Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

18.03.1988 - 

Schlafhorst vertraut auf IBM, Kompatible und Schasiepen:

Evolutionär praktizierte Bürokommunikation

*Jochen Ewe ist freier Journalist in München

Was schon die alte und hoffnungslos überlastete analoge Nebenstellenanlage konnte - und noch einige Dinge mehr, sollte das neue digitale PABX des Mönchengladbacher Maschinenbauunternehmens W. Schlafhorst & Co. auch können. Die Probleme. die dieses Vorhaben unerwarteterweise mit sich brachte, sind mittlerweile gelöst. An der Lösung waren beteiligt: der Schlafhorst-Unternehmensbereich "Systemtechnik/Bürokommunikation", das Ratinger Systemhaus Carl Schasiepen GmbH. die Bundespost und - als Hersteller - Ericsson/Eritron.

Schlafhorst hat damit sein vor etwa zwei Jahren gestartetes Konzept zum Einsatz der Informationsverarbeitung einen entscheidenden Schritt vorwärts gebracht. Zur Illustration: Das 5500-Mitarbeiter-Unternehmen Schlafhorst mit Standorten auch in Rheindahlen (Ortsteil von Mönchengladbach) und Palenberg arbeitet außer mit einer zentralen IBM 3090 mit einem DV-System-Mix aus zehn HP 1000, vier Ericsson-Eritron, einer Prime 9950, einer Prime 2550, einer VAX 750/11 von DEC und einer Anzahl IBM-PCs. Hinzu kommt eine Fülle von Terminals und von High-Tech-Systemen wie Telex, Teletex, Telefax, Fotosatz und Zeitdatenerfassung unterschiedlichster Hersteller.

"System-Mix" ist hier so zu verstehen, daß bereits eine weitgehende Integration aller Systeme erreicht werden konnte. Als Beleg dafür sei auf Schlafhorsts Konvertierung von der Sperry- auf die IBM-Groß-EDV und die anschließende Implementierung einer IBM-kompatiblen Bürokommunikationsumgebung (Eritron) verwiesen. Hierher gehört die auch unter MAP-Aspekten erfolgte Implementierung des Breitband-LAN von Allen-Bradley, einer "Terminal-an-Rechner"-Anbindung über V.24-Schnittstelle und Koaxialkabel.

Entscheidung gegen IBM

Das Schlafhorst-Management - an seiner Spitze Dr. Frank Paetzold, zugleich auch VDMA-Präsident - stellte dem von Annette Wisser geleiteten Bereich "Systemtechnik/Bürokommunikation" für die Realisierung des systemtechnischen Konzepts das Ratinger Systemhaus Schasiepen an die Seite. Schasiepen steht bereits seit rund 13 Jahren mit Schlafhorst in Geschäftsbeziehung.

Um das von Annette Wisser favorisierte Konzept, Eritron-Systeme als Basis für den Bürobereich einzusetzen, gegen die mächtige Konkurrenz von Big Blue durchzudrücken, bedurfte es unter anderem konkreter Kompatibilitätsbeweise. Schasiepen mußte, wie Geschäftsführer Martin Höchsmann berichtet, unter anderem die "Disoss"-Kompatibilität der Eritron-Systeme in praxi vorführen. Den Ausschlag gegen eine blau eingefärbte Bürowelt gaben die von Annette Wisser aktivierten Benutzer. Argumente wie Ergonomie, Akzeptanz und Benutzerschnittstellen ließen sie eindeutig für Eritron votieren.

Die IBM 3090 mit 64 MB Hauptspeicher und rund 600 Bildschirm- und Druckerterminals übernimmt für die technischen und kommerziellen Anwendungen die Hostfunktion. Sie verwaltet die Massendaten und ist für die übergreifenden Programme zuständig. (Disoss ist erst für 1989 geplant. DB2 läuft schon im Produktionsbetrieb).

