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31.03.2000 - 

Deutsch-schwedische Firmenhochzeiten

Europas Web-Agenturen formieren sich neu

MÜNCHEN (CW) - Die Szene der europäischen Internet-Agenturen konsolidiert sich. Vor allem in deutsch-schwedischer Hinsicht - den beiden führenden Ländern in diesem Segment. Die Bertelsmann-Tochter Pixelpark unterstrich jetzt mit der Übernahme ihrer nordischen Wettbewerber Cell Network und Mandator ihre Weltmarktambitionen. Umgekehrt haben die schwedischen Agenturen Information Highway und Connecta die Verschmelzung mit der Düsseldorfer Berens/ Partner AG angekündigt.

Sie heißen Razorfish, US-Web/CKS oder AXL. Die deutschen Pendants der im Markt für Furore sorgenden US-Internet-Agenturen sind ebenfalls seit längerem bekannt: Pixelpark, Sinner Schrader, Kabel New Media, Gauss Interprise, um nur ein paar Namen zu nennen. Eher ein Geheimtip unter Branchenkennern waren bis dato schwedische Web-Designer und -Dienstleister wie Icon Medialab, Framfrab und Connecta, wenngleich diese den Vergleich mit der Konkurrenz in keiner Weise zu scheuen brauchen. Jetzt, so scheint es, zeichnet sich zumindest auf europäischer Ebene eine nachhaltige Marktkonsolidierung ab.

So sorgte Pixelpark Mittwoch vergangener Woche für einen Paukenschlag. Die größte deutsche Internet-Agentur übernahm die beiden schwedischen Wettbewerber Cell Networks und Mantador via Aktientausch im Wert von rund 2,4 Milliarden Euro. Der dadurch laut Pixelpark-Chef Paulus Neef entstehende "Marktführer der europäischen Internet-Industrie" wird mehr als 2300 Mitarbeiter in Europa, Asien sowie den USA beschäftigen und für 1999 einen Pro-forma-Umsatz von 174 Millionen Euro ausweisen. Die Transaktion soll bereits im Mai abgeschlossen sein. An dem Unternehmen "Neues Pixelpark", das ebenfalls am Neuen Markt notiert sein wird, werden die bisherigen Pixelpark-Aktionäre 56,6 Prozent der Anteile halten.

Bereits einen Tag zuvor hatten die schwedischen Web-Design-Agenturen Information Highway und Connecta den Kauf der Düsseldorfer Multimedia-Schmiede Berens/Partner AG angekündigt. 225 Millionen Euro in Form neuer Aktien lassen sich die beiden Nordlichter die Fusion mit ihrem deutschen Wettbewerber kosten. Der Merger, der ebenfalls bis Ende Mai über die Bühne gehen soll, hat auch dasselbe Ziel: die europäische Marktführerschaft. Allerdings muss die neue Unternehmsgruppe, deren Name noch nicht feststeht, im Vergleich zu Pixelpark derzeit auch noch kleinere Brötchen backen. Knapp 100 Millionen Mark Umsatz und 1350 Mitarbeiter bringt man in die Waagschale. Beide Deals dürften erst der Anfang noch weit größerer Umwälzungen sein. Die Branche, um die es geht, ist neu, und die Begrifflichkeiten beziehungsweise Abgrenzungen sind noch ungeklärt. Web-Designer, Multimedia-Agenturen, Internet-Dienstleister - das Etikett ist egal. Das Thema E-Business, also der lukrative Auf- und Ausbau von Inter-, Intra- und Extranet-Lösungen für Unternehmen, lockt.

Dabei zählt nur eines: Schnelligkeit bei der Besetzung internationaler Märkte. Streng genommen steht besagte Konsolidierung auch längst nicht mehr am Anfang, zumindest nicht in Schweden, wo es bei den Internet-Agenturen bereits zur Marktbereinigung gekommen ist. Cell Network und Mantador beziehungsweise Information Highway und Connecta hatten selbst erst im Februar fusioniert, bevor sie ihre Fühler nach Deutschland ausstreckten. Zusammen mit Icon Medialab (wo im vergangenen Jahr Fusionsverhandlungen mit Kabel New Media ergebnislos abgebrochen wurden) und Framfab, die selbst kräftig durch den Aufkauf kleinerer Agenturen im nationalen Revier wilderten, gehören sie zu den führenden Anbietern in Europa. Jetzt so der Eindruck, drängen die schwedischen Riesen kräftig auf den deutschen Markt.

