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02.07.1999 - 

Europas erste virtuelle Versicherung stellt sich vor

MÜNCHEN (uo) - Die Ineas Insurance Company N.V. ist die erste virtuelle Versicherung Europas. Ihre Geschäftsidee: Sie nutzt das Internet zur Distribution ihrer Produkte und zur Verknüpfung ihrer Organisationseinheiten. Dabei handelt es sich um eigenständige Unternehmen in verschiedenen Ländern.

"Virtuell", das hört Niek Ligtelijn, Vorstandsvorsitzender von Ineas, nicht gern: "Wir sind eine richtige Versicherung und bieten reale Produkte an." Im Dezember 1998 erhielt die Aktiengesellschaft ihre Zulassung als Versicherung von der niederländischen Aufsichtsbehörde. Das Sicherheitskapital beläuft sich auf rund drei Millionen Dollar. Der Ineas-Firmensitz befindet sich in Amsterdam. Dort arbeiten derzeit 15 Mitarbeiter; weitere 100 Mitarbeiter beschäftigt Ineas im europäischen Ausland.

Darüber hinaus sieht das ökonomische Modell die Auslagerung von Kernkompetenzen an Partnerfimen vor. In Deutschland arbeitet etwa die Dekra als Schadensregulierer für Ineas. Für den DV-Betrieb zuständig sind CAF, München, die im Januar dieses Jahres von der PMS Micado Software Consult GmbH gekauft wurde, ID GmbH in Kevelaer, die belgische Firma LDF sowie die niederländischen Unternehmen Lead Architect und Digital Valley.

Rückversichert ist Ineas bei der Schweizer Rück, der Kölner Rück und der französischen Scor. Auch anstelle von firmeninternen Organisationseinheiten, Rechts- und Marketing-Abteilungen unterhält die Versicherung Beziehungen zu Partnerfirmen. "Dadurch ist Ineas ein wahrhaft europäisches Unternehmen, das zugleich sehr flexibel in seiner Organisationsstruktur sein und preisgünstig arbeiten kann", argumentiert Ligtelijn. Die Partner sucht er in Abwägung des Preises und der Leistung heraus. Ihre Anzahl ist je nach Ausdehnung des Geschäfts variabel, und der Standort ist durch die Vernetzung nahezu irrelevant. "Unser Geschäftsmodell ist auf Skalierbarkeit ausgerichtet."

Auch die Absatzmärkte sind europäisch. In rund vier Wochen wird das Unternehmen in den Niederlanden seinen Betrieb aufnehmen. Ab Herbst dieses Jahres stehen die Dienstleistungen auch in Deutschland und Belgien zur Verfügung. Die Distribution in Frankreich und Großbritannien soll bald danach erfolgen.

Die Unternehmensorganisation gleicht somit einem bunten Steckspiel mit Ineas im Zentrum. Der Vertrieb dagegen läuft nur über einen Kanal: das Internet. Vom Angebot über Tarifierung und Policierung und Schadensabwicklung läuft die Kundenbetreuung ausschließlich über das Web.

Potentielle Kunden können sich anonym über die Ineas-Produkte informieren und ihre Prämien kalkulieren. Kommt es zum Vertragsabschluß, erhalten die Versicherungsnehmer eine eigene Domaine, so daß sie beispielsweise jederzeit, ihre Vertragskonditionen abrufen und bei mehreren Policen die Übersicht behalten können. In Schadensfällen bietet die Versicherung Statusberichte zur Bearbeitung des Vorgangs an. Der sonst in der Branche übliche Schriftverkehr entfällt. Allein in Deutschland ist aufgrund der Rechtslage der Vertragsabschluß nur über den Postweg möglich. Der Vertrag erhält seine Gültigkeit mit einer Unterschrift. Bei Problemen steht den Ineas-Kunden auch der Service eines Call-Centers zur Verfügung.

Erscheinen die Organisationsform und der Vertriebsweg noch ungewohnt, sind die Zahlungsweisen und Produkte von herkömmlicher Art. Damit sind elektronisches Geld, aber auch Kreditkartenverfahren ausgeschlossen. Möglich sind Schecks, Überweisungen und Lastschriften.

Bei den Produkten ist laut Ligtelijn der Wiedererkennungseffekt wichtig. Daher will er zunächst in den jeweiligen Ländern übliche Standardversicherungen für den Privathaushalt anbieten: Produkte für die Privathaftpflicht, den Hausrat, für den Wohngebäude-, Unfall- und Kfz-Schutz.