Auf der kommerziellen Seite fördert die Ausstattung aller vier Eritron-Systeme mit Textverarbeitung und Teletex ein einheitliches Arbeiten. Der für den Zentralen Schreibdienst zuständige Eritron-Rechner übernimmt die Datensicherung und andere Master-Funktionen. Außerdem hat er den direkten Anschluß an die 3090 herzustellen über den die autorisierten Abteilungssekretärinnen ihre manuellen Zeitdaten-Abstimmungen vornehmen können. Die Sekretärinnen tun dies über Eritron-Schreibbildschirme, nicht etwa über zusätzliche IBM-Terminals.

Auf der Basis der Eritron-Teletex-Funktion ergeht das Versenden und Abrufen von Bestellungen und Lieferplänen jetzt automatisch. Die 3090 startet nicht mehr wie bisher ihren nächtlichen Druck-Job, sondern gibt die Bestelldaten per 3780-Dateitransfer zum Eritron-Rechner, der diese Daten zu Teletex-Sendungen segmentiert und (protokolliert und quittiert) versendet - nicht selten 400 Seiten pro Nacht.

Etwas anders gelagert ist die Teletex-Aufgabe des Eritron-Rechners, der das Vertriebssystem steuert: Hier sind die Teletex-Sendungen jederzeit - nicht erst im nächtlichen Batch-Lauf - auszugeben. Der Teletex-intensivste Bereich bei Schlafhorst ist die Zentrale Ersatzteilversorgung, in der sieben Kilometer entfernten Niederlassung Rheindahlen.

Blinde Mitarbeiterin mußte integriert werden

Ein Großteil der Teletexe wird dort von einer blinden Mitarbeiterin erstellt und versandt, die zuvor bereits für das Fernschreibwesen zuständig war. (Sie zu integrieren, war eines der Schlafhorst-Ausschreibungskriterien.) Die von Schasiepen gebotene Lösung umfaßte einen Ericsson-PC, der mit einer speziell bearbeiteten Tastatur sowie mit Braille-Box und Joystick ausgestattet wurde.

Auf dem Eritron-Rechner in der Patentabteilung läuft eine Spezialanwendung. Hier werden von sieben angeschlossenen Arbeitsplätzen aus hochempfindliche Daten, die die Anmeldung von Patenten oder die Fristen von Lizenzen etc. betreffen, recherchiert und verwaltet - und zwar weltweit, auch unter Abfrage überseeischer Datenbanken per Datex-P.

Zu den von Schlafhorst installierten Arbeitsplatzsystemen ist zusammenfassend zu sagen, daß sie konsequent aufgabenbezogen gestaltet sind. Dies gilt

- für den an einen Eritron angeschlossenen IBM PC AT, der Texte satzmäßig aufbereitet und in die firmeneigene Fotosatzanlage gibt,

- für die speziellen Dokumentenverwaltungssysteme, die die diffizile Recherchearbeit im technischen Labor erleichtern

--- für die geplanten CAT-(Computer-Aided-Translation-) Systeme der fremdsprachlichen Terminologie-Datenbank.

Digitale telefonische Ortsverbindung

Der Neuaufbau des Telefonbereichs ist seit kurzem in vollem Gange. "Was wir hier als Generalunternehmer realisieren", sagt Höchsmann, "ist die erste digitale Telefonanlage, die es in dieser Form in Deutschland gibt." Sie besteht in der Hauptsache aus einer 3W3000-Nebenstellenanlage (Ericsson MD 110) mit Sprach- und Datenkommunikation sowie aus einer digitalen Poststrecke zwischen dem Firmenhauptsitz und den rund 70 Nebenstellen in der operatorlos betriebenen "abgesetzten Anlage" Rheindahlen. Die PCM-(Pulse-Code-Modulation-)Verbindung nach Rheindahlen verfügt über 30 digitale (logische) Kanäle auf der Basis einer Vierdrahtleitung.

Unteranlage als Knackpunkt

Im Jahre 1987, als die alte Telefonanlage am Ende ihrer Kapazitätwar, mußte Schlafhorst seine bis dato abwartende Haltung aufgeben. Getrieben vom hausinternen Telefon- "Notstand", von der Aussicht, mit der Anbindung von Bildschirmarbeitsplätzen und Rechnersystemen an die überall bereits vorhandenen Zweidrahtleitungen große Teile der Datenkommunikation billig abwickeln zu können, schließlich auch von der marktreif werdenden/gewordenen digitalen Telefontechnik, suchte das Unternehmen bei einem unabhängigen Telefonberater Rat.