Geringer Börsenwert Handicap der Schweden

Ein Grund hierfür dürfte ihr derzeitiges Hauptproblem sein: der Börsenwert. Icon Medialab war beispielsweise mit 1250 Beschäftigten und einem Umsatz (1999) von umgerechnet rund 100 Millionen Mark zuletzt nur halb so hoch wie die Bertelsmann-Tochter Pixelpark bewertet, die es mit 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 42 Millionen Mark auf eine Marktkapitalisierung von immerhin knapp drei Milliarden Euro brachte. Trotz der Tatsache, dass die Nordlichter nicht nur in puncto Umsatzentwicklung, sondern auch bei der Internationalisierung gegenüber ihren deutschen Wettbewerbern deutlich die Nase vorn haben, fehlte es ihnen bis dato aber offensichtlich an einem Börsenumfeld, das eine entsprechende Wachstumsphantasie honoriert. Ein Gang an die Nasdaq wird von den Schweden aber aufgrund der eingangs erwähnten starken US-Konkurrenz verworfen; ein Listing am Neuen Markt ohne Zukauf eines hiesigen Anbieters offenbar auch.

In den neuen deutsch-schwedischen Allianzen geht man deshalb von der vielzitierten "Win-win"-Situation aus. Ein eigener Börsengang hätte "unnötig Zeit und Geld und vor allem Management-Kapazitäten gekostet", bringt etwa Berens/Partner-Chef Jörg Berens seine Entscheidung für einen Merger gegenüber der CW auf den Punkt. Sein Unternehmen belegte 1999 mit rund elf Millionen Mark Umsatz und 130 Mitarbeitern Platz sechs im Ranking der deutschen Internet-Agenturen. Doch das Hauen und Stechen nimmt längst auch in der hiesigen Szene zu. Die Zahl der börsennotierten Anbieter steigt kontinuierlich - eine Tatsache, die diese Woche durch den Börsengang des Wettbewerbers Concept untermauert wurde. Die Schweden ihrerseits bringen nicht nur unternehmerische Masse, sondern auch Erfahrung in Geschäftsbereichen wie strategische Beratung ein. Als Europa-Chef der neuen Holding, die noch in diesem Jahr die Notierung am Neuen Markt anstrebt, will Berens jetzt dazu beitragen, das Leistungsportfolio der Gruppe "im Weltmarkt zu positionieren". Im Gegensatz zu den klassischen IT-Consultern wie Arthur Andersen und KPMG, die ebenfalls mit Vehemenz auf diesen Markt drängen, habe man nicht nur Know-how in der Management-Beratung, sondern auch "im Medien- und IT-Geschäft".

Auch Pixelpark dürfte in dieser Hinsicht von seinen schwedischen Neuerwerbungen profitieren. Ziel des deutschen Marktführers war es seit jeher, so Experten, nicht nur als Web-Design- oder IT-Agentur, sondern als Internet-Unternehmensberatung wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig könne man sich durch Niederlassungen überall in Europa sowie eine erweiterte US-Präsenz sowie in Südostasien als Global Player positionieren. Auch die Kundenstruktur der Berliner wird mit Namen wie Ericsson, Nokia, Saab und Volvo um nicht gerade No-Name-Companies erweitert. Zu den Umsatz- und Ertragsperspektiven äußerte man sich bei Pixelpark indes nicht. Während die Bertelsmann-Tochter noch Verluste schreibt, arbeiten die schwedischen Zukäufe schon profitabel, hieß es.

Abb.: Web-Agenturen an der Börse

Hohe volatilität: Der "Zukunftsmarkt" Internet schlug sich auch in den wechselhaften Kursen schwedischer Web-Agenturen nieder. Pixelpark legte indes auf eine beeindruckende Weise zu. Quelle: Consors