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22.05.1981

"European Computer Industry Briefing Session" der IDC in München:\Software-Engpaß hemmt Umsatz-Wachstum

MÜNCHEN (CW) Mehr als verdoppeln werden die bundesdeutschen Computeranwender von 1980 bis 1984 ihr Datenverarbeitungs-Budget und dann rund 63 Milliarden Mark gegenüber heute 27,2 Milliarden Mark für den EDV-Einsatz ausgeben. Nach einer jetzt in München präsentierten Studie der International Data Corporation (IDC) werden sich allein die Aufwendungen für Computer-Spezialisten bis 1984 von 4,12 Milliarden Mark auf 12,54 Milliarden Mark in der Bundesrepublik verdreifachen und 40,6 Prozent der gesamten EDV-Anwendungsausgaben darstellen.

Wenn die gegenwärtigen Wachstumstrends anhalten, überholen die Europäer bis 1984 mit insgesamt 106,2 Milliarden Dollar DV-Ausgaben die US-Anwender, die dann etwa 95 Milliarden Dollar für den Einsatz von Computern ausgeben werden. Der Prognose zufolge verteilen sich diese Ausgaben zu 40,6 Prozent auf Personalkosten, gefolgt von 26,3 Prozent Aufwendungen für Hardware und 14,5 Prozent Aufwendungen für Software. Nach Computer-Stückzahlen wird allein der Bereich der sogenannten "Desktop"-Computer (tischrechner und Personal Computer, bis zu 50 000 Dollar Kaufpreis) in der Bundesrepublik bis 1984 von heute knapp 11 000 auf mehr als 354 000 Einheiten explodieren.

Voraussetzung für das Wachsen des DV-Marktes sei, so Rolf-Dieter Leistef (ehemals IBM-Executive und heute Berater des Vorstandsvorsitzenden der AEG) auf der gleichen Veranstaltung, daß die Branche lernt, "wesentlich stärker Methoden und intelligentes Management als Hardware-Technologie zu beherrschen", weil sich in der jüngsten Vergangenheit bereits der Software-Engpaß stagnierend bemerkbar gemacht habe. Zuwachs sei nur noch über das Preis-/Leistungsverhältnis erzielt worden. Leister glaubt, daß der Anteil des Büro-Personals an der Gesamtbeschäftigtenzahl von derzeit 25 auf 40 Prozent steigen werde und deshalb die Bürokommunikation die größten Wachstumsimpulse auslösen werde, wobei es zu einer Verknüpfung von DV- und Endbenutzer-Systemen zu Kommunikationssystemen kommt.

Unabhängige Software gebietsweise unbedeutend

An den Arbeitsplätzen der Zukunft muß es möglich sein, an einem einzigen Endgerät gleichzeitig Daten, Sprache, Text und Bilder zu benutzen. Leister: "Aus diesem produktstrategischen Grund sehe ich zunehmend Zusammenschlüsse von Herstellern im Endgeräte- und Kleinsystem-Bereich." Es reiche nicht aus, wenn in dem volkswirtschaftlich am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweig "immer mehr Firmen das gleiche tun" - wie auf der Hannover-Messe zu sehen-, anstelle sich gegen einen etablierten internationalen Wettbewerb zusammenzuschließen. Der AEG-Berater weiter: "Wenn wir gegen die Konkurrenz von Herstellern im Kommunikationsgerätebereich aus dem Silicon-Valley erfolgreich sein wollen, müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte im Silicon-Valley üben. "

Zu differenzierten Aussagen je nach Region und Kategorie gelangte IDC-Consultant Phil Coathup, der den Zuhörern über Trends im europäischen Standardsoftwaremarkt berichtete. Systemsoftware - so eines seiner Hauptergebnisse - wird überwiegend eine Domäne der Hardwarehersteller bleiben. Dagegen wird der Markt für Utility-Software nach seiner Prognose von nahezu gleichgewichtiger Konkurrenz zwischen Hardware- und freien Softwareanbietern gekennzeichnet sein.

Wachsende Marktanteile der Unabhängigen erwartet Coathup auf dem Feld der Anwendungspakete. Hier seien die - meist international agierenden - Hardwarehersteller schon aufgrund der vielen in Europa existierenden Sprach- und Kulturbarrieren zu Zugeständnissen an die mehr national orientierten freien Softwarehäuser gezwungen. Coathup versuchte, diese Aussage durch eine geografisch ausgerichtete und nur auf den ersten Blick gegenläufige Betrachtung zu untermauern:

In den südeuropäischen Ländern nämlich - soviel sei erkennbar - seien die freien Softwareanbieter wegen der dort im Vergleich zum entwickelteren West- und Nordeuropa geringeren Marktvolumina und somit schwieriger zu amortisierenden Entwicklungskosten gegenüber den konkurrierenden Softwareproduzenten (Herstellern und individuellen Anwendern) relativ im Nachteil. Coathup stützte seinen Bericht auf eine von der IDC Mitte 1980 europaweit durchgeführte Untersuchung, bei der 9500 Anwender nach der Herkunft der von ihnen eingesetzten Software befragt worden waren.

Zu ihren Resultaten gehörten auch zwei Ranglisten der im Jahre 1979 größten freien Standardsoftware-Anbieter in Westeuropa und Deutschland:

"Wir müssen die Japaner auch als Kooperationspartner betrachten", stellte John Rehfeld, Vizepräsident der IDC in seinem Vortrag über japanische Marktstrategien fest, erinnerte jedoch gleichzeitig daran, daß Japan "zum Überleben" auf den Export angewiesen sei und versuche, weltweit Marktanteile zu gewinnen.

Japanische Unternehmen verfolgten die Strategie, Produkte erst auf dem heimischen Markt über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten zu testen.

Auf einigen Gebieten führten die Japaner zwar, jedoch seien auch deutliche Schwächen erkennbar, wie zum Beispiel bei der Entwicklung von Software, da eine Vernachlässigung der Praxis des Software-Unbundling das Entstehen unabhängiger Software-Häuser verhindert habe. Um die Japaner mentalitätsmäßig besser zu verstehen, müsse man wissen, so Rehfeld, daß ein Arbeitnehmer in der Regel sein Leben lang einem Unternehmen angehöre und dort innerhalb verschiedener Fachbereiche Aufgaben ausführe,. die konsequentes Lernen beinhalten.

Japanische Wirtschaftspolitik sei es, sagte Rehfeld, den Unternehmen bei Innovationen Risiken abzunehmen.

Rehfeld forderte die Zuhörer auf, den japanischen Markt in seiner Umgebung stärker zu studieren. "In den USA und Europa sind ungefähr 10 000 Asiaten damit beschäftigt, die Produkte und Eigenheiten des westlichen Marktes kennenzulernen, während auf der anderen Seite nur ungefähr 1000 Vertreter westlicher Firmen den japanischen Markt beobachten." Entwicklungen neuer Produkte, die 1982 auf europäischen und amerikanischen Märkten angeboten werden, seien schon jetzt in Japan im Einsatz.