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Plattform fuer schnellwachsende High-Tech-Unternehmen

Europaeischer Freihandel Easdaq soll schon in diesem Jahr starten

05.01.1996

In diesem Jahr wird voraussichtlich der Startschuss fuer die European Association of Securities Dealers Automated Quotation (Easdaq) fallen. Die nach dem Vorbild des amerikanischen Telefonhandels Nasdaq aufgebaute gesamteuropaeische Boerse soll vor allem junge, schnellwachsende High-Tech-Unternehmen anziehen. Die kleinen und mittelgrossen Firmen haben es in der Regel schwer, ihr Wachstum zu finanzieren: Banken stehen den Projekten und der oft niedrigen Eigenkapitalbasis haeufig skeptisch gegenueber, und Risikokapitalgeber haben das Problem, wie sie aus ihrem Engagement Rendite ziehen. Ein Boersengang stellt in diesem Fall eine probate Loesung dar. In den USA sind deshalb viele mit Venture-Kapital finanzierte Unternehmen spaeter auch an der Boerse wiederzufinden. In der Regel ist es die Nasdaq. 50 Prozent der dort notierten Unternehmen hatten vor ihrem Boersengang Risikokapitalgeber im Hintergrund, erklaerte Thomas Knorr von der Muenchner Unternehmensberatung Knorr, Reinsch & Partner auf einem Unternehmerforum zum Thema Eigenkapitalstrategien fuer Mittelstaendler. Die US-Boerse fuer kleine, wachstumsstarke Firmen wurde 1971 gegruendet und hat sich mittlerweile zu einer der weltgroessten Boersen entwickelt. Es sind rund 4900 Betriebe notiert, darunter 154 der 200 fuehrenden US-Kleinunternehmen, berichtet der "Euro Newsletter" der Europaeischen Union. Gerade im letzten Jahr gab es dort eine grosse Zahl von Neuemissionen, darunter Internet-Firmen wie Netscape Communications Corp. oder die Spyglass Corp., die sich zu Boersenlieblingen entwickelten. Kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) aus Europa steht eine vergleichbare Boerse fuer risikoreiche, wachstumstraechtige Werte nicht zur Verfuegung. Der Gang an die etablierten Handelsplaetze scheitert in der Regel an anspruchsvollen Zulassungsvoraussetzungen. Um an deutschen Boersen zum amtlichen Handel zugelassen zu werden, sind zum Beispiel mindestens 200 Millionen Mark Umsatz erforderlich - Summen, die nur Unternehmen mit laengerer Geschichte aufweisen koennen. Bei der Easdaq soll ab 3,5 Millionen Ecu (etwa 6,3 Millionen Mark) Betriebsvermoegen und 1,8 Millionen Ecu eingesetztes Kapital die Zulassung erteilt werden. Deshalb wird das Nasdaq-Pendant auch von der Europaeischen Kommission gefoerdert. Ziel sei die Schaffung eines europaweiten Kapitalmarkts ohne Landesgrenzen fuer innovate KMUs, so der EU- Newsletter. Die Easdaq ist als Aktiengesellschaft nach belgischem Recht konstituiert. Wertpapierhandelshaeuser, Banken, nationale Boersen, Risikokapitalgeber, sowie institutionelle Anleger koennen sich an der Gesellschaft beteiligen, die sich derzeit um die Anerkennung als regulaere Boerse bemueht.

Den Easdaq-Initiatoren kommt eine neue EU-Richtlinie entgegen, die es in einem Land Europas zugelassenen Wertpapierhaendlern seit dem 1. Januar 1996 ermoeglicht, in allen anderen EU-Staaten ohne gesonderte Zulassung der entsprechenden Regierung taetig zu sein. Auch Emissionsprospekte koennen in der gesamten EU veroeffentlicht werden, wenn sie in dem Land,in dem das aktienausgebende Unternehmen seinen Sitz hat, genehmigt sind.

In bezug auf den Aufbau und die Abwicklung des Aktienhandels orientiert sich die Easdaq an dem US-Vorbild. So entspricht die Traegerorganisation EASD (European Association of Securities Dealers) der amerikanischen NASD.

Die Kursfestsetzung erfolgt wie an der Nasdaq im Market-Maker- Verfahren, waehrend sonst an den Boersen meist das Auktionsprinzip ueblich ist. Die Market Makers legen Kauf- und Verkaufskurse fest, die den Haendlern ueber ein Computernetz zur Verfuegung stehen. Dadurch existiert jederzeit eine Handelsbereitschaft, was besonders fuer institutionelle Anleger wichtig ist. Der Handel selbst wird dann telefonisch abgeschlossen.

Die Beteiligung deutscher Emissionshaeuser nimmt sich allerdings noch mager aus. Neben der Hypo-Bank gehoeren nur die Wertpapierhaendler Ballmaier & Schultz der EASD an, so die "Sueddeutsche Zeitung". Die Easdaq selbst besass am 7. September 1995 42 Anteilseigner aus neun Laendern, darunter Ballmaier & Schultz, TVM Techno Venture Management sowie einige Kursmakler.

Starkes Interesse an einem europaweiten Freiverkehr haben in der Regel Venture-Kapital-Firmen, wogegen die nationalen Boersen versuchen, selbst einen Markt fuer die als Small Caps bezeichneten Werte einzurichten wie etwa den AIM Alternativ Investment Market, London, oder den Nouveau Marche, Paris. Kritiker sehen in der fehlenden materiellen Praesenz der Easdaq, die letztlich auf einer Netzinfrastruktur basiert, einen Nachteil.

Nigel Hopes von der britischen Marktforschungsgesellschaft Coopers & Lybrand, die die Chancen einer Easdaq untersucht hat, rechnet mit Startschwierigkeiten: "Die Nachfrage nach einer gesamteuropaeischen Boerse ist gross, aber wir glauben, dass der Nutzen einer Easdaq noch nicht erkannt wird und dies den Anfangserfolg hemmen wird."

1995: Jahr der IPOs

FRAMINGHAM (IDG) - Ueber 190 High-Tech-Firmen haben nach Angaben der Securities Data Co. 1995 den Weg an die Boerse gewaehlt. Seit 1983 habe es nicht mehr so viele Initial Public Offerings (IPOs) gegeben. Ihr Wert stieg insgesamt um 7,7 Milliarden Dollar, damit wurde ebenfalls ein neuer Rekord erreicht.