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Siemens gab sich in Zürich die Ehre:

Europäisches Top-Management diskutierte Computer-Einsatz

04.08.1978

ZÜRICH (sg) - "Der Computer in seiner Selbstverständlichkeit ist, vorausgesetzt sein Einsatz begründet sich in einer wirtschaftlichen Notwendigkeit und nicht im Hang zu überdimensionaler Spielerei, das unbestreitbar beste Instrument zur Rationalisierung. Er leistet damit als Betriebsmittel einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Existenz eines Unternehmens und gilt darüber hinaus als ein starkes Argument für ein freies Unternehmertum. Deshalb sollte der Entscheid für oder wider eine Computeranschaffung von der Führungsspitze eines Unternehmens getroffen werden."

So das - nicht ganz einstimmig akzeptierte - Fazit einer vom Unternehmensbereich Daten- und Informationssysteme der Siemens AG in Zürich durchgeführten Veranstaltung. Teilnehmer waren etwa 35 Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer und Generalbevollmächtigte von Großunternehmen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Die zweitägige Veranstaltung wurde von Computer-Altmeister Professor Konrad Zuse mit locker geplauderten Reminiszenzen aus alten Zeiten eingeleitet.

Zu teilweise recht lebhaften Diskussionen führten die dann folgenden Referate:

* Aspekte für die Auswahl von Hard und Software in einem Unternehmen; Dr. Schwetz - Siemens,

* DV-Entscheidungen - Routineangelegenheiten des Fachmanagements oder Weichenstellung durch die Unternehmensleitung? Dr. Göke Frerichs - Vorsitzender des Vorstandes der Andreae-Noris Zahn AG, Frankfurt/Main,

* Organisation, Aufbau und Nutzen der Datenverarbeitung in einem Großunternehmen; Dr. Werner Brack - Geschäftsführer der Mannesmann Datenverarbeitung GmbH,

* Technischer Fortschritt - Ursache sozialer Probleme oder Motor des Lebensstandards? Prof. Dr. Bruno Molitor, Würzburg.

Die engagierten Diskussionen kreisten einmal mehr vor allem um die Frage der Gewichtung und Beurteilung von Software bei der Auswahl von EDV-Anlagen.

Grundvoraussetzung für die problemlose Einführung der EDV sind jedoch zwei wesentliche Punkte: Ein klares Organisationskonzept sowie ein ebenso klares Unternehmenskonzept. Denn nur dort, wo eine Unternehmensleitung von diesen unabdingbaren Prämissen ausgehen kann, besteht von Anfang an die größte Gewähr, zu einer problemadäquaten EDV-Lösung und damit zu einer wirtschaftlichen Nutzung der in Frage kommenden Computer-Kapazität zu gelangen.

Laut Dr. Peisl entstehen nämlich siebzig Prozent aller nach Einführung einer EDV auftretenden Fehler bereits in der Konzeptionsphase beziehungsweise in der logischen Entwurfsphase des geplanten DV-Ablaufs. Und "nur" dreißig Prozent Fehler treten dann bei der späteren Erstellung der Programme auf. So ist zum Beispiel die Hauptursache für nicht ausreichend problemorientiert ausgerichtete Software darin zu suchen, daß zuviel in die einzelnen Programmabläufe hineingepackt wurde.

Nicht einmal der Programmautor ist folglich später noch in der Lage, die so entstandene Komplexität zu durchschauen. Und an eine reibungslose Funktion der Programmabläufe ist dann ohnehin kaum mehr zu denken. Dem Anwender erwachsen dabei, verursacht durch die unzulängliche Software, in zweifacher Hinsicht vemeidbare Kosten: einmal durch die aufwendige Programmpflege, zum anderen durch die meist reduzierte Kapazitätsauslastung der Anlage.

Software, so war ferner zu hören, entbehrt, bis auf das durch ihren Einsatz entstandene Produkt, jeglicher Anschaulichkeit. Dadurch entzieht sie sich, so hieß es weiter, im Gegensatz zur Hardware weitestgehend einer nüchternen Beurteilung.

Daß Manager, die selbst über ein einigermaßen fundiertes EDV-Wissen verfügen, einen gewissen Startvorteil haben, dürfte jedem klar sein. Diese Erkenntnis scheint jedoch noch nicht überall durchgedrungen zu sein. Entscheidungsträger in einem Unternehmen, denen die EDV kein böhmisches Dorf ist, sind leichter in der Lage, von vornherein zu unterbinden, daß betriebseigene DV zur Spielwiese einiger weniger Mitarbeiter wird.

Denn - darüber bestand unter den Seminarteilnehmern ebenfalls kein Zweifel - nicht die Größe der Anlage kann und darf Prestige-Prothese eines Unternehmens sein. Denn nur die Leistungsfähigkeit einer optimal funktionierenden DV-Organisation allein rechtfertigt die in sie investierten Kosten.