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10.06.1994

Europas Anwender werfen viel Mainframe-Ballast ab

Downsizing ist nicht nur ein Schlagwort, Downsizing ist der IT- Trend, der europaeische Unternehmen in den naechsten zwei Jahren am meisten beschaeftigen wird. Zu dieser Erkenntnis kommen nicht etwa Hersteller, die diese Entwicklung unterstuetzen, weil sie neue Marktchancen wittern. Einer umfassenden Anwenderbefragung zufolge sind es die Kunden selbst, die ihre Grossrechner entlasten, zusammenlegen oder ausmustern, weil sie aus dem Einsatz preiswerter und flexibler PC- und Workstation-Plattformen qualitativ wie finanziell Kapital schlagen moechten.

Im letzten Quartal 1993 fuehrten die europaeischen Filialen der Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" und der Yankee Group gemeinsam eine Anwenderbefragung durch, deren Ergebnisse in der Studie "IT in Europe: The Users Speak" erschienen sind. Ziel war es, herauszufinden, welchen Stellenwert Informationstechnologien und ihre Anbieter fuer europaeische Unternehmen haben. Die Analysten interviewten nicht nur IT-Manager, sondern auch Geschaeftsfuehrer und Vorstaende - so sollten die Differenzen der jeweiligen Interessen und Sichtweisen kenntlich gemacht werden.

Dabei zeigte sich, dass die meisten IT-Verantwortlichen die Moeglichkeiten der Informationstechnologie aehnlich beurteilen wie ihre Chefs. Allerdings nehmen letztere - wenig ueberraschend - Probleme und Restriktionen, die das Alltagsgeschaeft mit sich bringt, nicht so intensiv wahr wie die DV-Verantwortlichen.

Auch die Qualitaeten, die ein Anbieter vorweisen koennen sollte, werden vom Unternehmens-Management aehnlich eingeschaetzt wie von den DV-Bossen. Vielfach haben die Vorstaende und Geschaeftsfuehrer aber Probleme zu erklaeren, welcher Hersteller nun die geforderten Qualifikationen wirklich mitbringt. Im folgenden wollen wir die wichtigsten Befragungsergebnisse wiedergeben.

Technologischer Wandel

Zwei Megatrends in Sachen Technologie sehen die Firmen auf sich zukommen: 63 Prozent der Unternehmens-Manager und 68 Prozent der IT-Chefs gehen davon aus, dass sich PCs und Workstations als Endgeraete auf breiter Front durchsetzen werden. Diese Desktops, so meinen ebenso viele Befragte, werden ueberwiegend in unternehmensweite LANs eingebunden.

In der Rangliste der Technologien mit den besten Zukunftschancen folgen nach der PC- und LAN-Technik tragbare Rechner unterschiedlichster Art sowie Groupware- und Multimedia-Produkte. Deren Einsatz plant jeweils mehr als ein Viertel der Unternehmen.

Organisatorischer Wandel

In organisatorischer Hinsicht geht mit dem PC- und Workstation- Boom ein anhaltender Down- sizing-Trend einher. 58 Prozent der IT- Chefs und die Haelfte der Manager halten dies fuer den wichtigsten Wandel. Weitere Phaenomene sind ein stark wachsendes Interesse an der RZ-Konsolidierung, das 40 Prozent der IT-Verantwortlichen und 26 Prozent der Manager bekunden, sowie die intensive Beobachtung des Outsourcing-Marktes. Hier werden drei Spielarten in Erwaegung gezogen: der Fremdbetrieb von PCs und LANs, die Auslagerung des Rechenzentrums und die Nutzung der Weitverkehrsnetze von Drittanbietern. All diesen von Anwendern praeferierten Organisationsmassnahmen liegt das Ziel zugrunde, die operationalen IT-Kosten zu senken.

Allerdings sieht auch eine erhebliche Anzahl von Managern - genau 30 Prozent - keinerlei organisatorische Veraenderungen im IT- Bereich vorher. Diese Gelassenheit legen angesichts des raschen Fortschritts in den Forschungs- und Entwicklungslabors der Hersteller nur elf Prozent der IT-Chefs an den Tag.

Das IT-Verstaendnis im Unternehmen

"Informationstechnologie ist von strategischem Nutzen, wir ziehen aus ihr einen Wettbewerbsvorteil" - diese grundsaetzlich positive Einschaetzung teilen trotz aller Diskussionen um Outsourcing und Rueckbesinnung auf das Kerngeschaeft noch immer 49 Prozent der Unternehmens- und 51 Prozent der IT-Manager. Die Yankee Group identifiziert vor allem Konzerne aus der Banken-, Finanz- und Versicherungswelt als Verfechter dieser These. Kaufentscheidungen treffen diese Gesellschaften auf zentraler Ebene; es gibt eine Liste mit bevorzugten Anbietern, die nicht selten von der IBM angefuehrt wird.

Dagegen halten 27 Prozent der Fuehrungskraefte und mehr als ein Drittel der IT-Chefs Informationstechnologie zwar fuer strategisch wichtig, aber nicht fuer einen "Kernbestandteil" der Unternehmensstrategie. Vor allem Firmen mit einem Schwerpunkt in der Fertigung vertreten diese These.

Die Yankee Group hat dafuer eine Erklaerung: Diese Branche war aufgrund oekonomischer Schwierigkeiten in den letzten zwei Jahren stark von Fusionen und Akquisitionen betroffen. Folge sei eine haeufig vorzufindende paneuropaeische oder globale Ausrichtung, die informationstechnologisch unterstuetzt werden muesse. Bevorzugte Anbieter dieser international agierenden Konzerne seien Digital Equipment sowie Servicekonzerne, vor allem Andersen Consulting.

