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10.10.1997 - 

Studien bekräftigen Chancen für Anbieter von Business-Lösungen

Europas Manager freunden sich mit E-Commerce an

Die Analysten schätzen die Zukunftsaussichten im Electronic Commerce insgesamt als vielversprechend ein. Obwohl bei vielen Endkunden noch eine starke Verunsicherung gegenüber Einkäufen via Internet vorherrscht (siehe CW Nr. 39 vom 26. September 1997, Seite 25), bewertet die Mehrheit der befragten Firmen ihr Online-Engagement durchaus positiv. Gallup befragte über 600 Entscheidungsträger aus je 200 führenden Unternehmen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu ihren Erfahrungen und Erwartungen in bezug auf den Nutzen des Internet. Beinahe 70 Prozent beurteilen die Implementierung von Web-Technologie als wichtiges Kriterium für die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens.

Zu einer Änderung grundsätzlicher Firmenstrategien hat das Internet jedoch in den meisten Fällen nicht geführt. Diese Vorsicht mag dazu beigetragen haben, daß sich der über das Web erzielte direkte Profit bisher kaum in den Gesamtbilanzen der Unternehmen niederschlägt. Überhaupt nutzen bisher nur 37 Prozent der Befragten das Internet für den Handel mit anderen Firmen oder Endkunden.

In den Chefetagen wird die Internet-Präsenz der eigenen Firma heute in erster Linie mit dem damit verbundenen Image-Gewinn begründet. Von Intranets hingegen erhoffen sich die Verantwortlichen eine gesteigerte Arbeitseffektivität innerhalb des Unternehmens. Noch vor einer stärkeren Kundenbindung, besseren Mitarbeiterbeziehungen und einer engeren Zusammenarbeit mit Zu- beziehungsweise Auslieferern rangiert bei den Befragten die Chance, Serviceleistungen via Internet effizienter abzuwickeln oder die Produktqualität zu steigern. Bei der Nutzung des Web dominieren in Europa zur Zeit noch dessen Urkompetenzen, Informationsgewinnung und Kommunikation, gegenüber konkreten Verdienstmöglichkeiten im operativen Geschäft. Mit anderen Worten: Der elektronische Handel steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch das Kind beginnt zu laufen.

Für über zwei Drittel der von Gallup befragten Manager war der Nutzen des Online-Engagements jedenfalls die Investitionen dafür wert.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, daß immerhin 59 Prozent der Befragten von internen Widerständen im Zuge der Einführung neuer Internet- oder Intranet-Projekte berichten. Interessant sind hier die regionalen Unterschiede: In Deutschland äußert in erster Linie das Management Bedenken, während in Großbritannien überwiegend die Finanzabteilungen für Gegenwind sorgen. In Frankreich wiederum sträuben sich vornehmlich wenig computerbegeisterte Angestellte sowie IT-Abteilungen, die Sicherheitsgründe geltend machen.

Die Gallup-Studie sorgte bei der Frage nach einer Regulierung des Internet für eine Überraschung. Die meisten Führungskräfte in den befragten Unternehmen sprachen sich für mehr staatliche Interventionen aus. Etwa 80 Prozent befürworten eine schärfere Überwachung von Online-Betrügereien und Pornographie. Zwei Drittel der Antwortenden möchten, daß sich staatliche Stellen vermehrt um Verbraucherrechte und Datensicherheit kümmern. Viele Unternehmen wünschen sich zudem ein stärkeres Internet-Engagement des Staates in Schulen, Bibliotheken und anderen öffentlichen Bereichen.

Diese Aussagen dokumentieren die Einsicht der Verantwortlichen, daß das Vertrauen der Endanwender in E-Commerce-Anwendungen durch verläßliche Rahmenbedingungen gestärkt werden muß, bevor mit dem Internet Geld zu verdienen ist. Eine Erkenntnis übrigens, die zur Gründung der In- itiative "Competence Network Electronic Commerce" (CNEC, siehe Kasten) beigetragen hat. Alles in allem stehen europäische Firmen dem Online-Business aufgeschlossen, aber durchaus kritisch gegenüber. Grund zu Optimismus dürfte den Verantwortlichen eine von Gallup zitierte Prognose geben, daß mit kommerziellen Web-Sites im Jahre 2000 in Europa etwa 70,3 Milliarden Mark zu erwirtschaften sein werden.

