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02.09.1994

Europaeisches Management warf das Handtuch Mit unrealistischen Zielvorgaben vergrault Next seine Statthalter

MUENCHEN (qua) - Bernhard Woebker, ehemaliger Europa-Chef der Next Corp., Redwood City, Kalifornien, und sein Marketing-Direktor Rainer Bernert haben das Software-Unternehmen verlassen. Als Grund nennt Woebker die Diskrepanz zwischen den ihm gesteckten Zielen und den dazu verfuegbaren Mitteln.

Wie aus der Next Deutschland GmbH, Ismaning bei Muenchen, zu erfahren war, hegt der Firmengruender Steven Jobs offenbar die Absicht, seine europaeischen Mitarbeiter an die kurze Leine zu nehmen. Die siebenkoepfige deutsche Niederlassung fungiere nur noch "auf dem Papier" als Europazentrale. De facto wuerden alle Plaene zentral von Redwood City vorgegeben. Mit insgesamt 20 Angestellten ist das Software-Unternehmen in der Alten Welt neben Ismaning auch in London und seit Februar wieder in Paris vertreten.

Diese Politik der Zentralisierung spiegelt sich in der neuen Management-Struktur wider: Der europaeische Vertriebschef Karl Klarmann erhielt Prokura fuer die GmbH und wird das Tagesgeschaeft der deutschen Niederlassung lenken. Geschaeftsfuehrer darf er sich deswegen aber noch lange nicht nennen. Diesen Titel teilen sich zwei US-Manager: der Chief Financial Officer Dominique Trempont und die Juristin Nancy Heinen. Klarmann berichtet allerdings an Bill Wesemann, der in seiner Eigenschaft als Vice-President Worldwide Sales auch fuer das Europa-Geschaeft verantwortlich zeichnet.

Ein spezielles europaeisches Marketing gibt es nicht mehr. Statt dessen soll Ron Weissman, als Director Corporate Marketing ebenfalls in der kalifornischen Next-Zentrale angestellt, kuenftig zwischen Redwood City und London hin- und herpendeln.

Diese Entscheidung ist um so schwerer verstaendlich, als Next erklaertermassen auch in Europa den Direktvertrieb forcieren will. Um den europaeischen Grosskunden den Einstieg in die immer noch avantgardistische Technik der Next-Produkte schmackhaft zu machen, waeren ein starkes lokales Management und eine dickere Personaldecke noetig.

Diese Ansicht hat Woebker eigenen Angaben zufolge auch gegenueber Jobs vertreten. "Wir haetten mehr in Manpower investieren koennen", macht der ehemalige Nixdorf-Manager seinen Standpunkt deutlich. Das sei um so wichtiger gewesen, als das Umsatzziel fuer das laufende Jahr relativ hoch gesteckt wurde: 50 Millionen Dollar will der Next-Chef Ende 1994 auf der Einnahmenseite verbucht haben - ein Viertel davon in Europa.

Nachdem die Ergebnisse der ersten beiden Quartale veroeffentlicht wurden, sieht es nicht so aus, als sei dieses Ziel heuer noch erreichbar. Das erste Halbjahr brachte dem Unternehmen lediglich 18 Millionen Dollar ein.

In Europa treffen die Next-Vertriebsleute, so Woebker, zudem auf verschaerfte Bedingungen. Nicht nur seien die Entscheidungszyklen bei den potentiellen Kunden mit neun bis zwoelf Monaten erheblich laenger als zunaechst erwartet. Darueber hinaus fehle hier auch eine Altkunden-Basis. "Ich habe keine Lust, illusorischen Zielen hinterherzulaufen", bringt Woebker seinen Unmut zum Ausdruck.

Der ehemalige Europa-Chef ist immer noch bereit, fuer die Next- Produkte seine Hand ins Feuer zu legen. Seine Kuendigung sei einzig und allein eine Folge der Meinungsverschiedenheiten zwischen Jobs und ihm. Aus aehnlichen Beweggruenden habe uebrigens auch der Marketing-Experte Paul Vais der Next-Zentrale den Ruecken gekehrt.