Auf dessen Leistungsverzeichnis und Ausschreibung hin meldeten sich vier von zehn angeschriebenen Telefonsystem-Herstellern. Dazu Annette Wisser: "Bei den Herstellern digitaler Nebenstellenanlagen erwies sich die geforderte bedienerlose Unteranlage immer wieder als Knackpunkt." Doch auch mit der Kombination von Sprach- und Datenkommunikation war es manchmal nicht weit her, sobald es Fremdsysteme zu integrieren galt. Oder ein anderes Beispiel: Die zentrale Gebührenerfassung klappte nicht.

Schlafhorsts Wahl fiel schließlich auf Ericsson, nicht zuletzt weil dieser Hersteller zwei Jahre praktischer Erfahrungen mit der digitalen Sprachkommunikation belegen konnte, und weil er keinen gesonderten Server für Teletex anbot, dessen spezielle Bedieneroberfläche hätte erlernt werden müssen.

In die Vorbereitungen auf den anstehenden Rufnummernwechsel hinein platzte die Nachricht, daß auf der innerörtlichen Relation Mönchengladbach - Rheindahlen Schwierigkeiten aufträten und die PCM-Strecke nicht "zum Stehen" zu bringen sei. Die Post und Ericsson suchten den Fehler gemeinsam und fanden ihn gerade noch rechtzeitig. (Ericsson hatte bei der holländischen Post vor Jahren schon mehrere abgesetzte Anlagen einschließlich PCM-Leitung und Knotenrechner für die Datenkommunikation implementiert.)

Mit einem Tastendruck im gewünschten System

Über ihr neues Telefon wählt Annette Wisser sich mit ihrem Office-Terminal in die unterschiedlichen Eritron-Abteilungsrechner ein und erreicht auf diesem Weg auch den IBM-Host. "Das Schöne an der Arbeit mit dem digitalen Telefon ist: Man drückt eine einzige Taste und ist mit dem

gewünschten System verbunden - auch auf der Datenseite."

Annette Wisser bekräftigt ihre Aussage mit einer Kurzstory: Der VDMA-Arbeitskreis "Bürokommunikation" hatte sich anläßlich eines Besuchs bei Schlafhorst in einen Konferenzraum begeben, der gänzlich "unvernetzt" war - Telefonleitung ausgenommen. Das dort befindliche analoge Telefon wurde gegen ein digitales ausgetauscht und die Nebenstellenanlage davon "verständigt". Das mit dem digitalen Telefon gekoppelte Office-Terminal konnte daraufhin sofort Anwendungen ausführen, für die es auf den Abteilungsrechner und den Host zurückgreifen mußte.

Das Unternehmen

W. Schlafthorst & Co. ist auf dem Markt des Textilmaschinenbaus aktiv. Mit den beiden Maschinentypen "Autoconer" , einer der ersten vollautomatischen Kreuzspulmaschinen mit Spleißerautomatik, und "Autocoro" , der ersten vollautomatischen Spinnspulmaschine, und mit dem Ersatzteilgeschäft erreicht das Unternehmen derzeit einen Umsatz von rund einer Milliarde Mark, fast 90 Prozent davon im Exportgeschäft. Schlafhorst hat Tochterfirmen in den USA und Japan sowie Vertriebsstätten in 120 Ländern. Das größte Problem der Mönchengladbacher stellen die zu geringen Produktionskapazitäten dar. Schlafhorst nimmt die gute Ertragslage daher zum Anlaß, sich informationstechnologisch optimal auszurüsten und gilt bei den DV-Anbietern als ebenso innovativer wie guter Referenzkunde. Die Mönchengladbacher sind, wie ein Brancheninsider anmerkt, "strategischer IBM-Großkunde, weil hier ein weites Feld für Innovationen besteht."