Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.07.2007

Europas IT-Dienstleistern drohen Übernahmen

An der Börse sind die Werte von europäischen IT-Serviceanbietern stark gestiegen - ein Indiz dafür, dass Übernahmen bevorstehen.

Zu den Konzernen, von denen Zukäufe erwartet werden, zählen IBM und Hewlett-Packard (HP) sowie indische Anbieter wie Infosys und Tata Consultancy Services, so spekuliert das "Wall Street Journal". Auch Private-Equity-Gesellschaften ständen in den Startlöchern, um strauchelnde Dienstleister zu übernehmen, fit zu machen und teuer an die Global Player zu verkaufen.

Der europäische IT-Servicemarkt gilt als fragmentiert: In jedem Land haben zwei, drei Anbieter das Heft in der Hand, eine Vielzahl kleinerer Servicefirmen vervollständigt das Bild. Damit ist einer Konsolidierung Tür und Tor geöffnet.

Der Markt hat sich in den letzten zehn Jahren stark gewandelt: Zum einen begannen Anwender nach dem Platzen der Internet-Blase mit einem Sparprogramm ohnegleichen. Zum anderen änderten sich die Anforderungen an Servicelieferanten: Zu Argumenten wie lokaler Präsenz, Branchenwissen und Kundennähe gesellten sich andere Kriterien, allen voran der Preis und die Fähigkeit, global zu liefern. Billiganbieter aus Indien und Osteuropa wurden wichtiger.

Konzerne mit ungünstigen Kostenstrukturen, fehlender internationaler Ausrichtung oder schlicht dem falschen Angebot gerieten in die Bredouille. So erklärte die Deutsche Telekom, sie wolle T-Systems verkaufen oder in eine Partnerschaft einbringen. Japans Fujitsu Ltd., einer der stärkeren Global Player, bot im vergangenen Monat 560 Millionen Dollar für die französische GFI Informatique SA eine Offerte, die zunächst abgelehnt wurde.

Infosys soll Interesse an Capgemini zeigen

Die britische Logica CMG gilt ebenfalls als Übernahmekandidat, auch wenn das Unternehmen offiziell nichts davon wissen will. Vergangene Woche erhielt außerdem die Amsterdamer Getronics NV ein Angebot von einem bislang nicht genannten US-Konzern. Capgeminis Börsenkurs kletterte vergangene Woche um acht Prozent - Brancheninsider spekulieren, dass Infosys ein Auge auf die Franzosen geworfen habe. Die beiden Anbieter verweigern die Aussage.

Atos Origin - Spielball der Finanzjongleure

Für mittelgroße europäische IT-Dienstleister ist das Risiko, wenn sie so weitermachen wie bisher, beträchtlich. Wie man zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen aus Wirtschaft und Finanzinvestoren hin und her geworfen sein kann, zeigt das Beispiel von Atos Origin. Die Franzosen hatten im vergangenen Jahr detaillierte Verhandlungen mit T-Systems geführt, doch die Fusion kam nicht zustande, weil beide Seiten den Daumen auf dem Joint Venture haben wollten. Danach hatte Atos Origin ein Angebot von HP bekommen und rundheraus abgelehnt - Letzteres berichtet das Wall Street Journal mit Bezug auf Insiderinformationen.

Schließlich beteiligte sich der Londoner Hedge Fonds Centaurus Capital Ltd. mit zehn Prozent an Atos Origin und war damit größter Aktionär. Die Briten drängten auf einen schnellen Verkauf, und der Verwaltungsrat beschloss, Atos Origin am Markt feilzubieten. Rasch meldete sich die Private-Equity-Gesellschaft Permira mit einem großzügigen Angebot, behielt sich dabei aber vor, zunächst eine Stärken-Schwächen-Analyse vorzunehmen. Atos gestattete Permira die Due Diligence und bot mit Silver Lake Partners gleich noch einer zweiten "Heuschrecke" an, das Unternehmen auf Herz und Nieren zu prüfen.

Als die Prüffrist um war und ein Angebot der beiden Finanzgesellschaften eingehen sollte, geschah nichts. Insider berichteten, die Kapitalgellschaften hätten sich angesichts der dünnen Profitmargen in einigen Großverträgen zurückgezogen. Inzwischen heißt es bei Atos Origin, "eine Zukunft in Unabhängigkeit ist die beste wertschöpfende Option für alle Stakeholder".

Das Beispiel von Atos Origin zeigt nicht nur die neuen Kräfteverhältnisse im Markt, sondern auch, dass nicht alle europäischen IT-Dienstleister in einer Verfassung sind, die sie für Kaufinteressenten begehrenswert macht. T-Systems beispielsweise sucht schon lange nach einem Käufer oder Partner bislang ist jedoch nichts passiert. Auch für Siemens IT Solutions and Services (SIS, vormals SBS) bestand die Option einer Heirat mit einem anderen Dienstleister. Doch offensichtlich blieben die Angebote aus. Siemens trennte sich von kleineren Teilen des Unternehmens und führte den Rest enger an den Konzern heran.

Angesichts solcher Entwicklungen glaubt Pierre-Yves Cros, Strategiedirektor bei Capgemini, das bessere Rezept zu haben. Dem Wirtschaftsblatt sagte Cros: "Unsere Aktionäre sind besser dran, wenn wir neue Kunden dort ansprechen, wo ihr angestammter Dienstleister strauchelt, als wenn wir den schwächelnden Rivalen selbst kaufen." Cros schließt nicht aus, dass die Konsolidierung eher von den Finanzjongleuren der großen Private-Equity-Gesellschaften getrieben wird als von den Dienstleistern selbst. Allerdings müssten die Börsenbewertungen der Kandidaten erst einmal wieder sinken, bevor etwas passiere. (hv)