Die Beschränkung auf bekannte Versicherungstypen hat mehrere Gründe. Zum einen kann es aufgrund der unterschiedlichen nationalen Gesetze noch kein europäisches Produkt geben. Zum anderen existieren in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Ausprägungen eines Produkts, etwa der Autohaftpflicht. Sodann dürfen die Konditionen einer Versicherung nicht zu komplex sein, um die Klientel nicht zu verschrecken.

Außerdem sollen sich die Produkte leicht mit denen der Konkurrenz vergleichen lassen. Nur so kommt die Marketing-Strategie des Unternehmens zum Tragen. Die im Vergleich zu traditionellen Verfahren billigeren Online-Transaktionen, die schlanke Organisation und die moderne, preiswerte technische Infrastruktur sollen als Preisvorteile an die Kunden weitergegeben werden.

Die Neugründung Ineas hat keine DV-Altlasten zu bewältigen. So gibt es weder ein Jahr-2000- noch ein Euro-Problem. Die Internet-Lösung muß nicht erst an in Jahrzehnten entwickelten Back-Office-Lösungen und Mammut-Datenbestände angeschlossen werden. Im Zentrum der Ineas-DV steht die Microsoft-Datenbank "SQL Server" sowie eine AS/400-Anwendung von Innovative Datenverarbeitung GmbH, Kevelaer, die mit Hilfe von "Cold Fu- sion" der Firma Allaire neue Benutzer-Interfaces bekommen hat. Zum Schutz der Firmen-DV setzt Ineas "Altavista"-Firewalls ein.

Um das Geschäftsmodell einer Online-Versicherung erfolgreich zu machen, reicht es nicht, bekannte Produkte preiswert anzubieten. Das sieht auch der Chef so. Wesentlich dafür sei ein verbesserter Service für den Kunden. Immerhin gestatte es das Medium Internet, mit den Kunden in direkten Kontakt zu kommen. Zudem sorgten die interaktiven Web-Seiten für Bearbeitung der Anliegen ohne Verzögerung.

Ligtelijn weigert sich, zu prognostizieren, wieviel Umsatz er etwa in einem Jahr erwirtschaftet haben will oder wieviel Prozent Marktanteil zu Lasten der etablierten Versicherungen erringen können wird. Skeptiker der Versicherungsbranche räumen dem Online-Geschäft nur wenig Chancen ein. So sei für das notwendige Vertrauen des Kunden zum Versicherer ein persönlicher Kontakt unerläßlich. Zudem sei Versicherungsschutz nur aktiv zu verkaufen, der Versicherer müsse den Bedarf erst wecken. Dagegen setzt die Internet-Vermarktung aktive Suche der Kunden voraus.

Doch Ligtelijn, ein alter Hase in der Branche, verweist im Gegenzug darauf, daß sich auch nicht jeder von einem Versicherungsmakler beschwatzen lassen will. Seine Klientel sucht Ineas bei denen, die heute bereits das Internet nutzen, und die es mögen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Und dieser Kundenkreis wachse. So werde eine Autohaftpflicht in Großbritannien bereits zu 70 Prozent am Telefon verkauft, in den Niederlanden zu 35, in Deutschland aber erst zu zehn Prozent.

Außerdem werde der Ineas-Erfolg durch den erstarkenden EU-Binnenmarkt begünstigt, den die etablierten Versicherungen erst jetzt wahrnehmen. Zudem haben sie laut Ligtelijn erst 1997 mit der Umsetzung der 1994 in Kraft getretenen Deregulierung begonnen. Sein Konzept sei jedoch von vornherein auf keinen nationalen Markt ausgerichtet. Letztlich werde Ineas dafür sorgen, daß sich Vertrauen aufbauen kann, durch eine zuverlässige Bearbeitung, insbesondere im Schadensfall. "Gleich unsere ersten Kunden werden richtig happy sein..

Der Kopf

Niek Ligtelijn, heute der Vorstandsvorsitzende von Ineas, kann mit seinen 52 Lenzen auf nahezu 30 Jahre Erfahrung in der Versicherungsbranche verweisen. Als Vorsitzender der Amsterdamer Versicherungsbörse sorgte er für die erste Versicherungs-Site in den Niederlanden.