Bei derartigen Aussichten werden auch die Anbieter von E-Commerce-Lösungen leuchtende Augen bekommen. Schließlich ist kaum ein Unternehmen in der Lage, solch komplexe Anwendungen aus eigener Kraft einzurichten. Jüngste Untersuchungen von Datamonitor bestätigen das große Marktpotential in diesem Bereich. Analysten erwarten in Europa einen Anstieg bei den Ausgaben für E-Commerce-Systeme allein im Business-to-Business-Sektor von 830 Millionen Dollar im Jahr 1998 auf 12,8 Milliarden Dollar im Jahr 2001. Bei der Neuinstallation von E-Commerce-Systemen muß die Anbindung an die vorhandene Infrastruktur eines Unternehmens Hand in Hand mit der Berücksichtigung kritischer Faktoren wie elektronische Bezahlung oder sicherer Umgang mit Kundendaten gehen. Die höchsten Gewinne sind daher nicht mit Hardware oder Standardsoftware zu erzielen, sondern mit Dienstleistungen wie Beratung, Systemintegration, Design und kundenspezifischer Programmierung. Zeitintensive Angebote sind zudem weniger anfällig für Preissenkungen, wie sie im Markt für Hardware und Standardsoftware auch in den nächsten Jahren zu erwarten sind.

Im Business-to-Business-Sektor (BtB) zeichnet sich nach Ansicht von Datamonitor eine Verlagerung von eher proprietären VANs auf Internet-basierte Systeme ab. Heute werden noch 99 Prozent aller E-Commerce-Anwendungen im BtB über private Netzwerke abgewickelt. Das Web ist meist nicht mehr als eine ergänzende Lösung zu klar definierten, nicht produktionsbezogenen Zwecken wie Datenbank-Sharing. Treibende Kraft hinter einer Veränderung der Marschrichtung sind kleinere Unternehmen, die in den kommenden Jahren verstärkt zum elektronischen Handel drängen. Diese können sich eigene VANs meist nicht leisten und bevorzugen Low-end-Lösungen auf der Basis skalierbarer Web-Technologie. Realisieren heute erst 385 europäische Unternehmen ihre kompletten E-Commerce-Anwendungen im Business-to-Business via Internet, so werden es nach Einschätzung von Datamonitor im Jahre 2002 bereits mehr als 245000 Firmen sein.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Europa dem US-Trend zu vollintegrierten, auf Internet-Technologie basierenden Systemen für die Abwicklung elektronischer Geschäftsabläufe sowohl im Endkundenbereich als auch im Business-to-Business folgt. E-Commerce entwickelt sich vom bloßen Dokumentenaustausch zu komplexen Prozessen mit der Integration von Verkauf, Logistik, Bezahlung und Versorgung. Echtzeit-Workflow-Systeme via Internet werden die im Business-to-Business-Bereich vorherrschenden VANs mittelfristig ablösen. Produzenten sollten sich daher darauf konzentrieren, Produkte und Dienste anzubieten, welche die Leistungen der heute etablierten, proprietären Lösungen übertreffen. Stichworte sind hier Skalierbarkeit, leichte Einbindung in vorhandene Strukturen, individuelle Anpassung sowie problemlose Bedienung und Wartung. Darüber hinaus können Regierungsinitiativen in Verbindung mit einem vorhersehbaren und verläßlichen regulatorischen Rahmen, möglichst auf internationaler Ebene, zum Erfolg von Electronic Commerce maßgeblich beitragen.

CNEC - Aufgaben und Ziele

Das Compentence Network Electronic Commerce (CNEC) geht auf eine Initiative der Deutsche Bank AG und des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität Frankfurt am Main zurück. Es ist als offenes Netzwerk für Experten konzipiert, die besondere Kompetenzen in relevanten Teilgebieten des Electronic Commerce einbringen. Das CNEC will allen Interessierten Informationen zu betriebswirtschaftlichen, technologischen und rechtlichen Aspekten des elektronischen Handels bieten. Zu diesem Zweck steht auf der Internet-Seite des CNEC http://www.cnec.org unter anderem eine Datenbank mit ausgesuchten wissenschaftlichen und technischen Artikeln, Nachrichten und Fallstudien zur Verfügung. Der Austausch zwischen Praktikern und Wissenschaftlern soll zum verstärkten Einsatz sowie zur Entwicklung von E-Commerce-Lösungen beitragen.

Kontakt: Professor Wolfgang König, Thomas Rebel; Universität Frankfurt am Main, Institut für Wirtschaftsinformatik, Mertonstraße 17, 60054 Frankfurt am Main; Telefon: 069/79 82 33 18