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11.06.1999 - 

Deutsche Interessenvertretungen nahmen nicht teil

Europäischer Internet-Streik hatte nur mäßigen Erfolg

MÜNCHEN (fn) - Mit einem europaweiten Internet-Boykott wollten verschiedene Nutzervereinigungen in Europa auf zu hohe Internet-Gebühren aufmerksam machen. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Deutsche Nutzervertretungen nahmen nicht teil: Ihnen war die Organisation des Streiks suspekt.

Über die Homepage http:// www.telecom.eu.org wurden Surfer aufgerufen, sich an einem europaweiten Internet-Boykott zu beteiligen. Internet-User wurden gebeten, am 6. Juni 24 Stunden lang weder ihre Modems noch ihre Telefone zu benutzen. Auf diese Weise sollten Telekommunikationsfirmen in Europa dazu bewegt werden, statt der Gebührenberechnung für den Internet-Zugang über das Telefonnetz pro Minute einen monatlichen Pauschaltarif (Flat-Rate) einzuführen, wie er in den USA üblich ist.

Der große Erfolg blieb jedoch aus. Lediglich in Spanien ging die Web-Nutzung an diesem Tag um 36 Prozent zurück, meldete die Surfer-Vereinigung Asociacion de Internautas. Dagegen stellte die dortige Telefongesellschaft Telefonica SA nur eine um vier Prozent geringere Nutzung ihres Internet-Angebots fest.

Laut dem Brancheninformationsdienst "Computergram" verzeichnete die British Telecom am 6. Juni keinen Rückgang der Internet- beziehungsweise Telefonnutzung. Trotzdem feierte die Campaign for Unmetered Telecommunications (CUT), die den Streik in Großbritannien organisierte, die Aktion als großen Erfolg. Dies dürfte sich aber in erster Linie auf den Medienrummel beziehen, den CUT im Vereinigten Königreich auslöste.

In Deutschland streikte dagegen niemand. Da die Homepage des European Telecom Boycott weder über ein Impressum noch über einen Hinweis über den Initiator der Aktion verfügt, wollte sich Wilfried Gödert, Vorsitzender des Vereins deutscher Online-Nutzer (VDON), http://www.vdon.de, nicht an der Aktion beteiligen: "Es war überhaupt nicht nachzuvollziehen, wer diesen Streik organisiert."

Auch Thomas Weigl, der im November des vergangenen Jahres einen Internet-Streik in Deutschland organisiert hatte, distanzierte sich gegenüber der COMPUTERWOCHE von der Kampagne. Trotzdem prangte das Logo seiner Homepage Internetstreik.de auf der deutschen Seite der Web-Site http://www.telecom.eu.org - ohne Weigls Einverständnis. Laut Erol Ziya, Pressesprecher von CUT, stehe keine einzelne Organisation hinter dem European Telecom Boycott, vielmehr hätten die Surfer-Vereinigungen der teilnehmenden Länder den Streik initiiert.

Der VDON-Vorsitzende Gödert hält einen Dialog mit beispielsweise der Telekom-Tochter T-Online für wesentlich sinnvoller, als mit Streiks auf zu hohe Internet-Gebühren aufmerksam zu machen. Lust auf einen erneuten Boykott hierzulande verspürt auch Internet-Streiker Weigl im Augenblick nicht.