittel- und langfristig notwendigen Aktivitäten bündeln sollte. In diesem Punkt scheinen die nationalen Regierungen aber auch nach dem Treffen in Paris nicht geneigt zu sein, auch nur Teilbereiche ihrer hoheitlichen Befugnisse aufzugeben.