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20.10.2000 - 

Unternehmensethik mit langfristigem Denken verbinden

Ex-Bertelsmann-Chef definiert Reformprojekte

Nach einem halben Jahrhundert an der Spitze des Familienunternehmens Bertelsmann zeigt Reinhard Mohn in diesem Bericht an den Club of Rome Wege auf, wie und welche Reformprozesse im 21. Jahrhundert voranzutreiben sind. Dazu rechnet er ein neues Gemeinschaftsverständnis, lernfähige Ordnungssysteme und neu zu definierende Ziele in der Arbeitswelt. Von Inge Steutzger*

Als Reinhard Mohn 1946 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, entschied er sich trotz anderweitiger Berufspläne innerhalb von zwei Tagen, im Familienunternehmen mitzuarbeiten. Mohn ging von Anfang an unkonventionelle Wege, um den Herausforderungen der Nachkriegszeit gewachsen zu sein. Dazu gehört die Buchclub-Idee, also "der Einfall, unter diesen ungewöhnlichen Marktverhältnissen nicht auf Kunden zu warten, sondern die Kunden aufzusuchen." Auch den großen Kapitalbedarf des Unternehmens befriedigte er auf neuartige, für die "Arbeitsgemeinschaft" Bertelsmann typische Weise: durch eine innovative Form der Mitarbeiterbeteiligung, die den zügigen Aufbau der Firma unterstützte.

Mohn geht es in diesem Buch allerdings um viel mehr als um die Darstellung der Unternehmenskultur von Bertelsmann. Er versucht, aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung heraus die wichtigsten politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Reformvorhaben für das nächste Jahrhundert zu definieren. So relativiert er zum Beispiel die gängige Ansicht, dass das Kapital der wichtigste Erfolgsfaktor in der Wirtschaft sei, und betont dagegen den übergeordneten Auftrag des Unternehmens, den "Leistungsbeitrag für die Gesellschaft". Dazu zählt er die "Führungstechnik der Delegation der Verantwortung", und zwar möglichst weit an die unteren Ebenen. Er nennt verschiedene "Bausteine der Motivierung", etwa ein gerechtes Einkommen und die schriftliche Mitarbeiterbefragung. Mohn unterstreicht den Erfolg betrieblicher Solidargemeinschaften, wozu er die Betriebskrankenkassen zählt, die sparsamer wirtschaften könnten als die gesetzlichen Kassen. All dies fördere ein "neues Gemeinschaftsverständnis".

Zu den neuen Zielen in der Arbeitwelt gehört vor allem die Förderung des Führungsnachwuchses, an der es hierzulande hapere. Außerdem betont Mohn die Wichtigkeit der Kontinuitätssicherung des Unternehmens, da es vor allem hier um die Menschen gehe. Diese Verantwortung werde bisher vom Management oft nicht als solche wahrgenommen. Sie müsse ein Bestandteil der Unternehmensethik werden.

Innovationsfähigkeit, Wachstumsrate, Finanzierungsstrategie, Führungskontinuität und das Betriebsklima sind dabei wichtiger als schiere Größe. Auch die staatlichen Ordnungssysteme müssten ihren Beitrag leisten, etwa durch Investitionen in die innovationsfreudigsten deutschen Universitäten. Insgesamt sollte die Gesellschaftsreform also aus der stärkeren Identifikation mit der Gemeinschaftsordnung, Menschlichkeit, Effizienz, Flexibilität und Innovationsfähigkeit hervorgehen.

Reinhard Mohn. Menschlichkeit gewinnt. Eine Strategie für Fortschritt und Führungsfähigkeit. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung 2000. 255 Seiten, 38 Mark.

*Inge Steutzger arbeitet als freie Autorin in München.