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21.06.1991 - 

Die IDG-Publikation "rd" hörte sich um:

Ex-DDR: Mainframes sind in nur die ESER-Architektur ist out

MÜNCHEN (CW) - Was tut sich in den Rechenzentren der neuen Bundesländer? Dieser Frage ist die Ost-Berliner IDG-Publikation "rd" nachgegangen. Ergebnis: Die veraltete ESER-Technik soll vollkommen ersetzt werden. Obwohl damit die Chance für eine offene Struktur gegeben wäre, plädiert die Mehrheit der DV-Entscheider für Mainframes von IBM.

Die rechentechnische Ausstattung der ehemaligen DDR ist durch Analysen mittlerweile hinreichend bekannt. Rund 350 ESER-Rechner bildeten in den besten Zeiten den Kern der Informationstechnik. Neben ESER-Systemen - im Dresdner Robotron-Stammhaus gefertige IBM-Nachbauten - wurden Großrechner-Anlagen aus der UdSSR und der ehemaligen CSSR importiert. Organisations-Rechenzentren der Kombinate, Ministerien, Verwaltungen, Hochschulen und Universitäten sowie Dienstleistungs-RZs und DV-Abteilungen im Finanzwesen und Außenhandel waren hierfür die Abnehmer. Dabei hatte das jüngste ESER-Modell 1057, das größtenteils mit 16 MB Hauptspeicher konfiguriert war, die meisten Installationen zu verzeichnen. Zudem befanden sich 1056- und 1055-Systeme mit einer Hauptspeicher-Kapazität von 2 bis 4 MB im Einsatz. Das Potential der russischen und tschechischen Computer, die meist ebenfalls über 2 bis 4 MB RAM verfügten, ist den Auswertungen des Magazins "rd rechentechnik datenverabeitung" zufolge nicht sehr hoch gewesen.

Im Vergleich zu westlichen Großanlagen stehen die ESER-basierten Systeme bei den Anwendern jedoch nicht mehr hoch im Kurs. Kein Wunder - der technische Rückstand der DDR-DV beträgt sieben bis neun Jahre. rd-Chefredakteur Franz Loll wollte daher wissen: "Was passiert mit den DV-Altlasten?". Doch diese Frage hat für einen Teil der ESER-Benutzer, etwa aufgelöste staatliche Institutionen oder Industriebetriebe, die zahlungsunfähig sind, keine Relevanz mehr. Hier werden die Rechner verschrottet. Die verbliebenen DV-Abteilungen kommen jedoch nicht daran vorbei, sich mit dieser Problematik zu beschäftigen, besonders im Hinblick auf die künftige Strategie - für oder gegen eine zentrale Umgebung mit Mainframes.

Den Antworten zufolge neigt sich die Ära ESER offenbar schnell dem Ende zu. Zwar sind gegenwärtig noch 37 Prozent der Anlagen im Einsatz, doch auch diese Rechner sollen, so das Ergebnis der Umfrage, bei der Mehrheit der Fälle in der zweiten Jahreshälfte 1991 ausgesondert werden. Die restlichen Systeme sind bereit stillgelegt (sechs Prozent), verschrottet (33 Prozent), verkauft (zehn Prozent) oder aufgerüstet (14 Prozent). Den schnellen Umstieg auf moderne Anlagen begünstigte die vormalige Regierungskommission mit der Ausrichtung des RGW und von Robotron auf DEC (SKR) und IBM (ESER).

IBM als Gewinner des Technikumbruchs

Der ESER-Nachlaßverwalter IBM wurde daher gleichzeitig zum großen Gewinner des Technikumbruchs. Marketing-Klimmzüge waren dafür jedoch nicht notwendig - ohne wirklich den Markt zu erschließen, fiel Big Blue durch die Kommissionsaktivität ein fester Kundenstamm in die Hände. Die Nachfrage konzentriert sich überwiegend auf das Midrange-Modell 4381, doch auch der 43xx-Veteran 4341 wurde der rd-Redaktion zufolge installiert. Zögerlich verhalten sich die Rechenzentren gegenüber den MVS-Anlagen 3084, 3090 sowie bei AS/400-Systemen. Alternative Systeme, wie die Modelle 7/22, 8/80 und 8/71 von Comparex, sind ebenfalls nur in Einzelfällen gefragt.

55 Prozent für Mainframes

Der Anbieter, der von den Marktanteilen her an zweiter Stelle liegt, folgt IBM mit großem Abstand. Das gleiche trifft für Philips, Siemens sowie T1 und Unisys zu, die ebenfalls einige Unternehmen belieferten - letztere unter dem Betriebssystem Unix.

Doch in den neuen Bundesländern weitet sich die Diskussion über eine dezentrale Datenverarbeitung nur langsam aus. Großsystemen werden dort für die nächste Zeit mehr Chancen eingeräumt. 55 Prozent der Befragten befürworteten Mainframes mit einem klaren ja. Es gibt allerdings auch Gegenbeispiele.

Der DV-Verantwortliche der Planeta Druckmaschinenwerke AG, Radebeul, erwartet langfristig eine Trendwende: "Es werden verteilte Datenbasen auf heterogener Rechentechnik kommen, und auch die Erweiterung der Rechnernetze dürfte fortschreiten. Für die abnehmende Bedeutung der Mainframes spricht auch das Preis-Leistungs-Verhältnis."