Wenig verbreitet ist in Management-Kreisen die Meinung, Informationsverarbeitung unterscheide sich in keiner Weise von anderen unterstuetzenden Funktionen im Unternehmen, etwa dem Fuhrpark oder der Kantine (21 Prozent). Eine solche Geringschaetzung zeigen laut Yankee Group und "Wall Street Journal" vor allem Geschaeftsfuehrer kleinerer Unternehmen, die in den naechsten beiden Jahren keine groesseren organisatorischen Veraenderungen erwarten. Sie treffen Kaufentscheidungen ueberwiegend nach preislichen und weniger nach strategischen Erwaegungen.

Kaufentscheidungen

Auf die meisten Anschaffungen im IT-Bereich haben in europaeischen Firmen weniger die Headquarters als lokale Niederlassungen und Werke starken Einfluss (55 Prozent). Weitere 14 Prozent der befragten Unternehmen entscheiden zumindest im europaeischen Raum auf Nie- derlassungs- oder Werksebene mit, allerdings nicht auf globaler Ebene. Der Anteil an Gesellschaften, in denen einzelne Lokationen keinerlei Mitbestimmungsrecht erhalten, ist mit rund 24 Prozent relativ klein.

Obwohl also die meisten Filialen und Werke auf Kaufentscheidungen Einfluss nehmen koennen, muessen sie bei Anschaffungen von Equipment und Services im Wert von ueber 100000 Dollar doch entweder die Zustimmung der Zentrale einholen (45 Prozent), oder das Hauptquartier tritt selbst als Kaeufer auf (33 Prozent). Beschaffungsrichtlinien, an die sich alle Einkaufsbevollmaechtigten zu halten haben, gibt es in zehn Prozent der Unternehmen.

Bevorzugte Anbieter

Eine weltweite oder europaeische IT-Politik, die eine limitierte Gruppe von Anbietern als strategische Partner bevorzugt, verfolgt ein Drittel der Unternehmen. Das gilt vor allem fuer groessere Konzerne mit einer Mitarbeiterzahl von mehr als 10000. Der Umkehrschluss: Zwei Drittel der befragten Unternehmen setzen nicht mehr auf den Namen des Anbieters, sondern allein auf die Technologie und Leistung, die ihnen geboten wird.

Von insgesamt 172 Firmen, die angeben, eine herstellerorientierte Strategie zu verfolgen, schenken 56 der IBM ihr Vertrauen - ungeachtet der Schwierigkeiten, mit denen der Branchenprimus seit einiger Zeit zu kaempfen hat. Auf den weiteren Raengen der Beliebtheitsskala folgen Hewlett-Packard (36), Digital Equipment (26), Compaq (16), Microsoft (15) und Sun Microsystems (9).

Dienstleistungskonzerne wie EDS, Computer Science (CSC) oder die IBM-Servicetochter ISSC, die als Implementierer strategischer Unternehmensloesungen eine Langzeitpartnerschaft anstreben, schneiden laut Yankee Group nur maessig ab. Unter den Top Five der Software- und Service-Branche befindet sich nur Andersen Consulting (siehe Abbildung 1). Die Analysten schliessen daraus: Europas Anwender entwickeln und integrieren ihre strategischen Programme auch kuenftig selbst.

Als Kriterien fuer die Auswahl des IT-Partners nennen knapp die Haelfte der Manager und gleichermassen der IT-Chefs einen moeglichst hohen Service- und Supportlevel, die zeitnahe und budgetgerechte Lieferung von Loesungen sowie den Preis. Fuer IT-Verantwortliche ist die Unterstuetzung offener Systeme und Industriestandards weit wichtiger als fuer die Unternehmenschefs.

Weitere Kriterien bei der Partnersuche sind ein moeglichst gutes Verstaendnis des Anbieters vom Geschaeft des Kunden, europaweiter Support, finanzielle Stabilitaet, technologische Fuehrerschaft, ein hoher Servicelevel - und unter Umstaenden ein gutes Verhaeltnis zwischen den Management-Etagen von Anbietern und Kunden.

Wer wurde befragt?

Insgesamt 27 Fragen gingen an 3000 europaeische Unternehmen. Der Ruecklauf lag bei deutlich mehr als 300 Einsendungen. Zu 37 Prozent stammen die Antworten von Mitarbeitern des IT-Managements. 63 Prozent kamen aus unterschiedlichsten Unternehmensfunktionen, darunter Geschaeftsfuehrung und Vorstand, Vice-President, Finanz- und Controlling-Direktion etc.

Als besonders mitteilungsfreudig erwies sich die Banken- und Finanzindustrie, deren leitende Mitarbeiter ein Viertel der Antworten beitsteuerten. Ein mit 22 Prozent ebenfalls betraechtlicher Anteil der Auskuenfte erreichte die Analysten aus der Fertigungsindustrie. Weitere Branchen, die repraesentiert sind: Handel, Oel, Gas, chemische, medizinische und pharmazeutische Industrie, Transportwesen, Regierung und Behoerden etc.

Immerhin 24 Prozent der befragten Firmen beschaeftigen mehr als 20 000 Mitarbeiter. Ebenfalls zu den Grossunternehmen zaehlen weitere 22 Prozent, bei denen 5000 bis 20 000 Personen in Lohn und Brot stehen. Alle anderen Befragten gehoeren mit weniger als 5000 Mitarbeitern zur unteren Kategorie. Ueber die Haelfte der Einsendungen stammt aus den drei Laendern Grossbritannien (27 Prozent), Deutschland (13) und Frankreich (11).